AZ-Interview zum Geburtstag Ruth Maria Kubitschek: "Es ist eine Gnade, 85 zu werden"

Sie freut sich, 85 zu werden – und will das auch feiern: Die wunderbare Ruth Maria Kubitschek ist vor allem „dankbar“. Foto: dpa

Ruth Maria Kubitschek feiert drei Tage lang ihren Geburtstag. In der AZ spricht sie über das Leben, ihre Kraft und die Trauer – um ihren Liebsten Wolfgang Rademann: „Ich habe tagelang geweint.“

 

München - Rote Teppiche waren nie ihr Ding, dem Fernsehen hat sie vor einem Jahr Servus gesagt und nach dem Tod ihres Liebsten, Erfolgsproduzent Wolfgang Rademann († 81, „Traumschiff“), ist es um Ruth Maria Kubitschek („Kir Royal“, „Monaco Franze“) noch stiller geworden. Die wunderbare Grande Dame des Fernsehens, die viel mehr als das ewige Spatzl ist, wird heute 85.

AZ: Frau Kubitschek, wie...
Ruth Maria Kubitschek: Wie schön, dass Sie jetzt anrufen! Noch habe ich gut Zeit. In ein paar Stunden wird es allerdings sehr turbulent.

Sie feiern Ihren Geburtstag also?
Und wie! Drei Tage lang. Man wird ja nur einmal 85. Die letzten Geburtstage habe ich meist mit Wolfgang zu zweit gefeiert. Oder auch mal allein. Auf alleine hatte ich jetzt keine Lust.

Wer lässt Sie hochleben?
Mein Bruder, meine Schwägerin, meine Ex-Schwiegertochter. Ein paar gute, alte Freunde. Mein Sohn ist Musiker, er muss leider auftreten. Meine Enkelin macht ihren Bachelor in Bamberg. Aber es sind auch so viele richtig nette Leute da.

Die Sie alle bekochen?
Nee, das würden die nicht essen wollen. Zu gesund, zu vegetarisch. Wir gehen zu einem Hotel am See in Konstanz – und an meinem Geburtstag sind wir in meinem Garten. Es gibt Buffet, ganz entspannt, ach, ich freu’ mich. Hoffentlich scheint die Sonne. Aber nachts darf’s gern wieder gewittern und regnen, dann muss ich nicht gießen. (lacht)

Sie wirken so glücklich.
Ich bin es auch. Ich sehe es als Gnade, 85 zu werden. Wolfgang wäre auch gerne so alt geworden, er wurde leider nur 81. Meine Eltern starben beide mit 72. Ich bin dankbar, so alt zu werden.

Wie fühlen Sie sich?
Geistig bin ich sehr gesund, zum Glück, ich lebe auch achtsam. Knie und Hüfte machen ein bisschen Probleme. Zum Gehen brauch ich einen Stock, da bin ich uneitel. Es ist besser, dass ich in meinem Haus am Bodensee nach unten gezogen bin. Oben vermiete ich jetzt, da war Wolfgang zu Hause. Zu viele Erinnerungen für mich.

Stimmt der Satz: Die Zeit heilt alle Wunden?
Ja, das stimmt schon.

Vor sechs Monaten starb Ihr Lebensmensch. Nach 40 gemeinsamen Jahren. Jetzt sind Sie so stark. Aber wie ging es Ihnen in der Zeit dazwischen?
Ich vermisse ihn schon sehr, sein Dasein, unsere Gespräche, seinen Humor, seine blöden Sprüche. Nach der Beerdigung – auf der ich ausnahmsweise war, denn ich hasse Friedhöfe und kann mit Menschen in Särgen nichts anfangen – habe ich wahnsinnig viel geweint. Richtig geheult. Tagelang. Ich konnte nicht mehr aufhören. Irgendwann bekam ich von den vielen Tränen sogar ein Matsch-Auge. Ich dachte, das wird nicht mehr, so geschwollen war es. Auch das hätte ich in Kauf genommen, denn meine Trauer, der Schmerz, alles musste raus. Ich bin dann trotzdem irgendwann zum Arzt.

Was sagte er zu Ihrem Matsch-Auge?
Vom Salz der Tränen war alles verstopft. Er konnte mir helfen. Es hat sich wieder gegeben. Danach bin ich im Mai und Juni mit einem Meditationskreis nach Brasilien. Ich musste ganz weit weg, Abstand gewinnen, andere Luft atmen. Das hat geholfen. Mit dem Tod ist nicht Schluss, ich rede weiter mit Wolfgang – innerlich, nicht laut. Wenn er irgendwo ist, dann hier, bei mir. Wenn seine Lieblingsblumen blühen, denke ich, dass er das mitkriegt. Oder wenn ich sein geliebtes Bürli zum Frühstück aufbreche, weiß ich, dass er sich freut. Er lebt weiter.

Für Wolfgang Rademann war „mit dem Tod Feierabend“.
Er hat nicht dran geglaubt, ich meinte, er werde sich noch wundern. Nun wird er sagen: „Mensch, die Kubi hatte Recht.“

Sie glauben, dass Sie sich wiedersehen?
Ja.

Fürchten Sie den Tod?
Nein. Wenn es geschehen soll, bin ich bereit.

Fühlen Sie sich allein?
Ich kann gut mit mir allein sein, ohne einsam zu sein. Wolfgang ist oft reingeschneit, dann war er wieder auf dem Schiff oder in Berlin, monatelang, ich habe Übung darin, allein zu sein.

Was machen Sie, wenn Sie Zeit für sich haben?
Ins Grüne schauen, ein Buch lesen, malen, Musik hören. Ich mag aber auch die Stille.

Schauen Sie fern?
Selten. Beim „Tatort“ schalte ich weg. Jetzt habe ich viel Nachrichten gesehen nach dem schlimmen Amoklauf in München. Ich bin in Sorge, wie alles weitergeht, aber man darf auch nicht zu sehr einsteigen in die Angst. Wir dürfen unseren Lebensstil nicht ändern. Ich hab’ hier gut reden in meiner behüteten Schweiz, auf dem Land. Alle reden über Computerspiele. Was mich mehr stört, das habe ich vor paar Jahren Frau Merkel bei einem Treffen gesagt, ist das Fernsehprogramm.

Inwiefern?
Es laufen auf allen Sendern Krimis, Thriller, überall nur Mord und Totschlag. Für Kinder ist es selbstverständlich, dass getötet wird und Leichen herumliegen. Darin sehe ich eine große Gefahr. Das fand ich am Wolfgang so toll – mit seinen TV-Produktionen hat er den Menschen nur Glück bringen wollen.

40 Jahre waren Sie zusammen glücklich, auch der Tod konnte Sie nicht trennen.
Wir haben uns nie Vorwürfe gemacht, nie gestriten, haben uns gelassen, wie wir waren. Darauf war ich zum Schluss stolz. Als ich Wolfgangs Hand hielt, dachte ich, wir sind eine Art Vorbild für das Zusammenleben selbstbewusster, unterschiedlicher Menschen. Hätte ich ihn früher kennengelernt, hätte ich vielleicht versucht, ihn zu ändern. Aber so war’s wunderbar. Eine späte Liebe, die immer schöner wurde.

Ihr Geburtstagwunsch?
Ein Diamantring! (lacht) Da der nicht drin ist, habe ich meinen Gästen verboten, mir was zu schenken. Ihr Dasein ist Geschenk und Freude genug.

 

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