AZ-Interview Schalke-Fan Olaf Henning: "Der FC Bayern ist ein Mörderverein"

Seit Jahren ein Fan des FC Schalke: Schlagersänger Olaf Henning. Foto: privat

Schlagerstar Olaf Henning spricht in der AZ über das Spiel gegen den FC Bayern, den Tod von Rudi Assauer und seine Liebe zu den Königsblauen: "Leiden gehört dazu, wenn man Fan ist. Sonst wird's langweilig."

 

München - AZ-Interview mit Olaf Henning. Der 50-jährige Schlagerstar ("Cowboy und Indianer") lebte lange in Gelsenkirchen. Er ist großer Fan des FC Schalke 04.

AZ: Herr Henning, am Mittwoch ist die Schalker Legende Rudi Assauer verstorben. Wie behalten Sie ihn in Erinnerung?
OLAF HENNING: Rudi war einer der herzlichsten und ehrlichsten Menschen, die ich gekannt habe. Er rief mir immer zu: "Das ist ja Olaf, unser Schalker Jung!" Er hat das Herz auf seiner Zunge getragen, hat immer gesagt, was er dachte, ohne sich zu verbiegen. Dafür mochten ihn die Menschen. Ich habe noch ein Lied für Rudi gesungen: Das war an seinem 70. Geburtstag, den er in einer Loge des Stadions in Gelsenkirchen gefeiert hat. Rudi war Ehrengast bei einem Schlagerkonzert.

Welches Lied war das?
"Solange wir leben, gehört uns die Welt".

Sie haben auch ein Lied für Ihren Lieblingsklub Schalke geschrieben:"Immer nur Schalke".
Ja, die Verbindung zu Schalke ist schon eng. Es hat alles damals mit Assauer angefangen. Ich bin vor vielen Jahren einmal aufgetreten im "Blauen Salon", da hatte mich Schalke gebucht. Assauer war da und sagte zu mir: "Du bist cool, du bist ein richtiger Schalker!" Wir haben uns toll unterhalten. Und dann hat er mir noch ein Trikot geschenkt – mit der Nummer 10, die damals Olaf Thon trug. Auf meinem Trikot stand die 10 mit Olaf Henning drauf. Damit hat mich Assauer endgültig gekriegt, seitdem trage ich die Schalke-Liebe in mir. Und deshalb habe ich auch das Lied geschrieben. Die Leute haben es gut angenommen. Ist halt 'ne Party-Nummer.

Warum läuft die Saison so schlecht für Schalke?
Tja, gute Frage. Es wird ein bisschen zu viel rotiert aus meiner Sicht. Wir haben auch keinen Knipser vorne und keinen richtigen Antreiber im Mittelfeld. Da sind viele Baustellen. Dass Naldo gegangen ist, war vielleicht ein Management-Fehler. Er war vergangene Saison überragend, diese Saison leider nicht mehr. Aber Leiden gehört ja auch dazu, wenn man Fan ist. Sonst wird’s langweilig.

Henning: Vier Minuten Meister sind besser als nichts

Wie lange geht das schon mit Ihnen und Königsblau?
Ach, 15 Jahre bestimmt. Ich bin in Mühlheim an der Ruhr geboren, habe aber lange in Gelsenkirchen gelebt. Inzwischen wohne ich im Münsterland. Als Gelsenkirchener bleibt einem nichts anderes übrig, als Schalke-Fan zu werden. Sonst wird man gelyncht (lacht). Ich bin jetzt aber keiner, der jedes Spiel gucken muss. Dafür fehlt mir auch die Zeit, weil ich am Wochenende viel unterwegs bin.

Wie schlimm war 2001 für Sie, als der FC Bayern Schalke in der Nachspielzeit die Meisterschaft entriss?
Oh, das war traurig, bitter, enttäuschend. Wenn man in die Gesichter geblickt hat bei den Leuten, die eine Dauerkarte haben und für Schalke leben, konnte man nur Mitgefühl bekommen. Aber vier Minuten Meister sind ja besser als nichts (lacht). Ich will hoffen, dass ich noch eine Schalker Meisterschaft erlebe!

Glauben Sie dran?
Die Hoffnung hat jeder Schalke-Fan, wirklich jeder. Nur einmal die Schale hochhalten… Aber da gibt es auch andere Klubs, die das gerne möchten. Und aktuell ist die Qualität bei vielen Teams höher als bei Schalke. Klar ist allerdings: Sobald Schalke Meister wird, schreib ich ein Lied. Hundert Prozent. Natürlich. Dann bin ich da. Auch wenn ich 70 bin – das kriege ich hin.

Henning: Beim FC Bayern funktioniert fast alles

Ist Ihnen der FC Bayern trotz 2001 sympathisch?
Tatsächlich: ja. Jeder Verein würde sich so eine Portokasse wie die des FC Bayern wünschen. Bayern hat eine tolle Vereinsführung, tolle Spieler – und jetzt auch noch Leon Goretzka: Ich finde es gut, wenn ein Ex-Schalker für Bayern Tore schießt. Jeder, der sagt: "Wir brauchen Bayern nicht", der lügt. Das ist ein Mörderverein, da funktioniert fast alles. Es gibt halt nirgendwo so viele Neider wie in Deutschland. Fakt ist: Wenn jeder Verein in Deutschland so aufgestellt wäre wie Bayern, wäre keiner traurig.

Hat man Manuel Neuer den Wechsel von Schalke zu Bayern inzwischen verziehen?
Viele Hardliner sind immer noch sauer, es gibt weiter Buhrufe. Neuer ist halt gegangen. Grundsätzlich lockt das Geld immer. Wahrscheinlich würde es aber jeder so machen, wenn ein Angebot vom FC Bayern kommt.

Waren Sie selbst Fußballer?
Ja – bis zur A-Jugend. Ich war Mittelstürmer. Später habe ich die Liebe zur Musik dann so richtig entdeckt. Und auf zwei Hochzeiten kann man nicht tanzen. Mit 18 habe ich in Top-40-Bands gespielt, dann kam die Lehre zum Versicherungskaufmann… Aber ich weiß noch, wie man das runde Ding ins Eckige schießt (lacht).

Dann wagen Sie als Experte doch mal eine Prognose: Was ist noch möglich für Schalke in dieser Saison?
Wenn Schalke in der Champions League gegen Manchester City mal richtig die Beine in die Hand nimmt, kann es eine Überraschung geben. Wenn die Mannschaft aber nicht 200 Prozent gibt, wird sie komplett untergehen. Im DFB-Pokal sind wir auch noch drin. Und wenn wir in die Top 10 der Bundesliga kommen, freuen wir uns. Andererseits: Verlieren wir weiter so viele Spiele, ist die Kacke am Dampfen – wie man im Ruhrpott sagt. Auf Abstiegskampf habe ich keine Lust!

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