AZ-Interview Werner Lorant zum TSV 1860: "Rausgehen, Köln schlagen, fertig!"

Legende des TSV 1860: Werner Lorant Foto: sampics/Augenklick

Löwen-Legende Werner Lorant spricht in der AZ über sein Comeback und die brenzlige Situation beim TSV 1860 – er sagt: "Bloß nicht wieder nach Buchbach, Rosenheim oder Pipinsried!"

 

Werner Lorant trainierte den TSV 1860 von 1992 bis 2001 und führte die Löwen aus der Bayernliga bis in die Qualifikation zur Champions League. Aktuell coacht er den Salzburger Landesligisten FC Hallein.

AZ: Herr Lorant, haben Sie einen Moment Zeit, um über zwei abstiegsbedrohte Vereine zu reden?
WERNER LORANT: Muss das sein?

Es würde sich zumindest anbieten: Immerhin kämpfen mit dem TSV 1860 und dem österreichischen Landesligisten FC Hallein, den Sie kürzlich übernommen haben, gleich zwei "Ihrer" Klubs um den Klassenerhalt.
Stimmt, so sieht es aus. Leider. Was mich betrifft, bin ich von Hallein gefragt worden, ob ich helfen kann. Das ist ja nicht weit weg von meinem Wohnort (Waging am See, d. Red.). Jetzt mache ich noch die fünf restlichen Spiele und dann ist wieder gut. Wir sind zwar Letzter, aber das kriegen wir schon auf die Reihe.

Nach einem 2:1-Sieg bei Ihrem Debüt gegen den SV Schwarz verloren Sie kürzlich gegen den SC Pfarrwerfen nach 3:0-Führung noch 3:5, inklusive Rangelei an der Seitenlinie – und Werner Lorant mit seinen 70 Jahren mittendrin. Was war da los?
So ist das manchmal im Fußball: Du kannst nicht zaubern. Meine Spieler haben geschlafen, sie haben gemeint, sie hätten schon gewonnen. Dann hat sich auch noch einer der Jungs bei einem Platzverweis provozieren lassen. Und wenn dann noch so ein Amateur meint, mich beleidigen zu müssen – das wäre ja noch schöner! Dann haben sie mich auf die Tribüne geschickt. Das gehört eben dazu. Wenn ich das mache, dann entweder richtig oder gar nicht.

Lorant: "Im Fußball gibt es keine Ruhe. Bei Sechzig noch weniger"

Sprechen wir über die Löwen: Platz zwölf und vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge klingen nicht allzu bedrohlich, fünf Pleiten in Folge dagegen schon. Wie schätzen Sie die Lage ein?
Das wird richtig eng. Wenn du einmal in so einem Rutsch bist, ist es gefährlich. Das ist schlimmer, als das ganze Jahr unten drin zu stehen und zu wissen: Es geht einzig und allein um den Klassenerhalt. Aber Sechzig ist vorletzte Runde schon tief genug gefallen – bloß nicht wieder nach Buchbach, Rosenheim oder Pipinsried!

Die Ausgangsposition ist somit… (Lorant unterbricht)
…Moment mal: Ausgangsposition für Sechzig München? Sie spielen jetzt in der Dritten Liga und krebsen im unteren Tabellendrittel herum. Was soll das? Ich begreife nicht, was mit dem Verein los ist. Normalerweise müsste Sechzig – ein Klub mit einer solchen Tradition, den ganzen Fans und den Möglichkeiten der Großstadt München – oben mitspielen. Und schnellstmöglich in die Wege leiten, dass man wieder in die Zweite Liga kommt. Stattdessen heißt es, man kann keine Spieler holen. Wo gibt es denn sowas?

Sie dürften die derzeitigen Zustände ja kennen: Das Präsidium hat einen Konsolidierungskurs verordnet, zwischen den 1860-Bossen und Investor Hasan Ismaik herrscht eisiges Schweigen. Wie soll sich ein Fußballer da auf seinen Job konzentrieren, wenn er noch nicht einmal weiß, wie es weitergeht?
Als Fußballer muss ich alle Nebenkriegsschauplätze ausblenden. Dann gibt es nur einen Platz, auf dem es zählt: Und es gibt nur ein Ziel. Welche Zustände da im Verein herrschen, darf mich in dem Moment nicht interessieren. Und wenn ein Vertrag nicht verlängert wird, dann gehe ich halt woanders hin. Eine gute Leistung musst du als Spieler immer bringen, sonst sagt kein Verein der Welt: Den will ich! Und zum Thema Unruhe muss ich auch mal was sagen.

Wir bitten darum.
Im Fußball gibt es keine Ruhe. Bei Sechzig vielleicht noch weniger. Na und? Das gehört dazu. Ein Verein muss planen, da kann es ruhig laut werden – bei Wildmoser (Ex-1860-Präsident, d. Red.) und mir hat es früher auch gescheppert. Und auch die Fans: Lasst die doch schimpfen und ein bisschen qualmen. Das hatten wir früher auch. Auch so ein Geheimtraining, wie es Biero macht – was ist das? Wer soll Sechzig denn noch was wegschauen?

Am Samstag geht es im letzten Heimspiel gegen Fortuna Köln, danach folgt das Saisonfinish bei Carl Zeiss Jena. Was würden Sie Ihrem einstigen Schützling Daniel Bierofka jetzt raten, um mit einem Sieg den Klassenerhalt zu schaffen?
Er darf jetzt nicht nervös werden. Ich kenne den genauen Zustand seiner Mannschaft nicht, einige Männer sind verletzt. Aber das hat den FC Liverpool gegen den FC Barcelona in der Champions League auch nicht gestört: Die haben auch ohne Salah und Firmino Gas gegeben. Egal welche Liga: Wenn es mit der Zweikampfstärke und Laufbereitschaft hinhaut, wenn die Spieler wirklich wollen und an sich glauben, dann brauchst du nicht immer deine Bestbesetzung, um den Gegner herzuspielen. Macht es doch wie Liverpool, Löwen: Rausgehen, Köln schlagen, fertig! Jede Mannschaft braucht Typen. Einer wie Sascha Mölders muss vorangehen, aber es müssen schon alle richten.

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