AZ-Kinokritik "Scary Stories To Tell In The Dark": Zahmer Schocker für Teenies

Auggie (Gabriel Rush), Chuck (Austin Zajur), Ramon (Michael Garza) und Stella (Zoe Margaret Colletti) finden das geheime Buch. Foto: eOne Germany

"Scary Stories To Tell In The Dark" ist ein Horror-Film, der sich an ein noch nicht ganz so abgebrühtes Teenie-Publikum richtet. Warum der Grusel-Schocker gleichzeitig märchenhaften Charme versprüht. Die AZ-Kinokritik.

 

Die Gruselfiguren: handgemacht. Die Fahrt: abwechslungsreich. Die Schockmomente: zahlreich, aber zahm.

Eine Runde mit der Nostalgiegeisterbahn auf der Wiesn lässt sich durchaus mit der Kinoerfahrung von "Scary Stories To Tell In The Dark" vergleichen – auch wenn Spinnen hier nicht von knuffigen Marionetten gedoubelt werden, sondern als Ekeleffekt aus Teenie-Pickeln krabbeln.

Und dennoch, bei aller Lust am Body-Horror, richtet sich die Produktion von Guillermo del Toro an ein noch nicht ganz so abgebrühtes Teenie-Publikum. Als Identifikationsmöglichkeit bieten sich drei, mit dem Latinojungen Rámon (Michael Garza) später vier Außenseiter an: die Besserwisser-Anführerin Stella (Zoe Margaret Colletti), Sprücheklopfer Chuck (Austin Zajur) und der nerdige Angsthase Auggie (Gabriel Rush).

Sie alle suchen den Extra-Kick

Sie alle suchen an Halloween im Jahre 1968 den Extra-Kick, den sie sich in einer angeblich verfluchten Villa erhoffen. Und tatsächlich entdeckt die Clique zwischen all den Spinnweben ein verzaubertes Buch, das schaurige Geschichten des einst teuflisch gequälten Mädchens Sarah (Kathleen Pollard) enthält.

Was Stella, die das Buch heimlich entwendet, und ihre Freunde nicht wissen: Sarahs ruheloser Geist lebt literarisch weiter, und die leeren Seiten füllen sich wie von Geisterhand mit Kurzgeschichten, die brutale Auswirkungen auf die Realität haben. Der Gedanke, dass Poesie eine so große Kraft besitzt, dass sie bei ständiger Wiederholung auch wahr wird, hat durchaus einen märchenhaften Charme.

Vogelscheuchen und zehenlose Leichen

Der auf der Anthologie von Alvin Schwartz beruhende Episodenfilm kann diesen Reiz jedoch trotz detailgenau zum Leben erweckter Monster wie Vogelscheuchen oder zehenlose Leichen nicht ganz ausspielen. Dafür fehlt der Clique vom Reißbrett ein glaubwürdiger Zusammenhalt wie es ihn etwa in Stephen Kings "Es" oder "Stranger Things" gab.

Und auch die realpolitische Angst vor dem Hintergrund der kommenden Nixon-Ära wirkt aufgesetzter als noch das Franco-Terrorregime in del Toros vielleicht stärkstem Werk: "Pans Labyrinth".


Kino: Mathäser R: André Øvredal (USA, 108 Min.)

 

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