Badesalz und Kräutermischungen LKA beendet Luxusleben eines Münchner Drogenbarons

Ein kleiner Teil der vom Landeskriminalamt konfiszierten Drogen werden am Donnerstag bei einer Pressekonferenz gezeigt. Foto: rah

Ein 32-Jähriger verkauft mit Hilfe von Komplizen hochgefährliche Psycho-Drogen im Internet. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis.

München - Wenn Christoph S. in seinem luxuriös eingerichteten Domizil in Nymphenburg mal die Decke auf den Kopf fiel, quartierte er sich für ein paar Tage in Münchner Nobelhotels ein. Der Boss des internationalen Drogenrings ließ sich gerne von einem Privatchauffeur fahren.

Luxus stand im Leben des 32-Jährigen ganz oben: Designeranzüge von Versace und Louis Vuitton, handgefertigte Schuhe für 800 Euro, Weingläser für 250 Euro und zum Entspannen 21 Jahre alter Single Malt Whiskey aus Schottland. Monatlich 60.000 Euro verdiente Christoph S. nach eigenen Angaben mit NpS, einer neuen chemischen Psychodroge.

"Das Zeug ist lebensgefährlich", betont Michael Uhl, Leiter des Sachgebiets Chemie beim Landeskriminalamt, "der Konsum ist wie toxisches Roulette". Codename: AK47, nach der russischen Kalaschnikow. Christoph S. nahm die Droge nie selbst. "So dumm bin ich nicht", sagte er im Verhör.

Die Basis ist Damiana-Kraut, eine harmlose Substanz aus der Naturheilkunde und überall problemlos zu bestellen. Auf den Trägerstoff werden psychoaktive Substanzen aufgesprüht, meist stammen sie aus China. Im Dampfkochtopf wird das Zeug getrocknet und dann zu Riegeln gepresst. "Das kann im Grunde jeder Grundschüler in der Küche", sagt Walter Bogenreuter von der Kripo in Ansbach.

Mehr als eine Tonne Drogen an 20.000 Kunden verkauft

Über 1,2 Tonnen dieser verharmlosend als Kräutermischung oder Badesalz bezeichneten Drogen soll Christoph S. in München hergestellt haben. Von November 2016 bis März 2018 boomte das Geschäft. "Über 20.000 Kunden belieferten er und seine Helfer über einen speziellen Internethandel", sagt LKA-Präsident Robert Heimberger. Alles professionell organisiert, sogar mit Kundenservice und Hotline, wenn es mit Lieferungen Probleme gab.

Über zehn Millionen Euro soll die Bande mit Psychodrogen umgesetzt haben. Das Geschäft lief mit Hilfe von Finanzagenten, die ihre Konten zur Verfügung stellten und dafür zehn Prozent Provision, mindestens aber 5.000 Euro kassierten.

42 Verdächtige sollen an den Drogengeschäften beteiligt gewesen sein. Fünf sitzen in U-Haft. Christoph S. hat bereits zweieinhalb Jahre wegen Drogengeschäften im Gefängnis verbracht. Damals lebte er noch in der Nähe von Ansbach. Die Ermittler konnten auf einem einzigen der Konten in einem Zeitraum von nur fünf Monaten über 10.000 Buchungen feststellen.

Der gesamte beschlagnahmte Datenbestand der Bande umfasst vier Terabyte, das sind 266 Millionen DIN A4 Seiten, oder 200.000 Ausgaben der Bibel, das haben LKA-Fahnder ausgerechnet.

So flog der Drogenbaron auf

Aufgeflogen ist der lukrative Drogenhandel im März 2017 in einem Paketshop in Reichshof (NRW). Einer Mitarbeiterin war der stechende Geruch einer Lieferung aufgefallen. Als sie dem Abholer mit der Polizei drohte, flüchtete er. Etwa zur selben Zeit flog eine weitere Lieferung in Wuppertal auf. Insgesamt 87 Kilo NpS im Marktwert von 700.000 Euro.

Absender beider Pakete war eine Adresse im mittelfränkischen Kreis Ansbach. Der Kripo fiel in dem Zusammenhang sofort der Name von Christoph S. ein, eines alten "Bekannten".

Aus diesem Ansatz entwickelte sich die bisher größte Ermittlungsaktion bundesweit zu NpS. "Ein toller Schlag gegen Organisierte Kriminalität", lobte gestern Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Präsentation des spektakulären Drogen-Falls im Landeskriminalamt in München.

Die Pressekonferenz des LKA in voller Länge im Video:

 

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