AZ-Kommentar Wir wollen mitfeiern!

Der AZ-Sportchef Gunnar Jans über Tennis und das Öffentlich-Rechtliche.

 

Stell Dir vor, Sabine Lisicki gewinnt Wimbledon – und niemand bekommt es mit! Da steht 14 Jahre nach Steffi Grafs letztem Finale erstmals eine deutsche Sympathieträgerin im Endspiel des wichtigsten Tennisturniers der Welt, die Engländer feiern sie als Bum-Bum-Bine, sind verzückt von ihrer Vorhand und den Returns, von ihrem Lächeln und den Freudentränen – und in Deutschland bleibt der Bildschirm schwarz.

Ein Wimbledon-Sieg von Lisicki hätte Dimensionen wie bei Graf und Boris Becker, und doch kann kaum jemand mitfeiern hierzulande bei diesem wunderbaren Märchen, weil einzig der Pay-TV-Sender Sky die Spiele überträgt. Die Öffentlich-Rechtlichen halten sich vom Tennis fern, ebenso die Privat-, ja sogar die Sportsender. Zu geringe Quote, zu viele Spiele, zu schwer planbar – Scheinargumente. Statt dessen zeigten ARD und ZDF gerade Confed-Cup-Kracher wie Uruguay gegen Nigeria live – so erklärt sich, dass 70 Prozent des Sportrechte-Etats in den Fußball fließt. Und während Lisicki Historisches erreichen kann, überträgt die ARD zur selben Zeit Rollstuhlbasketball und Triathlon – um dem Spartenanspruch gerecht zu werden. Dass die verschlafene ARD aufschreckte und nun plötzlich das Finale zeigen wollte, zeigt, wie strategisch dort geplant wird. Sky hatte dafür nur ein Lächeln übrig, verpasst es aber auch, das Finale unverschlüsselt zu zeigen. Doppelfehler auf allen Seiten.

Matchball dagegen hat Lisicki – sie kann dem Tennis zu neuem Schwung verhelfen. Was Sebastian Vettel in der Formel 1 und Martin Kaymer im Golfen nicht vermocht haben, nämlich für einen neuerlichen Boom in ihrer Sportart zu sorgen, könnte ihr jetzt gelingen – wenn die Sender mitspielen. Übrigens: Die AZ berichtet am Samstag per Liveticker auf abendzeitung-muenchen.de – schauen Sie mal rein.

 

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