AZ-Interview mit "Focus"-Gründer Markwort über Söder: "Das Intrigieren beim BR gelernt"

Helmut Markwort gründete 1993 das Nachrichtenmagazin "Focus". Foto: Sven Hoppe/dpa

FDP-Kandidat Markwort gründete das Nachrichtenmagazin "Focus". Wenn es um den Ministerpräsidenten Söder und den BR geht, nimmt kein Blatt vor den Mund.

AZ: Herr Markwort, Sie sind inzwischen 81 und kandidieren für die FDP bei der bayerischen Landtagswahl (AZ berichtete). Dafür mussten Sie beim Sonntagsstammtisch im Bayerischen Rundfunk aussteigen. Bereuen Sie das?
Helmut Markwort: Beim Bayerischen Rundfunk bin ich rausgeflogen – gegen die Absprache! Meine Kandidatur war bekannt. Es war mit Intendant, Juristen und allen Verantwortlichen klar ausgemacht, sechs Wochen vor der Wahl kann Markwort keinen Stammtisch mehr machen. Das habe ich akzeptiert. Dann habe ich aber sechs Monate vor der Wahl plötzlich einen Brief bekommen, ab sofort dürfe ich nicht mehr moderieren. Da habe ich gefragt, was da los sei. Dann haben einige nur geflüstert, es habe Anrufe gegeben, von wegen Rundfunkrat und sowas. Ministerpräsident Markus Söder hat dort kaum selbst angerufen, aber sicher Leute, die ihm helfen wollen. Jetzt darf ich nicht mehr. Aber eine kleine Gaudi von mir ist, dass jetzt meine Wahlveranstaltungen Stammtisch heißen.

Was halten Sie von Ihrem Nachfolger als Moderator, Tilmann Schöberl?
Er ist ein netter, junger Kollege. Ich höre und lese oft, dass ich in der Sendung vermisst werde. Die Einschaltquoten gehen nach unten. Viele sagen mir, ich guck nicht mehr. Das tut mir leid.

Wenn es mit der Politik jetzt nichts werden sollte, gibt es dann einen Weg zurück zum Stammtisch?
Das würde ja heißen, dass ich nicht in den Landtag komme. Da ich aber hineinkomme, stellt sich die Frage nicht. Und so wie es aussieht, gilt: Wenn es die FDP in den Landtag schafft, bin ich drin. Und dann werde ich auch Alterspräsident. Da werde ich schon ein paar grundsätzliche Worte sagen. Ich strebe kein Amt an, aber ich möchte Mitglied in der Verhandlungskommission zur Koalition mit der CSU werden, damit wir viele freiheitliche Gedanken durchsetzen.

Von Ihnen ist überliefert, dass Sie sich auf das Amt des Alterspräsidenten freuen, weil sie bei der Eröffnungsrede unbegrenzte Redezeit haben. Das klingt, als ob Sie wüssten, was Sie den Abgeordneten sagen wollen. Verraten Sie es uns?
Ich werde die 180 Abgeordneten nicht überfordern mit einer Filibuster-Rede. Aber ein paar grundsätzliche Dinge über die geistige Richtung, den Liberalismus, werde ich sagen. Die Staatsregierung und die nachgeordneten Beamten sind dermaßen selbstgefällig – das ist unglaublich.

Sind Journalisten die besseren Politiker?
Nein. Ich hoffe nur, dass wir uns verständlicher ausdrücken können. Ich lese jetzt manchmal Gesetzentwürfe. Die sind in einem Kanzleikauderwelsch verfasst – da können Sie jetzt schon erkennen, dass irgendwann einmal zehn Juristen darüber streiten werden. Sowas kann man doch in verständlicher Sprache schreiben. Es gibt ja Politiker, die vorher Journalisten waren, wie Willy Brandt oder Theodor Heuß ...

… oder Markus Söder …
Ja, der hat jahrelang beim Bayerischen Rundfunk das Intrigieren gelernt.

Das sagt der BR zu Markworts Vorwürfen

Der BR hat sich zu Helmut Markworts Vorwürfen wie folgt geäußert: "Herr Markwort ist beim Bayerischen Rundfunk nicht "rausgeflogen", wie er sagt. Der BR muss aber als öffentlich-rechtliche Anstalt seine journalistische Unabhängigkeit wahren. Daher gibt es im Falle eines bürgerlichen Engagements bzw. des Einsatzes für die Parteiendemokratie klare Regelungen, wonach eine Kandidatur für ein politisches Amt mit der Moderation einer politischen Sendung im BR nicht vereinbar ist. Interne Regelungen sehen dafür eine Minimalfrist von sechs Wochen vor dem Wahltag vor. Durch den frühen Wahlkampf-Einstieg von Herrn Markwort , musste er die Moderation entsprechend eher abgeben."

 

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