AZ-Serie: Ihr Viertel 2040 Weniger Einwohner als heute: Untergiesing geht gegen den Trend

Hippe junge Leute, aber auch noch sehr einfacher Wohnungsbestand: So ist das in Untergiesing. Foto: Daniel von Loeper

Familien ziehen in Randbezirke, große Wohnungen werden von wenigen Menschen bewohnt: Untergiesing und Harlaching werden 2040 weniger Einwohner als heute haben.

 

Untergiesing - Es ist eine für München äußerst untypische Entwicklung. Während die gesamte Stadt wächst, geht in Untergiesing-Harlaching die Zahl der Einwohner bis 2040 zurück! Dass die Wohnungen im Stadtbezirk künftig von weniger Menschen bewohnt werden als heute, ist die logischste Erklärung für dieses Schrumpfen, das die Stadt offiziell prognostiziert.

Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) erklärt: "Generell ziehen junge Familien an den Stadtrand – so unsere Beobachtung." So erklärt Merk auch, dass die Zahl der unter Zehnjährigen im Bezirk bis 2040 sinken wird.

Untergiesing: Älter werdendes Viertel

Auch das Durchschnittsalter der Menschen im Bezirk wird voraussichtlich leicht ansteigen. Mit 43 Jahren wird Untergiesing-Harlaching statistisch betrachtet nach Hadern und Pasing-Obermenzing zu den ältesten Bezirken Münchens gehören.

Statt von Familien ist Untergiesing-Harlaching künftig also eher von Ein- bis Zweipersonen-Haushalten mittleren Alters geprägt.

Wenig neue Wohnungen - Wenig Wachstum

Dementsprechend wird die Zahl der Einwohner pro Quadratkilometer sinken – ein starkes Indiz, das für die Theorie von weniger Menschen pro Wohnung spricht. Doch obwohl die Zahl der Einwohner je Quadratkilometer abnimmt, liegt sie mit 6.500 Einwohnern je Quadratkilometer auch künftig über dem Münchner Durchschnitt (2040: rund 6.000).

Ein Grund, warum die Bevölkerung im Bezirk überhaupt nicht mehr groß wachsen könnte: Bis 2040 werden in Untergiesing-Harlaching lediglich 700 Wohnungen neu gebaut. Das sind gerade einmal 0,6 Prozent aller für München geplanten Neubauwohnungen.

Untergiesing unterscheidet sich von allen anderen Vierteln des Stadtbezirks vor allem durch seinen immer noch erkennbaren Charakter als ehemals typische Arbeitervorstadt mit schlichtem und dichtem Mietwohnhausbestand, zum Teil noch aus dem vorletzten Jahrhundert. Im Schatten der Hauptverkehrsstraßen haben sich dort auch noch vereinzelt Wohnquartiere mit Kleinwohnhäusern erhalten.

Harlaching/Menterschwaige: Höchster Wohnwert Münchens

Im Kontrast dazu der westlich der Grünwalder Straße bis zur Stadtgrenze verlaufende Bezirksteil Harlaching/Menterschwaige – ein aus der Gartenstadtidee um die letzte Jahrhundertwende entstandenes repräsentatives Villenviertel.

Am Isarhochufer gelegen, hat diese Wohngegend wohl mit den höchsten Wohnwert Münchens. Insgesamt gibt es im Bezirk zahlreiche beliebte Freizeit- und Erholungsziele – nicht nur für die Bewohner der Viertel, sondern für die gesamte Stadt. Dazu zählen die Isar- und Flaucheranlagen sowie der Tierpark und die weitläufigen Sportanlagen des TSV 1860 an der Grünwalder Straße (nicht zu vergessen das 1911 eröffnete Grünwalder Stadion) und Anlagen des FC Bayern an der Säbener Straße.


Die AZ-Umfrage: Wie gefällt es Ihnen in Ihrem Stadtbezirk?

Patentingenieur Alex Bindel (33): "Ich lebe in Untergiesing, und ich mag, dass es nicht so schickeriamäßig ist wie in Schwabing. Es ist noch bisserl ruhiger, moderater und bodenständiger als anderswo. Wünschen würde ich mir vegane Restaurants – damit ich dafür nicht so weit in die Stadt fahren muss. Ein Irish Pub wäre noch super. Wünschenswert wäre aus meiner Sicht eine Jahreskarte fürs Freibad. Das gibt es noch nicht."

Verkäuferin Veätan Gabriela (47): "Mir gefällt alles in Untergiesing. Ich mag die Menschen dort. Der Stadtteil hat seinen ganz eigenen Charme. Es ist alles da, was man braucht. Am Hans-Mielich-Platz gibt es einige schöne kleine Geschäfte und es gibt dort schöne Sitzbänke. Aber auch die Pilgersheimer Straße gefällt mir. Spezielle Wünsche zu Untergiesing habe ich nicht. Es ist gut so, wie es hier im Viertel ist."

Angestellte im Öffentlichen Dienst Evelyn Hadzic-Holzapfel: "Ich lebe in Untergiesing und liebe dort ganz besonders die Nähe zur Isar. Und ich mag den Hans-Mielich-Platz. Donnerstags ist der grüne Markt – da gibt es Hendl, Fleisch, Gemüse – alles, was man braucht an Naturprodukten. Allerdings wäre zu wünschen, dass dort Streetworker herkommen, um Menschen zu helfen, die in schwierigen Situationen stecken."

Rentnerin Gina Weigert (68): "Ich lebe seit 24 Jahren in Untergiesing und bin absoluter 1860-Fan. Ich liebe die Löwen, es gibt nichts Besseres. Die Menschen sind toll hier im Viertel, es gibt viele kleine Kneipen in Untergiesing. Ich mag lieber Leute, die Außenseiter der Gesellschaft sind. Ich wünsche mir, dass es hier so bleibt, wie es war. Es wäre schön, wenn noch mehr Leute bairisch reden würden." 


Stadtbezirk in Zahlen: Untergiesing-Harlaching (Stand 2018/19)

Fläche: 805 Hektar
davon Gebäude (und zugehörige Freiflächen): 426 Hektar
davon Erholungsflächen: 207 Hektar

Einwohner: 53.200
Ausländer: 12.800 (24 Prozent)
Arbeitslose: 981

Kfz gesamt: 23.200
Pkw: 23.180
Einwohner je Kfz: 436

Praxis-Ärzte: 122
darunter Zahnärzte: 47
Einwohner je Arzt: 436
Einwohner je Zahnarzt: 1.132
Apotheken: 8

Schulen: 7
davon Gymnasien: 2
Kitas: 49
Personal: 510
Betreute Kinder: 2.301

Theater/Kinos: 0
Bibliotheken: 2

Hotels: 2
Betten: 307

Oberbürgermeister- Stichwahl 2014:
Josef Schmid (CSU): 42,5 Prozent
Dieter Reiter (SPD): 57,5 Prozent

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