AZ-Interview Peter Grosser: "Bloß nicht ausruhen, Löwen"

"Kämpferisch und läuferisch war es besser als in vielen Spielen zuvor", lobt Grosser das Spiel des TSV 1860 gegen Dynamo Dresden. Foto: dpa/AZ

Meisterlöwe Peter Grosser lobt 1860 – und mahnt: "Sie sind noch nicht durch!" Über Gytkjaer sagt er: "Er wird uns noch viel Freude bereiten"

 

München - Peter Grosser spielte 130 Mal für 1860 München und war Kapitän der Löwen-Meistermannschaft von 1966.

AZ: Herr Grosser, da hat sich Ihr Brandbrief in der AZ ja gelohnt: Vor zwei Wochen haben Sie angemahnt, dass die Löwen endlich den Abstiegskampf annehmen müssen, jetzt landeten sie mit dem 2:1-Sieg in Dresden einen Befreiungsschlag.
PETER GROSSER:
Ich bin sehr erleichtert. Die Mannschaft ist so aufgetreten, wie ich mir das vorstelle. Der Brief kam auch gut an: Viele Leute haben sich bei mir gemeldet, teils wildfremde Leute auf der Straße. Das 2:1 war natürlich ein Sieg des Trainers – für mich das beste Spiel unter Vitor Pereira.

Trotz erneut schlechter Chancenverwertung hat die Mannschaft nie aufgegeben.
Genau. Zuallererst hat Pereira mit Christian Gytkjaer, Levent Aycicek, Marin Pongracic und ohne Sebastian Boenisch die richtige Aufstellung gefunden. Und der Mannschaft beigebracht, wie man in der Zweiten Liga und gegen den Abstieg spielen muss: Kämpferisch und läuferisch war es besser als in vielen Spielen zuvor, dazu ein starkes Forechecking. Das hat schon gegen Braunschweig ganz gut geklappt, aber jetzt war es für mich noch besser.

Stürmer Christian Gytkjaer konnte sich endlich belohnen.
Klar hat er wieder viele Chancen vergeben. Aber man kann es auch positiv sehen: Er hat ständig für Unruhe gesorgt. Es war auch nicht immer Unvermögen, bei seinem Pfostenschuss hatte er Pech. Er hat trotzdem weiter an sich geglaubt – und sein Tor war in jeder Hinsicht absolute Klasse: Der Bursche hat eine ganze Menge drauf und wird uns noch viel Freude bereiten.

Pereira hat sich erstmals dazu entschlossen, U21-Trainer Daniel Bierofka auswärts auf die Trainerbank zu setzen. Man könne jetzt alle Freunde brauchen, erklärte er.
Ich weiß nicht, welche Rolle Bierofka spielt. Sicher nicht verkehrt, einen Urlöwen dabei zu haben. Pereira wird sich etwas dabei gedacht haben.

Kürzlich sah sich Pereira im Zuge des "Hurensohn-Skandals" nach Vorwürfen von Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht einer Diskussion ausgesetzt. Wie bewerten Sie die Sachlage?
Meine Güte! Das ist zu sehr hochgespielt worden und war ein gefundenes Fressen für die Öffentlichkeit. Man sollte nicht päpstlicher sein als der Papst.

Der dürfte Beleidigungen allerdings nicht gutheißen. Zudem hat der DFB Ermittlungen eingeleitet, die Konsequenzen nach sich ziehen könnten.
Ich glaube nicht, dass es eine Sperre geben wird. Und seien wir doch ehrlich: Freilich kommt es bei einem Fußballspiel mal vor, dass zwei Trainer oder Spieler nicht die besten Freunde werden. Ich denke auch nicht, dass es für die Mannschaft eine Rolle spielt.

Blicken wir voraus: Machen Ihre Sechzger am Sonntag gegen den VfL Bochum den Klassenerhalt perfekt?
Wenn die Mannschaft die Spielweise in Dresden auch vor heimischen Publikum umsetzen kann, wird es zumindest auch gegen Bochum einen Sieg geben. Aber, und das ist die Gefahr: Man darf sich jetzt bloß nicht ausruhen und glauben, das wird ein Selbstläufer. Aus jeder Ecke wird gelobt, aber man darf nicht ins alte Muster verfallen – lieber noch eine Schippe drauflegen.

Wir können davon ausgehen, dass auch die Meisterlöwen-Runde mit Ihnen noch ein letztes Mal in der laufenden Saison mit von der Partie ist.
Selbstverständlich. Wir sind immer da und drücken die Daumen, auch, wenn viele Heimspiele grausam anzusehen waren. Aber jetzt, wo die Mannschaft endlich begriffen hat, was es heißt, gegen den Abstieg zu spielen, hätte sie zum Abschluss eine tolle Kulisse verdient. Das kann ich mit gutem Gewissen sagen. Mit der Einstellung des Dresden-Spiels, wenn die Spieler alles raushauen, werden sie von den Fans eine Unterstützung bekommen, wie man sie in dieser Saison noch nicht oft erlebt hat.

Für Bochum und den 1. FC Heidenheim, wo am 34. Spieltag das Saisonfinale steigt, geht es um nichts mehr. Ein Vorteil?
Nein, das lasse ich nicht gelten. Das ist kein Argument, auf das man sich verlassen könnte. Manche Mannschaften spielen ohne Druck besser, als wenn sie unter Zugzwang stehen. Das wäre also ein Trugschluss. Es kann auch gut sein, dass es in Heidenheim noch um alles geht.

Vergangenen Spieltag hat die Konkurrenz für 1860 gespielt.
Ich glaube nicht, dass man nächste Woche nochmal so viel Glück hat. Aue, Würzburg, Bielefeld – die haben auch alle Heimspiele und werden sicherlich nochmal punkten. Nochmal: Die Löwen sind noch lange nicht durch!

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