AZ-Telefonaktion Flughafen-Chef: "11.000 neue Jobs"

Flughafen-Chef Michael Kerkloh. Foto: dpa

Flughafen-Chef Michael Kerkloh bei der großen AZ-Telefonaktion über die Grenzen der Auslastung, die dringend notwendige Express-S-Bahn und die Gründe, warum es eine dritte Startbahn braucht

 

Alexander Stumpf, Arbeiter aus Fürstenfeldbruck: Brauchen wir die 3. Startbahn wirklich, wo es doch so viel Widerstand dagegen gibt?

MICHAEL KERKLOH: Ja, die brauchen wir dringend, weil wir schon jetzt an den meisten Stunden an der Auslastungsgrenze sind.
Es ist natürlich klar, dass es bei den betroffenen Bürgern in der unmittelbaren Nachbarschaft Widerstand gibt. Das ist verständlich. Die dritte Bahn bringt der Flughafenregion aber auch viele positive Effekte wie zum Beispiel zukunftssichere Arbeitsplätze und wirtschaftliche Impulse.

Nadine Engel, Selbstständige aus München: Wird es auch eine gescheite S-Bahn-Anbindung zum Flughafen geben?

MICHAEL KERKLOH: Eine schnelle S-Bahn-Verbindung vom Hauptbahnhof zum Flughafen ist absolut notwendig und auch unser größter Wunsch. Derzeit ist aber leider noch unklar, wie diese Anbindung aussehen soll. Auf jeden Fall bräuchten wir dazu die zweite Stammstrecke.

Heinz Leger, Rentner aus Markt Indersdorf: Wenn der Flugbetrieb durch den Bau der dritten Bahn mehr wird, nehmen auch Lärm und Schadstoffbelastung zu. Das geht zu Lasten der Anwohner im Umkreis. Was tun Sie dagegen?

MICHAEL KERKLOH: Der Münchner Flughafen ist Vorreiter bei den schadstoffarmen Flugzeugen. Je mehr Schadstoffe die Flugzeuge ausstoßen und je lauter sie sind, desto mehr müssen die Fluggesellschaften zahlen.
Wir wissen, dass ein Flughafen auch Belastungen mit sich bringt und tun deshalb alles, diese möglichst gering zu halten. Deshalb werden wir unsere Anstrengungen auf diesem Gebiet in den kommenden Jahren noch weiter ausbauen.

Maria Eberle, Rentnerin aus Lohhof: Seit zirka einem Vierteljahr fliegen startende Flugzeuge niedrig über unser Haus. Hat sich da eine Flugroute geändert?

MICHAEL KERKLOH: Nein, eine Route hat sich nicht geändert. Natürlich sind die Piloten verpflichtet, sich an die Flugrouten und Flughöhen zu halten. Ausnahmen gibt es, wenn die Maschine einem Gewitter ausweichen muss. Eine weitere Möglichkeit hängt auch mit dem Wetter zusammen: Wenn es sehr heiß ist, gewinnen Flugzeuge manchmal langsam an Höhe, das hat mit dem Luftdruck zu tun. Auch sehr schwer beladene Flugzeuge steigen manchmal eher langsam auf. Wenn Sie Näheres zu einem bestimmten An- oder Abflug wissen möchten, können Sie sich immer an unser Servicetelefon für Lärmanfragen wenden – die Nummer lautet 97 54 04 10. Wir überprüfen dann den betreffenden Flug für Sie.

Anke Roth, Lehrerin aus Freising: Ich habe den Eindruck, dass nachts mittlerweile mehr geflogen wird. Stimmt das?

MICHAEL KERKLOH: Wir haben nach wie vor ein Nachtflugverbot zwischen Mitternacht und 5 Uhr früh. Zwischen 22 und 0 Uhr sowie zwischen 5 und 6 Uhr darf nur sehr eingeschränkt geflogen werden. In diesen drei Stunden ist dann auch immer nur eine Bahn in Betrieb, die Nord- oder die Südbahn, um den Lärm gleichmäßig zu verteilen. Die dritte Bahn spielt für den Nachtverkehr übrigens keine Rolle, sie darf nachts nicht genutzt werden.

Raphael Senft, Check-in Mitarbeiter bei der Lufthansa aus Attaching: Wenn sich die Gegner der Startbahn beim Bürgerentscheid durchsetzen. Ist das dann endgültig?

MICHAEL KERKLOH: Der Bürgerentscheid ist theoretisch für ein Jahr bindend. Man könnte nach dieser Frist einen neuen anstreben, aus der Praxis weiß man aber, dass das selten passiert. Meine Prognose ist, dass man in diesem Fall Jahre auf eine mögliche neue Entscheidung warten muss.

Stefanie Zienecker, Architektin aus München: Ich wohne in Bogenhausen. Wird der Fluglärm über München durch den Bau einer dritten Startbahn zunehmen?

MICHAEL KERKLOH: Nein, München bekommt durch die dritte Bahn keine zusätzliche Lärmbelastung. Anders als in Berlin oder Frankfurt wird es bei den Flugrouten in München keine großen Änderungen geben - hier geht es nur darum, die neue Bahn an das bestehende Netz anzubinden. Und die dritte Bahn liegt ja nordöstlich des bestehenden Airports, der Flughafen rückt damit also eher von München weg.

Michael Zierer, Unternehmer aus München: Es heißt immer, die neue Startbahn würde jede Menge neue Jobs bringen. Was für Jobs werden das sein? Nur für Menschen, die im Flughafenbereich tätig sind?

MICHAEL KERKLOH: Am Flughafen selbst werden durch die dritte Bahn nach den Prognosen der Experten 11.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Dabei reicht das Spektrum von einfachen Tätigkeiten für Ungelernte bis zu komplexen Aufgaben für entsprechend hoch qualifizierte Fachkräfte. Noch einmal ebenso viele Jobs wie am Flughafen selbst wird die dritte Bahn im Großraum München schaffen. Das sind zum Beispiel die Arbeitsplätze, die bei den Lieferanten und Wartungsbetrieben entstehen, die regelmäßig Aufträge vom Airport bekommen. Noch gar nicht einbezogen sind hier übrigens die vielen Jobs, die die dritte Bahn in den Münchner Hotels, im Taxigewerbe und in den touristischen genutzten Freizeiteinrichtungen schafft.

Korbinian Schneider, Rentner aus München: Ich fliege gerne. Welche Vorteile hat die dritte Startbahn für mich als Passagier?

MICHAEL KERKLOH: Mit der dritten Bahn können die Fluggesellschaften ihr Reiseangebot ausbauen, also mehr Ziele und mehr Flüge gerade auch im Langstreckenverkehr anbieten. Außerdem sinkt mit der dritten Bahn unsere Störanfälligkeit. Sie werden als Passagier also nicht mehr so oft in einem Flugzeugstau vor der Startbahn oder vor der Landung in einer Warteschleife stecken.

 

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