AZ-Interview zu Haching und 1860 Ex-Löwe Dominik Stahl: Hasan Ismaik war damals die Rettung

Vize-Kapitän bei Haching: Dominik Stahl (Mi.). Foto: imago/Lackovic

Der Hachinger Dominik Stahl spricht im Interview mit der AZ über die Rückrunde in der Dritten Liga, seinen Ex-Klub TSV 1860 und Investoren wie Löwen-Mehrheitseigner Hasan Ismaik.

Unterhaching - Elf Jahre lang trug Dominik Stahl das Trikot des TSV 1860 - heute würden sich wohl viele Löwen-Fans einen Sechser wie Stahl wünschen.

Doch seit 2016 spielt der heute 30-Jährige für den Nachbarn, die SpVgg Unterhaching. Weil Kapitän Josef "Seppi" Welzmüller mit einem Kreuzbandriss seit dem Derby gegen den TSV 1860 ausfällt, trägt der Mittelfeldspieler die Binde. Im Interview mit der AZ sprach er vor dem Start in die Rückrunde über eine komplizierte Handverletzung, Investoren wie Hasan Ismaik - und den Kampf um den Aufstieg in die Zweite Liga.

AZ: Herr Stahl, Sie hatten sich schwer an der rechten Hand verletzt. Wie geht es Ihnen?

DOMINIK STAHL: Es war kein glatter Bruch. Fünf Knochenteile mussten mit einer Platte und Schrauben wieder zusammengesetzt werden. Ich kann die Hand aber immer besser belasten.

Trainer Claus Schromm hat sich vor dem Start in die zweite Halbserie vorsichtig geäußert, obwohl Sie vor der Winterpause Aufstiegsfavorit Uerdingen 4:0 deklassiert haben. Sagen wenigstens Sie: "Stahl will um den Aufstieg spielen"?

Nein, diese Schlagzeile bekommen Sie nicht von mir (lacht). Klar herrschen noch die Eindrücke aus dem Uerdingen-Spiel nach. Aber: Es liegt eine Winterpause dazwischen. Ich habe einen sehr guten Satz unseres Trainers gelesen: "Bevor man nicht ein Ziel erreicht hat, soll man sich kein anderes setzen."

Stahl: Investoren-Trend nicht aufzuhalten

Dennoch: Der KFC dürfte ein Kontrahent um den Aufstieg sein.

Uerdingen ist eine komplett neu zusammengestellte Mannschaft, hat aber gute Spieler verpflichtet und kann, mit dem Investor dahinter, Geld ausgeben.

Sie meinen Geldgeber Michail Ponomarew. Das Investorenmodell ist in Fußball-Deutschland umstritten. Sie sind nicht nur Profi, sondern auch Fußballfan – wie stehen Sie dazu?

Jeder Verein muss sich entscheiden, wie konkurrenzfähig er bleiben will. Gerade in der Dritten Liga, in der es nicht viele TV-Gelder gibt, muss man sich Strategien überlegen. Ich habe es bei Sechzig hautnahe mitbekommen: Damals war der Investor (Hasan Ismaik, d. Red.) die Rettung, um den Profifußball am Leben zu erhalten. Dass ein Mensch, der viel Geld investiert, mitreden will, ist auch klar. Wenn das aber nicht klar abgesteckt ist, kann das zu Problemen führen. Es ist ein Trend, der sich nicht aufhalten lässt. Das Ziel muss aber sein, als Verein das letzte Wort zu haben.

Sie haben einmal im AZ-Interview gesagt, Sechzig habe seine Werte verkauft.

Es war eine schwierige Zeit. Aus allen Herren Länder wurden Spieler verpflichtet. In der Geschäftsstelle, der Kabine, wurde kein Deutsch mehr gesprochen. Das hatte nichts mehr mit Giesing und Sechzig zu tun, nichts mehr mit dem, was die Fans verinnerlichen wollen. Aber die Zeiten sind ja zum Glück vorbei.

Stahl: "Sechzig immer ein Teil von mir"

Über Investoren wird diskutiert, unabhängig von Sechzig und Haching, das die Ausgliederung seiner Profiabteilung beschlossen hat. Können Sie Bedenken der Fans verstehen?

Ja, wenn man sich in ihre Perspektive hineinversetzt: Sie verfolgen ihren Verein ein Leben lang, wollen Spieler sehen, die auch am Klub hängen. Es ist Wahnsinn, was da für eine Emotionalität dahintersteckt. Dann kommt einer und krempelt alles um. Aber nochmal: Der Trend ist nicht aufzuhalten, was nicht immer positiv ist.

An welchem Klub hängen Sie denn mehr: den Löwen oder Haching?

Ich war lange bei Sechzig und es wird immer ein Teil von mir bleiben. Ich hänge aber absolut an Haching, nach den turbulenten Jahren war die erste Saison hier richtig heilsam (lacht). Ich schaue nicht mehr zurück, Sechzig ist für mich abgeschlossen.

Eine Rückkehr nach Giesing ist ausgeschlossen?

Ich möchte so lange wie möglich in Haching bleiben und am liebsten meine Kariere hier beenden.

Erinnerungen an DFB-Pokal-Achtelfinale gegen BVB

Und wenn ein lukratives Angebot eines anderen Klubs käme?

Als ich hierherkam, habe ich die Antwort gegeben. Ich habe damals nicht nach Vereinen Ausschau gehalten, bei denen ich viel Geld bekomme hätte und es mir wurscht gewesen wäre, wo ich lebe. Uns geht es gut in München, meine Frau hat hier einen guten Job. Wir haben geschaut, welche Modelle es hier gibt. Dann kam Haching…

...und Sie haben die Löwen 2016 verlassen. Was ist aus elf Jahren Giesing in Erinnerung geblieben?

Das DFB-Pokal-Achtelfinale vor 71 000 Zuschauern gegen Borussia Dortmund und Jürgen Klopp (24 September 2013, d. Red.). Und viele tolle Persönlichkeiten, zum Beispiel Ex-Präsident Dieter Schneider, Gott habe ihn selig. Ein sehr feiner Kerl, ein ganz angenehmer Mensch mit einer sehr lieben Frau. Diese Saison habe ich aber erst ein Löwen-Spiel gesehen, und in dem war ich live auf dem Platz dabei (lacht). Sechzig war gegen uns sehr stark, eine der besten Mannschaften, gegen die wir in der Hinrunde gespielt haben.

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