AZ-Meinung Racheengel

Die AZ-Redakteurin Annette Zoch schreibt in der Abendzeitung über Oskar Lafontaine und die Personaldebatte in der Linken. Foto: dapd

Man kann die Mitglieder der Linken ja verstehen, dass sie sich endlich wieder nach einer funktionsfähigen Parteispitze sehnen. Die bisherigen Chefs Gesine Lötzsch und Klaus Ernst haben mehrere Landtagswahlen verloren und außerdem kein Fettnäpfchen ausgelassen – sei es das wirre Glückwunschschreiben an Fidel Castro oder die seltsame Kommunismus-Debatte.

 

Aber ist Oskar Lafontaine die Lösung? Erstens wird er im Bundestagswahljahr 2013 immerhin 70 Jahre alt. Eine Zukunftshoffnung sieht anders aus. Zweitens würde sich die Linke mit einem Oskar Lafontaine an der Spitze selbst viele Chancen verbauen: Denn auch zwölf Jahre nach seinem unrühmlichen Abgang aus der SPD wird man das Gefühl nicht los, dass es dem Populisten Lafontaine in erster Linie darum geht, den roten Racheengel zu geben.

Seine Fundamental-Opposition macht jegliche Regierungsbeteiligung unmöglich. Das linke Parteienspektrum ist schon jetzt so zersplittert wie nie. Die Piraten haben in diesem Jahr erstmals die politische Bühne betreten. Sie nehmen, das haben Analysen nach der Wahl in Berlin gezeigt, vor allem linken Parteien wie SPD und Grünen Stimmen weg.

Das sind vier Parteien auf der Linken, zwei auf der Rechten. Wenn’s in Zukunft also noch Regierungswechsel geben soll, müssen diese Parteien zusammenarbeiten. Mit einem Oskar Lafontaine als Chef der Linkspartei wird das nicht gehen.

 

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