AZ-Konzertkritik Shakira: Verführerischer Hüftschwung in der Olympiahalle

, aktualisiert am 18.06.2018 - 08:10 Uhr
Voller Körpereinsatz: Shakira bei ihrem München-Konzert in der Olympiahalle. Klicken Sie sich durch die Bilder. Foto: Jens Niering/AZ

Am Sonntagabend gab Superstar Shakira ihr Nachholkonzert in München. 13.000 Zuschauer waren in der Olympiahalle dabei – die AZ-Konzertkritik.

 

München - Ganz weit weg die Bühne, ganz nah dran an den Fans. Shakira im goldenen Abendkleid, intoniert die empfindsame Pianoballade "Toneladas". Aber irgendwas scheint nicht zu stimmen, immer wieder der Griff ins Auge. Ein lästiges Jucken oder sind es doch die Gefühle, die sie am Beginn der Zugabe, umjubelt von 13.000 Zuschauern, übermannen?

Kurz blickt der Weltstar zur Seite, damit die Live-Kameras, die sonst an ihm kleben wie willkommene Fliegen, diesen einen Moment nicht festhalten können. Dann der harte Schnitt. Die Kolumbianern pellt sich elegant aus ihrem Kleid, entschlüpft in einem rosa Leoparden-Legginsdress, rast begleitet von Securitys und die Fans abklatschend Richtung Bühnensteg, die Augen vor Freude schimmernd, während der unverkennbare Beat zu "Hips don’t lie" einsetzt.

Konzert in München: Shakira gibt sich nahbar

Sekunden später lässt die Frau des spanischen Starkickers Piqué wieder die Hüften kreisen, ihr Markenzeichen, und gibt die Tanz-Animateurin als wäre nichts geschehen. Und dennoch bleibt da dieses Glänzen in den Augen, eine Fragilität, die vielleicht auch mit der Horrornachricht vor einem Dreiviertel Jahr zu tun hat: Stimmbandblutung. Abbruch der Welttournee, und endlose Fragen nach ihrer Zukunft im schnelllebigen Popgeschäft.

Beim zweistündigen Konzert in der Olympiahalle nimmt sich die 41-Jährige dann auch einen Moment, um den Fans für ihre Unterstützung in dieser schweren Zeit zu danken. Im Gegenzug erleben wir eine Shakira, die sich restlos auspowert, als immer noch unnachahmlich bewegliche Tänzerin und als hörbar wiedergenesene Sängerin. Der sympathisch natürlich wirkende Lockenkopf unterscheidet sich bei seinem Auftritt deutlich von anderen Weltstars wie etwa eine unnahbare Rihanna. Denn immer bleibt Shakira trotz gelegentlicher Konfetti-Salven und einer LED-Wand im Zentrum des Geschehens, nichts wirkt von einem Produzenten ferngesteuert, nie dominiert die Show, stehen weder überstilisierte Videos noch Background-Sänger oder -Tänzer auf dem Best-of-Programm.

Mal Englisch, mal Spanisch - immer mitreißend

Seit 20 Jahren liefert Shakira nun Hits am Fließband, seien sie in englischer oder spanischer Sprache. Und dementsprechend wild wechselt die zweifache Mutter ihren musikalischen Stil, auch wenn sie sich bei den wenigen Umziehpausen durchaus Zeit lässt. Gleich beim ersten Dancefloor-Kracher "She Wolf" lässt Shakira ihre Fans wie Wölfe heulen – auch wenn sie selbst einen Tiger auf ihrem T-Shirt trägt. Mit "Si te vas" lebt sie dann ihre rockige Seite aus, nur um wenig später mit der Liebesballade "Underneath your Clothes" die Mitsingqualitäten des Publikums zu testen. Den Song präsentieren Shakira und ihre fünfköpfige Band in einer leicht abgewandelten Version mit verschleppten Beats, eine willkommene Variation, die sich später mit einer Reggae-Fassung von "Can’t Remember to Forget You" fortsetzt.

 

Die Begeisterung hatte zuvor schon einen Höhepunkt erreicht, als die plötzlich maskierte und barfuss laufende Shakira bei ihrem ersten Welthit "Whenever, Wherever" verführerisch ihre Hüften schwingt. Überhaupt ihre Bewegungen. Trotz grenzwertig frivoler Untersicht und Nahaufnahmen der Kameras, trotz laszivem Stangentanz, nie wirkt es, als wäre man in einer Pop(o)-Peepshow gelandet. Denn immer schwingt hier eine entspannte Leichtigkeit, ein kokettes Spiel mit den Zuschauern mit. So, als würde Shakira einem sagen: Das Gewackel gehört zu meiner Musik einfach dazu! Und diese Ungezwungenheit ist es auch, mit der es Shakira sogar schafft, La-Ola-Wellen trotz WM-Niederlage auszulösen – und das muss ihr erst einmal jemand nachmachen.

 

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