AZ-Meinung Uli for President?

Feiert heute mit 500 illustren Gästen seinen 60. Geburtstag. Foto: Rauchensteiner / Augenklick

Gunnar Jans, Sportchef der Abendzeitung, über das Phänomen Hoeneß

 
Auf wessen Kosten die Lacher gingen, war unklar, als Ex-WDR-Intendant Fritz Pleitgen bei „Hart, aber fair“ witzelte, man möge Christian Wulff durch Uli Hoeneß ersetzen. Ein Fußballfanatiker und Wurstfabrikant als Bundespräsident?

Nun hat der Klubchef des FC Bayern, der am Freitag seinen 60. Geburtstag mit 500 illustren Gästen im Münchner Postpalast feierte, längst zu jedem politischen Thema seine Meinung öffentlich gemacht – doch für ein solches Amt fehlt Hoeneß nicht nur die Lust, sich täglich eine Krawatte umzubinden. Es fehlt ihm vor allem: die Diplomatie.

Mit der brachialen Kraft, mit der er früher Liga-Konkurrenten, Schiedsrichter und jeden Feind des FC Bayern weggrätschte, wendet er sich heute gegen alle, denen er die Haltung abspricht: vom korrupten Weltfußballverbandschef bis zum profitgeilen Investmentbanker. Hoeneß trifft und berät die Kanzlerin, hofft auf Schwarzgrün, empfiehlt aber den Münchner SPD-Kandidaten fürs OB-Amt.

Er kämpft für die Euro-Rettung und die Brunner-Stiftung, ist Wirtschaftsboss mit Herz (für sozial Schwache). Er ist keiner, der kungelt. Er mischt sich ein – weil er unabhängig ist. Nach Bellevue zieht’s Hoeneß trotzdem nicht: Am wohlsten fühlt er sich noch immer im Fußballstadion.

 

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