AZ-Interview vor DEL-Halbfinale EHC-Profi Mauer: "Wir sind immer noch hungrig"

Frank Mauer: "Es wird sicher eine enge und harte Serie. Und ich bin mir sicher, dass wir am Ende Erfolg haben werden." Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Vor dem DEL-Halbfinale gegen Mannheim spricht EHC-Stürmer Frank Mauer in der AZ darüber, was das Duell gegen seinen Ex-Klub so besonders macht und wie ihn die Olympia-Silbermedaille beeinflusst.

 

Nationalstürmer Frank Mauer (29) steht seit 2015 beim EHC München unter Vertrag. Ab Donnerstag (19:30 Uhr, Sport1) geht es im Halbfinale für die Red Bulls gegen Mauers Ex-Verein Adler Mannheim.

AZ: Herr Mauer, ab Donnerstag geht es für Sie mit dem EHC Red Bull München im DEL-Halbfinale gegen die Adler Mannheim. Für Sie aus vielen Gründen eine besondere Konstellation, oder?
FRANK MAUER: Absolut. Man kann seine Wurzeln nicht verleugnen, meine Frau und ich stammen ja beide aus der Heildelberger Gegend, unsere Freunde und Familien sind weiter dort, meine eishockeytechnische Heimat ist bei den Adlern. Ich habe schon viele Anrufe von Menschen, die mir nahe stehen, erhalten, die alle gesagt haben, dass sie sich Karten besorgt haben und dass ich was Besonderes machen soll. Ich bin sicher, dass wir auch das eine oder andere Spiel dort stehlen können.

Ehekrach ist also nicht zu befürchten, wenn Sie mit München die Adler raushauen?
Um Himmels willen, nein. Mein Frau steht voll hinter mir und wir sind jetzt auch in München total heimisch. Unsere Tochter ist auch ein echtes Münchner Kindl. Für Sie läuft es in den Playoffs mit bereits sechs erzieltenToren ausgesprochen gut. Ja, ich habe für mich den Schwung der Olympischen Spiele...

...als Sie mit Deutschland sensationell Silber geholt haben...
Genau. Diesen Schwung habe ich mitgenommen. Man merkt halt, dass ich mit Dominik Kahun und Mads Christensen schon sehr lange in einer Reihe spiele und wir uns blind verstehen. Dominik kann das Spiel als Center dirigieren und leiten und Mads und ich kommen von außen. Wir harmonieren so gut, dass wir alles schneller machen können als die anderen. Das zeichnet uns aus – und ist sicher ein Schlüssel zum Erfolg unserer Reihe.

Mauer: "Wir haben noch lange nicht genug"

Mannheim ist aber richtig heiß.
Stimmt. Seit dem Trainerwechsel haben sie auch gegen uns viel besser gespielt und sie haben eine sehr starke Ingolstädter Mannschaft ausgeschaltet. Es wird sicher eine enge und harte Serie. Aber genau so soll es auch sein, man will ja auch, dass es nicht einfach ist, denn dann macht es noch viel mehr Spaß. Und ich bin mir sicher, dass wir am Ende Erfolg haben werden.

Der EHC hat elf der letzten zwölf Spiele gegen Mannheim gewonnen.
Das ist kaum zu glauben, aber wir haben gegen Mannheim immer gut gespielt und auch Wege gefunden, zu gewinnen. Und ich kann versprechen: Wir sind immer hungrig, wir haben noch lange nicht genug.

Man merkt Ihnen an, wie sehr Sie auch als Mensch gewachsen sind. Ihre deutlichen Worte nach dem zweiten Drittel im Spiel drei der Viertelfinal-Serie gegen Bremerhaven sind das beste Beispiel.
Ich bin eigentlich jemand, der seine Worte mit viel Bedacht wählt, aber in dem Moment war ich so sauer, so angepisst, dass ich einfach nicht irgendeine Floskel raushauen konnte. Sonst wäre ich unehrlich zu mir selbst gewesen. In dem Moment musste ich das ansprechen. Wir wussten ja auch alle selber, dass wir nicht gut gespielt haben.

Mauer: "Im Sport ist Selbstvertrauen die halbe Miete"

Was fehlt beim EHC denn noch zu den hundert Prozent, die die Mannschaft in den letzten zwei Jahren in den Playoffs ausgezeichnet hat?
Das fünfte Spiel gegen Bremerhaven war für mich ein Fingerzeig für die Serie gegen Mannheim. Da haben wir endlich über 60 Minuten Red-Bull-München-Eishockey gespielt. Das war dominant, überlegen, fokussiert. Was uns vielleicht zum Teil gefehlt hat, war dieser Fokus. Wir wissen, dass unser System funktioniert, wenn jeder seine Aufgabe erfüllt, wenn jeder weiß, dass er sich auf den anderen in jeder Situation verlassen hat. Das war bei Olympia der Schlüssel zum Erfolg. Jeder wusste, dass er sich auf den anderen verlassen kann. Das macht ein Team stark.

Die ganzen Olympia-Helden scheinen von den Olympischen Spielen gestärkt zurück gekommen zu sein.
Im Sport ist das Selbstvertrauen die halbe Miete. Und wir haben dort bei diesem verrückten Turnier so viel Selbstvertrauen gesammelt. Wir haben etwas geschafft, was uns keiner zugetraut hat, wobei wir uns selber die Augen reiben mussten. Aber wir haben auf allerhöchstem Niveau Unglaubliches geleistet. Das hat mir so viel gebracht, da habe ich sicher einen Schritt nach vorne gemacht. Und die anderen auch.

Nach München stellte Mannheim die meisten Olympia-Helden. Wie ist es, sich jetzt wieder als Gegner gegenüberzustehen?
Das gehört zum Sport, für diese Halbfinal-Serie gibt es keine Freundschaft. Klar hat einen dieser Erfolg bei Olympia zusammengeschweißt, aber jeder von uns hat soviel Sportlerehre in sich, dass er bis zum Letzten fighten wird, um den Sieg zu holen.

Hat Ihre Tochter schon mit der Silbermedaille gespielt?
Ja! Das war schön, ich war so stolz und habe ganz viele Fotos gemacht. Sie kann mit ihren acht Monaten das natürlich noch nicht verstehen, aber es ist schon etwas Besonderes, dass ich diese Erfahrung, so mit ihr teilen kann. Ich kann mir ein Leben ohne sie gar nicht mehr vorstellen. 

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