AZ-Interview Patrick Broome: "Ich bin der Yogi vom Jogi"

"Er soll ein Ventil danach haben, die Spannungen, die noch im Körper sind, wieder loszuwerden", sagt der Münchner Yoga-Lehrer Patrick Broome über Löw. Foto: GES/AK, Katrin Fischer/ho

Patrick Broome ist Yoga-Lehrer der Nationalmannschaft. In der AZ spricht er über Löw, dem WM-Triumph und tiefe Entspannung.

 

Der Münchner Yoga-Lehrer Patrick Broome arbeitet seit 2005 mit der deutschen Nationalmannschaft zusammen. Er hat mit der AZ gesprochen.

AZ: Herr Broome, Sie sind am Sonntag bei einem Yoga-Event auf dem Filmfestival in München. Werden Sie nicht als Yoga-Trainer der Nationalelf beim Confed Cup gebraucht?
PATRICK BROOME: Das Team hinter dem DFB-Team ist sehr klein. Da hat man auch dem Yoga-Trainer eine Turnierpause gegönnt. Es sind ja alles sehr junge Spieler, die brauchen die Regeneration noch nicht so dringend. Beim Filmfest werden am Sonntag Bollywood-Filme präsentiert. Ich biete um 11 Uhr am Bernd-Eichinger-Platz eine kostenlose Yoga-Session für alle im Freien an.

Bei der WM 2018 sind Sie dann aber wieder mit dabei, oder?
Die ist fest eingeplant. Oliver Bierhoff hat mich auch schon kontaktiert und mich gebeten, mir den Zeitraum freizuhalten.

2014 waren Sie mit der DFB-Elf in Brasilien. Fühlen Sie sich auch als Weltmeister?
Nein, Weltmeister sind die Jungs, aber ich war Teil des guten Teams im Hintergrund. Ohne das kann man solche Erfolge gar nicht mehr erreichen. Yoga war sicherlich eines der vielen wichtigen Mosaiksteinchen, die sich zu diesem perfekten Großen und Ganzen zusammengefügt haben.

Sie begleiten den DFB seit 2005. Darf man Sie als Bundes-Yoga-Trainer bezeichnen?
Klar. Man hat mich auch schon Bundes-Yogi genannt. Ich bin ja der Yogi vom Jogi.

Wie redet Jogis Yogi den Bundestrainer an?
Mit Jogi!

Haben Sie auch schon mal Yoga mit Jogi gemacht?
Natürlich. Unser Bundes-Jogi war die entscheidende Testperson, die der damalige deutsche Nationaltrainer Jürgen Klinsmann zu mir geschickt hat. Löw hat dann das grüne Licht gegeben und es in seiner ganzen Amtszeit beibehalten.

Wie haben Sie Löw überzeugt?
So, wie ich mit allen Spielern arbeite. Wir mobilisieren, bewegen, drehen, strecken. Was alle Fußballer lieben, ist die Entspannung beim Yoga zum Schluss, wo sie komplett loslassen können. Ich hatte schon vorher mit vielen Sportlern gearbeitet, so wusste ich, wie ich ihm eine Erfahrung verschaffen kann, von der er sagt: „Das ist schön, wenn das meine Spieler erleben können.“ Es war ein entspannter Rahmen, eine halbe Stunde lang. Jogi hat es genossen und weiterempfohlen.

Wie hat sich Löw angestellt?
Gut. Er war ja ein sehr guter Fußballer. Das kann man nur sein, wenn man ein gutes Körpergefühl hat. Er ist von Natur aus ein entspannter und fokussierter Mensch. Dass er in seinem Alter und als ehemaliger Profifußballer nicht der Allerbeweglichste ist, ist klar. Aber da hat er die Größe und Entspanntheit, das so gut zu machen, wie es eben geht.

Kommt er bei Turnieren regelmäßig zu Ihnen?
Das hat er schon getan, ja.

Während der Spiele steht er ziemlich unter Strom. Da tun Ihre Übungen sicher gut, oder?
Während des Spiels soll er unter Strom sein. Nur so können wir Höchstleistungen bringen. Aber er soll ein Ventil danach haben, die Spannungen, die noch im Körper sind, wieder loszuwerden.

Wie passen Yoga und Fußball denn zusammen?
Sehr gut. Es ist ein sehr guter Ausgleich und gibt einen neuen Impuls, vor allem für die Regeneration der Spieler. Das Hauptziel ist es, die Stellen, die übertrainiert sind, zu entspannen – und die, die unterentwickelt sind, etwas zu kräftigen. Wir geben den Spielern auch mental ein Instrument an die Hand, sich zwischendrin mal zu entspannen. Sie werden deswegen nicht ruhiger oder weniger bissig. In dem Moment, wo es drauf ankommt, sollen sie mit ihrer ganzen Anspannung rein. Aber danach, wenn sie oft ein, zwei Tage, nicht schlafen können, helfen wir Ihnen, runterzukommen.

Gehört Yoga beim DFB zum Pflichtprogramm?
Die Spieler, die gespielt haben, müssen am nächsten Morgen eine Regenerationseinheit mitmachen. Die Spieler, die das möchten, können jederzeit eine zusätzliche Stunde mit mir machen. Es kommen auch Mitglieder aus dem Team hinter dem Team. Oliver Bierhoff nimmt zum Beispiel ganz regelmäßig Yoga in Anspruch.

Welcher Nationalspieler hat besonderes Talent im Yoga?
Einer, der sehr beweglich ist und auch gerne darüber spricht, dass ihm Yoga gefällt, ist Mario Götze.

Thomas Müller redet ja gerne viel – auch beim Yoga?
Thomas weiß, wann Zeit ist, Witze zu machen und wann er sich konzentrieren muss. Selbst Lukas Podolski war während des Yoga immer voll bei der Sache.

Welche Figuren sind bei den Spielern besonders beliebt?
Den nach unten schauenden Hund müssen alle immer machen, weil er die gesamte Muskelkette an der Körperrückseite streckt und dehnt. Aber die Lieblingsübung ist und bleibt am Schluss die Entspannungshaltung. 

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