AZ-Test Suzuki Jimny Ranger Ein Allradler zum Verlieben

Klassisch: Die Frontansicht des Suzuki Jimny erinnert noch immer an die des legendären LJ 80 aus dem Jahr 1980. Foto: Rudolf Huber

Zurück zu den Wurzeln: Im AZ-Test bewies der kleine Retro-Offroader Suzuki Jimny, dass er längst noch nicht zum alten Eisen gehört.

 

München – Manchmal taucht beim Autofahren so eine Art Retro-Flash auf. Und zwar als Wunsch nach einem ganz normalen, einfachen Auto. Einem ohne reihenweise Assistenzsysteme, ohne jeden Schnickschnack, ohne 50 Lenkradtasten, ohne Konnektivität und ausgefuchste Infotainment-Systeme. Zurück zu den Wurzeln der automobilen Fortbewegung sozusagen. Und was soll ich sagen: So ein Auto gibt es, sogar absolut fabrikneu. Sein Name ist Jimny, Suzuki Jimny. Sein Auftrag: überall durchkommen. Und er mag's gerne geschüttelt, nicht gerührt. Auch auf groben Pisten.

Im AZ-Test lief das Sondermodell Ranger, das mit seinem kompromisslosen Pragmatismus das Jimny-Konzept eigentlich am besten auf den Punkt bringt. Zwei Sitzplätze, Trennnetz, einknöpfbare Laderaumauskleidung, links und rechts ein Aufkleber, am Heck eine abnehmbare Anhängerkupplung: Fertig ist das Sondermodell. In der getesteten Ausstattungsversion Comfort auch noch so nette Sachen wie eine Klimaanlage und eine Sitzheizung zu bieten hat. ABS und ESC hat der Jimny sowieso, eine Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber und elektrisch verstellbare Außenspiegel auch. So ganz nackig kommt der Retro-Geländegänger also gar nicht daher. Ein Satz zu den Preisen: Der Comfort-Ranger steht ab 17 390 Euro in der Liste.

Suzuki Jimny: Kraxelfähigkeiten für den kleinen Geldbeutel

Apropos Geländegänger: Dank bis 100 m/h per Knopfdruck zuschaltbarem Allradantrieb lässt der Jimny in dieser Disziplin nichts anbrennen. Kein Wunder, dass er gerade im Süden Bayerns so beliebt ist. Schließlich bietet er Kraxelfähigkeiten vom Feinsten für ein vergleichsweise überschaubares Budget. Der 1,3-Liter-Benziner mit seiner Höchstleistung von 84 PS hat mit dem gut 1,1 Tonnen schweren Jimny wenig Probleme. Klar: Ein Expressflitzer ist der kleine Japaner nicht. Aber die Fahrleistungen passen gut zur hochbeinigen Karosse und zum ganz schön schluckfreudigen Fahrwerk. 14,1 Sekunden vergehen für den 0-bis-100-Spurt, bei 140 Sachen ist Schluss. Das klingt jetzt deutlich lahmer, als es sich anfühlt, sogar ein paar Autobahnkilometer sind im Mini-Geländewagen kein Problem. Man sitzt relativ hoch und gerade, hat alles im Blick und im Griff und lässt die anderen Autofahrer einfach vorbeirauschen – es pressiert ja nicht!

Im zweisitzigen Ranger ist der große Kofferraum mit einer per Druckknöpfen zu befestigenden, abwaschbaren Plane ausgelegt.

Die Bedienung ist so einfach wie die Ausstattung, dank der beim Ranger weggelassenen Rücksitzlehnen kommt ein Stauvolumen von gut 800 Liter zustande – das reicht auch mal für einen größeren Einkauf oder eine Portion Wildfutter für den Jägersmann. Beim Jimny macht auch Langsamfahren Spaß, obwohl sein Fahrwerk auch mal eine Kurventour recht kommentarlos wegsteckt. Daran, dass der kleine Suzuki wegen der Trommelbremsen hinten auch wie ein Fahrzeug aus früheren Jahren verzögert, gewöhnt man sich schnell. Und dass er dank seiner kantigen Karosserie nicht der Schnittigste ist und auch deshalb im Test knapp acht Liter Super pro 100 Kilometer komsumierte, regt eher noch dazu an, mit dem Jimny auf die Suche nach der verlorengegangenen Langsamkeit zu gehen. Eine amüsante Angelegenheit ist das. Ganz ohne Assistenzsysteme.

 

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