AZ-Interview Wolfgang Krebs: "Drehen wir das Rad zurück"

Wolfgang Krebs in seiner Paraderolle: Als Seehofer mit Ude-Puppe. Foto: Julia Lenders

Kabarettist Wolfgang Krebs unterstützt das Volksbegehren zur Abschaffung der Studiengebühren – auch auf Youtube.

 AZ: Herr Krebs, warum unterstützen Sie die Studiengebühren-Gegnern?

WOLFGANG KREBS: Ich glaube, dass in Bayern Studiengebühren nicht mehr wirklich zeitgemäß sind. Der Freistaat verfügt über Gelder. Er hat so viel Geld, dass er drei Milliarden Euro durch den Länderfinanzausgleich letztes Jahr nach Berlin überwiesen hat. Und dort ist man offensichtlich ja zu dumm, von unserem Geld einen vernünftigen Flughafen zu bauen. Deswegen denke ich mir: Drehen wir das Rad der Geschichte lieber wieder zurück. Und schauen, dass wir die Studiengebühren wieder abschaffen. Ein Studium in München ist schwierig genug.

Klar, bis zu 500 Euro im Semester sind viel Geld.

Und der Student in München hat damit zu kämpfen, dass er keine Wohnung bekommt. Dass diese viel zu teuer ist. Dass er nebenher jobben muss. Die Studienzeit soll eine schöne Zeit sein, in der auch das Denken frei ist. Und in der man nicht die ganze Zeit nur damit beschäftigt ist, Geld herzubekommen.

Wie wird Ihre Unterstützung konkret aussehen?

Ich habe ein kleines Video gedreht. Ich rufe darin dazu auf, sich am Volksbegehren zu beteiligen.

940 000 Unterschriften sind nötig – eine hohe Hürde. Glauben Sie, die wird gepackt?

Ich bin der festen Überzeugung, dass das Thema tief in der Bevölkerung verankert ist. Die Studenten haben Eltern, Geschwister, Großeltern – die kann man alle ansprechen. Und wenn das jeder macht, kommen die Stimmen sicher zusammen. Ich habe selbst zum Beispiel nicht studiert – und war damals schon gegen die Einführung der Studiengebühren. In einem so wohlhabenden Land wie Bayern ist es eine Schande, dass es Studiengebühren überhaupt gibt. Wir sollten außerdem darüber nachdenken, auch Meisterbriefe künftig zu bezahlen.

Als Stoiber-Imitator müssen Sie sich auf der Bühne für die Einführung der Gebühren ja selbst ausschimpfen, oder?

Das mache ich auch. Aber ich bin ja gleichzeitig der Seehofer vom Nockherberg. Seehofer hat ja eigentlich die Aufhebung der Studiengebühren gefordert und ist damit in der Koalition gescheitert. Genau das ist auch der Inhalt meines Videos, das jetzt auch auf Youtube zu sehen ist. Da sage ich als jemand, der ähnlich aussieht und spricht wie Horst Seehofer: „Freunde, ich meld mich gerade hier aus der Sitzung kurz heraus. Ich kann nichts mehr machen. Die FDP blockiert weiterhin die Abschaffung der Studiengebühren. Mir sind die Hände gebunden. Aber Sie können jetzt was tun. Sie sind gefragt. Unterstützen Sie mich. Tragen Sie sich ein!“

 

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