Video der Übung München: Rauch über der Frauenkirche - Feuerwehr probt den Ernstfall

, aktualisiert am 04.07.2019 - 18:43 Uhr
Nur eine Feuerwehr-Übung: Aus dem Turm Frauenkirche raucht es. Foto: Nina Job

Münchens Wahrzeichen in Flammen? Ein Albtraum! Die Feuerwehr probt für den Ernstfall. Die Bilder.

 

Altstadt - Wenn aus dem Petersdom in Rom weißer Rauch aufsteigt, ist dies das Zeichen, dass ein neuer Papst gewählt ist. Als am Donnerstag weißer Rauch aus einem Turm der Frauenkirche quoll, bedeutete dies: Die Feuerwehr probt den Ernstfall – nämlich, dass es brennt.

Das verheerende Feuer in Notre-Dame am 15. und 16. April liegt noch nicht lange zurück. Ist ein Feuer diesen Ausmaßes auch in der Frauenkirche möglich? Wie gut ist die Feuerwehr aufgestellt? Das sind Fragen, die nicht nur den Hausherrn, Domdekan Lorenz Wolf, beschäftigen, sondern auch viele Münchner.

Der weiße Rauch, der gestern aus einer Nebelmaschine in den strahlend blauen Sommerhimmel geblasen wurde, gab den Startschuss für eine wichtige Übung im Liebfrauendom. Die AZ war dabei:

Feuerwehr übt Einsatz in der Frauenkirche

Um 9.10 Uhr geht der automatische Alarm in der integrierten Leitstelle der Feuerwehr ein. Das vermeintliche Feuer ist ganz oben im Südturm ausgebrochen. Der Domdekan steht auf dem Platz vor der Frauenkirche und schaut nach oben. Auch im Ernstfall würde er sofort informiert. Er wohnt nur eineinhalb Gehminuten entfernt in der Pacellistraße.

Anders als im Ernstfall warten in der Fußgängerzone schon seit einiger Zeit mehrere Löschzüge auf ihren Übungseinsatz. Ein Feuerwehrmann erklärt: "Nur für eine Übung darf die Feuerwehr nicht mit Blaulicht und Musik durch die Stadt fahren."

Wenige Minuten später kommt der erste Stoßtrupp in voller Montur aus der Neuhauser Straße angelaufen. Die fünf Männer tragen Schutzkleidung, Helm, Atemschutzmasken, Pressluftflaschen – jeder schleppt fast 30 Kilo mit.

Feuerwehrmänner brauchen sieben Minuten bis zur Spitze der Frauenkirche

Der Truppführer informiert sich auf speziellen Karten über den "Angriffsweg" zur Kuppel. Dann geht’s nach oben: über 80 Höhenmeter die Treppe im Turm hinauf. Da heißt’s, nicht zu schnell gehen! "Sonst hat man oben keine Puste mehr", erklärt Gruppenführer Wolfgang Winkler später. Als die Männer die Rauchgrenze erreichen, legen sie ihre Atemschutzmasken an. Die Kollegen am Boden rollen derweil einen Schlauch aus und schließen ihn an den Hydranten vorm Augustiner an. In den Türmen sind Rohre fest installiert, die – normalerweise läuft kein Wasser durch – Trockensteigleitungen heißen. Das Löschwasser wird nach oben gepumpt. 130 Liter fließen pro Minute, 400 Liter braucht es, bis das Wasser im obersten Stockwerk angekommen ist.

Auch eine Drehleiter wird ausgefahren. Aber sie reicht nur 23 Meter hoch. "Sie dient zur Unterstützung, falls Flammen herausschlagen würden", erklärt ein Feuerwehrmann. Der Sturmtrupp ist oben angekommen. Die Männer haben nur beachtliche siebeneinhalb Minuten gebraucht. Nun sind sie fast am Ziel: Der Schwelbrand ist im Aufzugsraum über dem Turmstüberl ausgebrochen. Wasser marsch! Wenig später sehen Schaulustige von unten, wie eine Wasserfontäne direkt unter der Kuppel herausspritzt. Um 9.29 Uhr heißt es: Feuer aus!

Großbrand wie bei Notre-Dame soll verhindert werden

Es ist nicht die erste Feuerwehrübung im Dom, aber die erste große seit Jahren – und die erste öffentliche. Für die Einsatzkräfte ist das Training wichtig. "Es dürfen auch Fehler gemacht werden. Denn nur aus Fehlern lernt man", sagt Feuerwehrsprecher Klaus Heimlich. Doch an diesem Tag hat alles wie am Schnürchen geklappt. Wo man noch das eine oder andere optimieren könnte, wird die Analyse zeigen.

Auch der Domdekan ist mit dem Ablauf sehr zufrieden: "Die haben das wirklich gut gemacht. Ich sehe das mit großer Dankbarkeit. Alles lief in völliger Ruhe ab", lobt Prälat Wolf. Zwar könne man nie ausschließen, dass ein Feuer im Dom ausbricht – "aber dass so ein großer Teil abbrennt wie in Notre-Dame, halte ich für unwahrscheinlich."

Vorbeugend wurden bereits alle Kupferkabel im Dom durch Glasfaserkabel ersetzt. Auch soll im Dachstuhl, der wie in allen alten Kirchen aus Holz ist, bald ein Rauchansaugsystem eingebaut werden. Es würde noch früher Alarm schlagen, wenn es jemals heißen sollte: Die Frauenkirche brennt.

 

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