AZ-Serie zu den Kultlöwen TSV-1860-Ikone Fredi Heiß: Der Mann, den Pelé lobte

Fredi Heiß (m.) im November 1965 gegen den Karlsruher SC. Foto: imago/Horstmüller

Die AZ-Serie zu den Kultlöwen. Heute mit Fredi Heiß, dem Metzerbuben aus der Maxvorstadt, der sogar den wohl größten Fußballer aller Zeiten begeisterte.

 

München - Die Löwen, seine Löwen, die beschäftigen Fredi Heiß immer noch. 79 ist er inzwischen, der Meisterlöwe von 1966, und wäre sein Haar nicht von Alters wegen schon ergraut, hätten dafür seine Sechzger schon gesorgt.

Wie sehr ihn die Entwicklung im Verein bekümmert, erklärte er etwa Anfang November, nach dem Rücktritt von Daniel Bierofka. "Bierofkas Aus ist tragisch und sehr, sehr schade – aber leider keine Überraschung für mich. Ich will 1860 nichts Schlechtes, aber was da betrieben wird, ist einfach nur traurig. Man kann nur noch den Kopf schütteln." Aber das hat er schon oft getan, den Kopf schütteln und auch ein bisserl verzweifeln über die Zustände bei seinem alten Klub.

Jetzt, vor ein paar Monaten im August, waren es genau 60 Jahre, dass Alfred Heiß in der ersten Mannschaft der Löwen debütierte. Mit 18 in der Oberliga unter Trainer Hans Hipp, beim 1:1 in Aschaffenburg.

Fredi Heiß: Sein Vater war ein Roter

Groß wurde er in der Maxvorstadt, seine Eltern besaßen ein Haus in der Barerstraße, direkt am Eck zur Blütenstraße. Unten drin hatten sie eine Metzgerei, Fredi Heiß ist ein weiteres Beispiel, dass es Kinder aus Metzgersfamilien, deren Nachname mit H beginnt, weit gebracht haben im Fußball. Hoeneß, Hainer, Heiß. Heute ist die Metzgerei einem recht netten Café gewichen, der Waldmeisterei.

Am liebsten kickte Heiß immer vorne auf der Wiese neben der Alten Pinakothek, der Vater war ein Bayern-Fan, aber den kleinen Alfred zog es dann doch zu den Sechzgern – weil es ihm so gefiel, dass sie Löwen genannt wurden. Den Löwen trug er dann mit 13 erstmals auf der Brust, aber sein Vater weigerte sich lange, ein Spiel seines Sohnes zu besuchen, 1959 in Coburg saß er das erste Mal auf der Tribüne – das war aber auch Fredis Debüt in der Junioren-Nationalmannschaft unter Trainer Helmut Schön.

Pelé schwärmt vom Metzgerbuben Heiß

Als der Bub 1961 eine schwere Gelbsucht überwunden hatte, fand er schnell wieder zurück, debütierte 1962 noch unter Sepp Herberger in der A-Nationalmannschaft beim 5:1 in Karlsruhe gegen die Schweiz. In seinem zweiten Länderspiel ging es in Hamburg gegen den amtierenden Weltmeister Brasilien, und vielleicht gab es in der Karriere von Fredi Heiß kein größeres Kompliment als die Aussage von Superstar Pelé nach Abpfiff, der nach dem 2:1-Sieg seiner Selecao vom Metzgerbuben aus der Maxvorstadt schwärmte: "Ein toller Rechtsaußen, den die Deutschen da hatten. Er war ihr bester Spieler". Schiedsrichter der Begegnung, das nur am Rande, war ein gewisser Gottfried Dienst aus der Schweiz. Dass er gut drei Jahre später in Wembley ein WM-Finale verpfeifen würde, war damals noch nicht abzusehen.

Ein Spiel, bei dem Fredi Heiß auch gerne dabei gewesen wäre, nachdem er 1965 schon mit den Löwen die Atmosphäre von Wembley erlebt hatte, beim Pokalsieger-Endspiel gegen West Ham. Allerdings wurde Heiß nicht nominiert, der AZ verriet er einmal, wie das kam. Kurz vor Saisonende war Trainer Max Merkel bitterböse über eine Aussage aus Spielerkreisen, dass man wohl nicht wegen, sondern trotz Merkel Meister würde. "Das hat er mir unterstellt und mich im vorletzten Spiel gegen Dortmund (2:0, d. Red.) draußen gelassen", so Heiß. "Dann habe ich mir in einem Trainingsspiel, das ich sonst womöglich gar nicht gemacht hätte, einen Muskelbündelriss zugezogen. Damit hatte sich die WM erledigt."

Fredi Heiß: Karriereende mit 29 Jahren

So versäumte Heiß auch das letzte Saisonspiel zuhause gegen den HSV, mit dem sich die Löwen die Meisterschale dann sicherten. Heiß kickte noch bis 1970 weiter, zog mit seinen Freunden aus der Mannschaft gerne um die Häuser, am liebsten in die Zwickmühle, damals die Stammkneipe der Sechzger in der Theresienstraße.

Mit 29 war dann Schluss, Heiß beendete die Karriere, er hätte noch ein lukratives Angebot von den Young Boys aus Bern gehabt, doch Heiß lehnte ab, ergriff seinen gelernten Beruf als Speditionskaufmann, zog mit seiner Frau Ingrid und den Kindern Peter und Carolin nach Neukeferloh. In den Neunziger Jahren wurde er Vizepräsident, dann Aufsichtsrat, ein Gremium, das ihn aber ziemlich entnervte, weshalb er bald wieder austrat.

Im nächsten Dezember hat Heiß runden Geburtstag. Seinen Siebzigsten Ende 2010 feierte er mit seiner Frau Ingrid in New York, später erzählte er, dass er vormittags einen beeindruckenden Gospel-Gottesdienst in Harlem besucht hatte, dass ihn aber vor allem die SMS-Nachrichten während der Messe beglückten, die ihm mitteilten, dass in der Heimat die Löwen 1:0 gegen Union Berlin gewannen.

Ende 20 also wird Fredi Heiß 80. Aber einer wie er ist immer Sechzig.

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