AZ-Interview zum TSV 1860 Ex-Löwe Stefan Aigner: "Ich bin kein Geldgeier"

Mit den Löwen 2017 gescheitert: Stefan Aigner (re.). Foto: sampics/Augenklick

Ex-Löwe Stefan Aigner kommt mit dem KFC Uerdingen ins Grünwalder Stadion. In der AZ spricht er über den Abstieg mit dem TSV 1860, seine Zeit in den USA und das Duell in der Dritten Liga.

München - Jahrelang spielte Stefan Aigner für die Löwen, an diesem Sonntag trägt er im Duell des TSV 1860 gegen den KFC Uerdingen (13 Uhr, im AZ-Liveticker) das Trikot der Krefelder.

Die AZ sprach vor der Partie mit dem 30-Jährigen - über seine "Flucht" nach dem Abstieg, Gespräche mit Daniel Bierofka und die Rolle der Sechzger in der Dritten Liga.

Herr Aigner, hätten Sie etwas Zeit für uns?
STEFAN AIGNER: Ja, klar. Ich hab‘ gerade mehrere Interviews. Man könnte fast meinen, wir spielen bald gegen Sechzig.

Sonntag, 13 Uhr, Grünwalder Stadion. Mit welchem Gefühl fahren Sie zu Ihrem Ex-Verein in die Heimat?
Nach allem, was passiert ist, habe ich ehrlich gesagt ein ganz komisches, mulmiges Gefühl. Ich habe damals bei den Bambinis angefangen, bin immer wieder zu den Löwen zurückgekehrt. Nach meinem Wechsel aus Frankfurt wollten wir in die Bundesliga. Der Aufstieg war mein Traum. Ich hätte nie im Leben gedacht, dass der Schuss so nach hinten losgeht.

Sie sprechen vom Abstieg in der Saison 2016/17 und Ihrer folgenden "Flucht" in die USA.
Viele haben gesagt: Wenn es dein Verein ist, warum hast du nicht geholfen, die Scherben zusammenzukehren? Ich hatte keinen Vertrag mehr, habe Abstand gebraucht und erst einige Wochen später realisiert, was passiert ist. Ich habe den Spaß am Fußball verloren. Normalerweise kommt das in der Sommerpause nach zwei, drei Wochen zurück. Diesmal hat es mehr als doppelt so lange gedauert.

Stefan Aigner schwärmt von den USA

Sie haben sich damals selbst als "Gesicht des Abstiegs" bezeichnet.
Ich war auch das Gesicht des Abstiegs, aber natürlich nicht der Alleinschuldige. Der Stachel saß wahnsinnig tief. So gerne ich würde, ich kann es leider nicht mehr rückgängig machen und muss damit leben.

Was bleibt von Ihrem Amerika-Abenteuer bei den Colorado Rapids?
Am Anfang war ich erstmal froh, dort nicht viel mitzubekommen und habe es kaum fertig gebracht, die Löwen in der Regionalliga zu schauen. Aus sportlicher Sicht lief es erstmal gut, unter dem neuen Trainer (Anthony Hudson, d. Red.) kam ich dann leider kaum zum Zug. Ich konnte trotzdem viel mitnehmen: Land und Leute waren top, die Menschen in Colorado waren extrem höflich. Ich hab‘ noch nie etwas so Schönes gesehen wie die Nationalparks und Berge dort, vor allem die Rocky Mountains.

Jetzt sind Sie beim KFC Uerdingen gelandet, dem Klub des russischen Investors Mikhail Ponomarev. So mancher enttäuschte Löwen-Fan könnte denken, Sie seien dem Ruf des Geldes gefolgt.
Ich kann mir schon vorstellen, dass einige Leute meinen: Der schaut nur aufs Geld. Aber darüber kann ich nur schmunzeln. Jeder, der mich kennt, weiß: Ich bin kein Geldgeier. Wenn es mir nur darum gehen würde, hätte ich drei Jahre bei Colorado aussitzen können. Ich hatte ein Angebot aus der Zweiten Liga und auch aus dem Ausland, da hätte ich auch mehr verdient als beim KFC. Ich denke, ich bin bodenständig und ein Familienmensch. Mit Biero (Daniel Bierofka, d. Red.) habe ich mich auch getroffen, aber da war schnell klar, dass Sechzigs Kaderplanung schon abgeschlossen ist. Ich bin mir jedenfalls nicht zu schade für die Dritte Liga und wollte nochmal in einer Mannschaft spielen, in der ich Spaß und Erfolg haben kann.

"TSV 1860 hat brutale Qualität"

Womit wir beim Saisonauftakt Ihrer Krefelder wären: drei Spiele, sechs Punkte. Zufrieden?
Kann man lassen. Verbesserungsbedarf gibt es immer, aber die Ausbeute ist in Ordnung. Bei mir selber gibt’s auch Luft nach oben. Ich bin gut durch die Vorbereitung gekommen und habe gegen Haching (1:3) getroffen, gegen Meppen (3:2) musste ich zur Pause raus, das war nicht mein bestes Spiel.

Uerdingen ist wie 1860 ein Aufsteiger. Was ist jeweils drin?
Sechzig, Lautern, Braunschweig, Rostock, der KSC – ein Haufen Traditionsvereine, das ist eher Zweite Liga und sicher kein Zuckerschlecken. 1860 hat brutale Qualität, ich sage, sie können oben mitspielen. Von meinem Vater und meinem Bruder, die zu jedem Heimspiel gehen, höre ich nur Positives. Grimaldi, Moll, Lex und Co.: Sie haben sich sehr gut verstärkt und sind ordentlich gestartet. Wir selbst sollten uns auch nicht kleiner machen, als wir sind, doch das Thema Aufstieg finde ich aktuell zu hoch gegriffen. Aber ich habe nicht für drei Jahre unterschrieben, um in der Dritten Liga zu bleiben.

Wenn am Samstag Ihr Name vorgelesen wird, rechnen Sie mit Pfiffen?
Ja, ich muss damit rechnen, dass die Fans pfeifen werden und es wird wehtun. Aber da muss ich durch, das ist mein Job. Jetzt ist Uerdingen mein Verein, für den ich alles geben werde.

"TSV 1860 ist mein Heimatverein"

Bleibt die Torjubel-Frage gegen Ihren alten Klub zu klären.
Sechzig ist mein Heimatverein, das wird immer so bleiben. Ich muss erstmal schaffen, ein Tor zu schießen, denn ich glaube, es wird extrem schwer für uns. Aber ich würde nicht jubeln – allein aus Respekt: Ich wurde dort zum Profi und habe Sechzig trotz allem sehr viel zu verdanken.

Im Video: Bierofka stärkt Torlos-Karger

 

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