AZ-Test BMW 320i Dynamischer Bayern-Bestseller

Typisch BMW, typisch 3er: Das Design des BMW-Bestsellers hat sich in vier Jahrzehnten evolutionär entwickelt. Foto: Rudolf Huber

Der 3er BMW liegt seit Jahrzehnten ganz vorne in der Verkaufsstatistik der Münchner Autobauer. Woran liegt's, was kann er? Das zeigt ein aktueller 3er im AZ-Test.

 

München - Der 3er ist so etwas wie das Herz der Marke BMW. Ein echter Bestseller der Münchner. Kaum zu glauben: Jedes vierte neue Auto, das die Weiß-Blauen verkaufen, ist ein 3er. Mehr als 14 Millionen Exemplare wurden in gut 40 Jahren abgesetzt. Was ist dran an dieser Modellreihe? Dieser Frage gehen wir im AZ-Autotest wir mit einer repräsentativen Vertreterin der aktuellen 3er-Generation nach: einer 320i Limousine.

Das Gesamtpaket passt

Knallrot steht der 3er auf dem Hof, gekleidet ist er im schicken M Sport-Design, das macht schon ganz schön was her: Ein bisschen Chrom da, ein paar Blenden hier, dazu natürlich feine Felgen: Das Gesamtpaket passt schon mal. Im letzten Jahr musste sich der Bayern-Bestseller einem sanften Facelift unterziehen, seitdem rollt er mit leicht geänderten Stoßfängern und (optional) mit Scheinwerfern in Voll-LED-Technik an.

Ein erfreulicher Anblick: Der 3er BMW hat eine weltweite Fan-Gemeinde - er trifft mit Styling und Dynamik den Geschmack.

Die Blinker rutschten in die „Augenbrauen“ hoch. Und die neue Grafik der LED-Rückleuchten soll die Breite des Autos betonen. Mehr war ja auch wirklich nicht nötig – der 3er ist auch in der zweiten Hälfte seines Produktzyklus ein schickes Auto.

Überraschungen im Innenraum nach längerer 3er-Abstinenz

Im Inneren wurde die Qualitäts-Anmutung der Materialien verbessert – man sieht und spürt es, diese Maßnahme hat gut getan. Witzig ist die Überraschung, nach längerer 3er-Abstinenz wieder auf einen BMW mit Handbremshebel zu stoßen – stimmt, da war mal was. Und eigentlich hat das doch auch ganz gut funktioniert...

Ansonsten bietet die Bedienung keine Überraschungen: Ist halt ein ausgereifter und bedienungsfreundlicher BMW, mit dem mittlerweise für BMW-Insider blind zu handelndem iDrive-Schalter für Infotainment, Navi und Co und mit dem Fahrerlebnisschalter für die Abstimmung auf die gewünschte Fahrwerks-, Lenk- und Motorcharakteristik. Die wichtigsten Assistenzsysteme hat der 3er an Bord, im Test bewährte sich wegen längerer Etappen in der Schweiz der Limiter besonders: Zulässige Vmax einstellen, einfach Gas geben – und die Schweizer Schandis mit ihren horrenden Bußgeldern haben das Nachsehen!

Gut aufgeräumter Arbeitsplatz: Mit den Bedienelementen des aktuellen 3er BMW kommt man sehr schnell zurecht.

Platz gibt es im 3er nicht wirklich reichlich, aber quasi wie im gut sitzenden Maßanzug, der Kofferraum der 4,63 Meter langen Limousine ist mit einem Volumen von 480 Litern sehr üppig ausgefallen und überrascht im Test-3er mit 100-prozentiger Unvariabilität: Nicht mal eine aufpreispflichtige Skiklappe hat das Auto abgekriegt, die stand nicht in der Ausstattungsliste. Und ans Umlegen der Rücksitzlehnen ist gar nicht zu denken. Dabei ist das so praktisch.

Freude am Fahren als Synonym für den 3er-BMW

Aber jetzt zum Kern der Sache, zum Fahren. Das mit der Freude daran ist ja praktisch ein Synonym für den 3er, er liegt so richtig saugut auf der Straße, das macht den kleinen Abstecher durch die schönen Serpentinen des San Bernadino-Passes zum Highlight der Reise. Das Fahrwerk macht sehr, sehr lange mit, was der Fahrer gerne möchte, die von Antriebsaufgaben entkoppelte Vorderachse und der Heckantrieb spielen wunderbar zusammen. Ein Übriges tut natürlich der 184 PS starkeBenziner unter der Haube, der schön eifgrig am Gas hängt und wunderbar seindeweich hochdreht. 0 bis 100 in 7,2 Sekunden, 235 km/h Spitze – das zeigt schon, dass da ganz schön was geht.

Der Testwagen war mit der 2150 Euro teuren Achtgang-Steptronic ausgestattet, die dem Fahrer recht souverän die lästige Schaltarbeit abnimmt, aber ein bisschen Eingewöhnung braucht, weil man wegen einer minimalen Verzögerung bei Beschleunigen anfangs manchmal etwas zu zackig aus den Puschen kommt und weil's mit leicht nervösem Gasfuß etwa auch beim Rausbeschleunigen aus engen Kurven ein bisschen unrund wird.

Gelungener Abgang: Das typische 3er-Heck bietet Platz für einen üppigen Kofferraum.

Bei 5,5 Liter Sprit je 100 Kilometer liegt der Normverbrauch, zum Ende des AZ-Tests meldete der Computer letztlich 6,5 Liter, auch weil der 3er in der schönen Schweiz sehr ökonomisch unterwegs war. Sonst hätten durchaus noch ein paar Zehntelliter mehr auf der Uhr stehen können.

Und jetzt die Gretchenfrage, die nach dem Preis: Ab 37 250 Euro gibt es einen neuen 320i, die M Sport-Version steht mit 43 000 Euro in der Liste – und das ist angesichts der üppigen Sonderausstattungsliste natürlich noch längst nicht das Ende der Fahnenstange.

 

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