AZ-Serie zu den Kultlöwen TSV 1860: Peter Nowak - Giesings unvergessener Weltenbummler

Beliebt bei den Fans: 1860-Spielmacher Peter Nowak. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Er war einer der besten Spielmacher, die je im Löwen-Trikot spielten: Peter Nowak. Ein Weltenbummler, den es nach seiner Zeit in Giesing in die USA zog. Der vierte Teil der Kultlöwen-Serie.

 

München - In seinem Pass stand noch immer Keller. Peter Keller. Der Nachname seines Großvaters. Seine Familie hatte nach dem Zweiten Weltkrieg in Oberschlesien gelebt, um einer Vertreibung zu entgehen, nahm man dann den Mädchennamen der Großmutter an. Nowak.

Ein Name, der heute noch wohlige Erinnerungen auslöst im Gedächtnis des Löwen-Anhangs. Peter Nowak, wohl mit der beste Spielmacher, den die Sechzger je hatten.

Dabei war Nowak ein eher Spätberufener. Sein Vater Franz, einst Profi bei LKS Lodz, hatte ihm das Fußballspielen beigebracht, eine eher harte Schule, neben der Schule gab es kaum Freizeit, täglich stand intensives Training auf dem Programm. Mit 15 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag, er spielte für viele Vereine, Widzew Lodz etwa und Motor Lublin. Aber auch für Klubs namens Wlokniarz Pabianice und Zawisza Bydgoszcz. Wer auswendig beide Vereinsnamen unfallfrei aufsagen kann, ohne sich die Zunge auszurenken, bekommt am Grünspitz eine Halbe.

Nowak kam direkt nach dem Aufstieg zu Sechzig

Sein erster Auslandsaufenthalt führte ihn in die Türkei zu Bakirköyspor (na gut, zwei Halbe), dann zog er weiter nach Bern zu den Young Boys, schließlich 1993 nach Dresden zu Siggi Held, der ihn für damals noch stolze 800.000 Mark zu Dynamo holte. Schon ein Jahr später ging's nach Kaiserslautern, weil Trainer Friedl Rausch aber keinen Platz für ihn im Mittelfeld fand, ließ man Nowak zu Sechzig ziehen, Anfang September nach dem dritten Spieltag.

Die Löwen waren gerade in die Bundesliga aufgestiegen und standen auf der Suche nach sich selbst noch ziemlich neben sich. Sein Debüt gab er am fünften Spieltag beim 1:3 gegen Karlsruhe, die Heimpremiere stand am Wochenende darauf im lang ersehnten Derby an, doch auch da verlor man 1:3. Sechs Spiele, 1:11 Punkte, der Löwe taumelte.

Doch dann wuchs Nowak immer mehr in die Rolle eines brillanten Mittelfeldregisseurs hinein, seine beste Partie spielte er am letzten Spieltag der Hinrunde, beim 2:1 gegen Frankfurt. Man kommt gar nicht drumherum, die Bedeutung dieser Partie zu würdigen, diesen letzten Nachmittag im denkwürdigen Kalenderjahr 1994 am dritten Adventssamstag im kalten aber vollen Grünwalder Stadion. Jens Dowe traf schon nach neun Minuten für die Löwen, kurz nach der Pause dann der Auftritt von Peter Nowak, der auf 2:0 erhöhte. Sein erstes Tor für die Löwen.

Peter Nowak: Der Denker und Lenker bei den Löwen

In der Rückrunde folgten vier weitere Treffer, aber es waren weniger seine Tore, weshalb Nowak zum großen Garanten des Klassenerhalts wurde, vielmehr seine Übersicht, diese unnachahmliche Art, mit der er das Spiel der Löwen lenkte. Gerade im Frühjahr blühte er auf, mit sieben Spielen ohne Niederlage am Stück sicherten sich die Löwen den kaum noch für möglich gehaltenen Verbleib in der Bundesliga. Mit 31 Jahren erlebte Nowak in der folgenden Spielzeit die beste Saison seines Lebens, 1996 wurde er zum besten Spielmacher der Bundesliga gewählt. Am Ende der Saison war man einstellig.

Nowak freilich hatte auch seine Eigenheiten, wie so viele seiner Artgenossen als Dirigenten im Mittelfeld. Spieler auf der Zehnerposition tendieren gerne zu einer gewissen, mit der ein oder anderen Allüre versehenen Divenhaftigkeit. Anders als Verteidiger, die mit Freude kompromisslos dorthin gehen, wo es weh tut. Anders als Stürmer, die einfach Tore schießen wollen, dann macht es Bumm. Der Zehner aber ist prädestiniert für Eitelkeiten. So war es auch bei Peter Nowak, dem man gerne unterstellte, dass er jede kleine Blessur zur schlimmsten aller Verletzungen erhob oder, wie es Bruno Labbadia formulieren würde, hochsterilisierte.

Gerne erzählt man sich noch die kleine Anekdote, dass Werner Lorant die Jammerei eines Tages zu viel geworden sein soll und er deswegen in einem Spiel gegen St. Pauli Nowak in den Angriff beorderte. Weil es dort von den traditionell humorlosen Kiez-Verteidigern ordentlich auf die Stutzen gab, sagte Nowak nie mehr etwas über etwaige Malaisen und durfte fortan wieder im Mittelfeld auflaufen.

Von Giesing in die USA

Nach 1997 aber lief er gar nicht mehr auf für die Löwen, nach drei Jahren war Schluss, drei Jahre, die aber reichten, um sich einen Platz im Giesinger Ehrentempel der größten Löwen aller Zeiten zu ergattern.

Für Nowak ging es dann noch weiter nach Amerika, mit Chicago Fire feierte er große Erfolge, führte das Team gleich im ersten Jahr 1998 zur Meisterschaft in der Major League Soccer, gewann zweimal den US Open Cup, das Pendant zum DFB-Pokal. 2003 beendete er seine Karriere, er versuchte sich noch in Polen bei Lech Gdansk als Trainer und Sportdirektor, heute lebt er wieder in den USA. Ein Weltenbummler, in Giesing unvergessen.

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