AZ-Serie: München 2030 Schwabing-West: Ein Spielplatz für Spekulanten

Das letzte erschwingliche Domizil für Familien in Schwabing: Der frisch bebaute Ackermannbogen. Foto: Gregor Feindt

Münchens vierter Stadtbezirk ist schon heute so dicht bebaut wie kein anderer. Dennoch drücken die Leute weiter ins Viertel.

Schwabing - In Schwabing ist seit jeher das pralle Leben zu Hause. „Die Freude an der Kultur ist hier schon immer da“, sagt Walter Klein. Insofern wird das Kreativquartier an der Dachauer Straße das Viertel nicht grundlegend verändern. Es wird nach Ansicht des örtlichen Bezirksausschuss-Chefs das Leben dort nur noch ein bisschen bunter, aufregender – insgesamt also einfach noch besser machen.

Was das für die Mieten bedeutet, ist natürlich auch klar: Sie werden weiter steigen. Schon jetzt, erzählt Klein, kosten selbst an der lauten Schleißheimer Straße 80 Quadratmeter schon um die 1200 Euro kalt. „Auch dafür braucht man eigentlich schon ein doppeltes Einkommen“, sagt Klein.

Klar, dass Schwabing, die einstige Heimat der Münchner Bohème, bei dieser Ausgangslage längst zu einem Spielball für geldige Spekulanten geworden ist. Das Schwabinger Carré im Herzen des Viertels zum Beispiel: „Eine reine Investorengeschichte“, schimpft Klein, „das kann man sich als Normalverdiener nicht mehr leisten.“

Trotzdem drücken die Menschen weiter ins Viertel. Auf 70 000 wird die Bevölkerungszahl bis 2020 anwachsen, bis 2030 wird es laut neuem Demografie-Bericht der Stadt 3,6 Prozent mehr Schwabinger geben als heute. Dann wird aber auch der letzte Dachstuhl ausgebaut und der letzte Hinterhof nachverdichtet sein. 2030 wird endgültig Schluss sein mit Wachstum, sagen die Prognosen.

Schon heute ist Schwabing das am dichtesten bebaute Viertel der Stadt. Deshalb und weil das Wohnen eben so teuer ist, lassen sich dort kaum Familien nieder. Im frisch bebauten Ackermannbogen haben sich junge Familien die paar günstigeren Wohnungen geschnappt. Aber ansonsten wird das Viertel vor allem von jungen Erwachsenen dominiert.

Bis 2030 wird sich daran nicht großartig etwas ändern. Die Zahl der Ü75-Jährigen wird deutlich steigen, denn wer heute schon in Schwabing wohnt, hat keine Lust, im Alter auf das rege Kulturleben zu verzichten. Die Leute bleiben lieber wohnen – so Lokalpolitiker Klein auch. Schwabing, das ist sein Viertel – und soll das auch bleiben.

 

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