AZ-Interview Uschi Glas über Corona-Krise: "Ich bin kein Bussi-Bussi-Freund"

Befindet sich mitten im Unruhestand: Uschi Glas. Foto: dpa/Kalaene

Film-Star Uschi Glas im großen AZ-Gespräch über Corona, die feiernden Dreckbären in München, Söder als Kanzler und ihren Platz im Altersheim.

 

München - Vom Schätzchen zur rüstigen Rentnerin: Uschi Glas (76) freut sich, dass sie jetzt in dieses Rollenfach schlüpfen kann – und das sieht man ihr im Film "Max und die wilde 7" (ab Donnerstag im Kino) auch an. In der AZ spricht sie über ihren Unruhestand.

AZ: Liebe Frau Glas, die wichtigste Frage nach sechs Monaten Corona: Wie geht’s Ihnen?
Uschi Glas:
Mir geht’s gut. Ich hab das alles einfach akzeptiert und mir ist auch noch nie langweilig gewesen.

Kinostart während Corona: "Die Zeit hat sich keiner ausgesucht"

Freuen Sie sich auf den Kinostart von "Max und die wilde 7" am Donnerstag – oder sehen Sie dem Start in Corona-Zeiten mit gemischten Gefühlen entgegen?
Naja, die ganze Produktion hat sich natürlich viele Gedanken gemacht. Irgendwann muss man aber mit einem neuen Film rausgehen, schließlich weiß niemand, was die Zukunft bringt. Auf der anderen Seite hoffen wir, dass viele Familien, die in den Ferien im Lande geblieben sind, mit ihren Kindern gerne ins Kino gehen und sich an der wunderbaren Geschichte erfreuen können. Die Zeit hat sich keiner ausgesucht. Wir sitzen alle im gleichen Boot.

Der Film war vor Corona fertig abgedreht?
Ja, da war die Welt noch total normal. Letzten Sommer habe wir angefangen zu drehen. Nie im Leben ahnte jemand, was alles auf uns zukommen wird.

Haben Sie denn gleich gedacht, Corona wird heftig?
Zunächst konnte ich es kaum fassen, als die ersten Fälle aus Italien und Österreich bekanntwurden. Menschenskinder, wie geht das weiter? Ischgl war der absolute Wahnsinn, ich hab da richtig wahrgenommen, mit welcher Wucht das Virus sich verteilt. Ich sehe es so: Wir haben alle damit zu kämpfen, es bringt nix, zu lamentieren. Jeder muss versuchen, sich zurechtzufinden. Es ist eben so.

"Bin erstaunt, wie schnell man sich ans Maskentragen gewöhnt"

Haben Sie zuletzt mehr Nudeln gegessen, mehr ferngesehen?
Nein. Ich habe mehr gelesen und mehr Filme angeschaut, die ich noch nicht kannte. Das war gar nicht so schlecht. Dann habe ich viele Sachen gekocht, die ich lange nicht mehr zubereitet hatte, weil mir die Zeit gefehlt hat. Zum Beispiel Profiterole, die habe ich zuletzt in der Schule gemacht. Ich war auf einer Wirtschaftsschule, damals gab es auch Hauswirtschaftslehre, wo wir Kochen und Nähen gelernt haben. Als Prüfung hatte ich den Brandteig, vor dem hatten alle Angst – ich auch. Jetzt sagte ich zu meinem Mann Dieter, ich mache wieder einen Brandteig, schön mit viel Sahne, und er ist mir tatsächlich gelungen.

Verstehen Sie Menschen, vor allem junge Leute, die nicht mit so viel Gelassenheit auf die Krise reagieren, sich stark eingeschränkt fühlen und nur noch raus und feiern wollen?
Das kann ich schon verstehen. Junge Menschen wollen sich treffen. Was ich nicht verstehe, das sage ich gerne deutlich: das Verdrecken von den Plätzen. Das sind junge Leute, die alle für die Umwelt kämpfen und dann lassen sie ihren Abfall überall liegen. Flaschen werden mit Absicht hingeschmissen, überall liegen Scherben, To-go-Becher, Plastik-Geschirr, ich habe es selbst beim Spazierengehen in München erlebt. Das ist entsetzlich und macht mich sprachlos. Das Zusammenkommenwollen verstehe ich, das Verschmutzen nicht. Man kann seinen verdammten Kaffeebecher oder die Bierflasche mit nach Hause nehmen.

Gehen Sie ins Wirtshaus?
Drinnen muss ich nicht unbedingt sitzen, draußen im Garten auf Abstand gerne mal. Auch auf Abstand kann man sich unterhalten und Spaß haben. Ich bin erstaunt, wie schnell man sich daran gewöhnt hat, selbst ans Tragen der Maske. Es ist schön, zu sehen, dass sich die meisten Menschen dran halten. Das ist sicher auch der Grund, toi, toi, toi, warum es bei uns bisher so gut geklappt hat.

Die Maske stört Sie nicht?
Nein, ich nenn die Maske Mütze, hab immer eine im Auto – und eine Reservemütze in der Tasche. Es ist für mich selbstverständlich geworden, dann setzt man sie halt auf, ist doch wurscht, macht nix. Das ist keine besondere Aufgabe.

Film anstatt Theater: "Du kriegst kein Lob, keinen Applaus"

Fürchten Sie die zweite Welle?
Fürchten ist vielleicht das falsche Wort. Ich sage es allen, die es hören wollen – oder auch nicht: Wir müssen weiter vorsichtig bleiben, a gmahde Wiesn ist das noch lange nicht. Es kann alles passieren, wir sind nicht auf dem sicheren Ufer, wir dürfen nicht frech werden, uns nicht gleich wieder die Hände geben oder abbusseln. Lachen können wir trotzdem zusammen.

Sind Sie traurig, dass die Bussi-Bussi-Szene zum Erliegen gekommen ist?
Och, nö. (lacht) Ich bin eh kein Bussi-Bussi-Freund, wenn du ab und zu so eine Schweißbacke an deine eigene bekommst, ist das nicht lustig. Ich vermisse es bei meiner Familie, engen Freunden, sonst nicht. Die Beeinträchtigung ist für mich jetzt nicht so, dass ich sage, da fehlt mir wahnsinnig viel.

Fehlen Veranstaltungen?
Es ist bitter, es betrifft alle – wie die abgesagte Fußball-EM. Ich bin ein großer Fußball-Fan und habe mir die Geisterspiele angeschaut. Es ist anders, plötzlich hört man, was die Spieler sagen oder was der Trainer reinschreit, das finde ich sehr interessant. Ich hab zu meinem Mann gesagt: Das kommt mir so vor, wie wenn du lange Theater gespielt hast, den Applaus gewöhnt bist und dann drehst du plötzlich nach einer Spielzeit einen Film, gibst alles, dir hängt die Zunge raus und danach sagt kein Mensch mehr was zu dir. Außer vielleicht: Okay, machen wir die nächste Szene. Du kriegst kein Lob, keinen Applaus, das ist von der Umstellung auch für mich anfangs unheimlich gewesen. Ich dachte: Hallooo, wieso lobt mich keiner? Damit musste ich erst zurechtkommen. So müssen sich jetzt die Spieler auf ihre Qualitäten besinnen. Witzig finde ich, dass sie ohne Publikum weniger hinfallen, foulen und jammern.

Söder als Kanzler? "Bin als Bayerin skeptisch, was in Berlin los ist"

Vom Fußball zur Politik: Wie hat es Markus Söder in Ihren Augen gemacht?
Ganz toll! Ich finde, er hat es sehr gut gemacht, weil diese Zeiten eine harte Hand brauchen. Er sagt knallhart, Leute, das ist nicht lustig, das müssen wir jetzt machen. Unsicher wird man als Zuhörer, wenn jemand sagt, ich weiß auch nicht, wir probieren das mal so. Das ist keine Ansage. Natürlich sitzt er nicht allein auf seinem Thron und entscheidet, er hat Berater und Virologen. Ich finde, er ist besorgt und macht’s dabei gut. Er hat obendrein von seiner Art dazugewonnen, wie er die Sachen rüberbringt.

Wird er der nächste Kanzler?
Ich bin als Bayerin skeptisch, was in Berlin immer los ist. Ich würde mir wünschen, dass er unser junger Landesvater bleibt. Berlin ist ein heißes Pflaster für einen CSU-Mann. Zutrauen würde ich es ihm, Kanzler zu sein, gar keine Frage, aber ich weiß nicht, welche Fallstricke für ihn aufgebaut werden würden. Hätte ich ein Stimmrecht, würde ich sagen: Markus, bleib bei uns in Bayern, hier ist es wunderschön, wir bringen Bayern wieder nach vorne und haben in Berlin trotzdem was mitzureden.

Zum Schluss zurück zum Film: Haben Sie durch Ihre Rolle im Altenheim nachgedacht, sich dort auch im echten Leben einen Platz zu reservieren?
Nein! (lacht) Ich sehe eine Altersresidenz wie einen Ruhestand an und einen Ruhestand kann ich mir gerade für mich überhaupt nicht vorstellen. Ich bin mitten im Unruhestand.

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