AZ-Interview mit Felix Neureuther Botschafter der Eishockey-WM in Köln

"Ich traue ihnen schon einiges zu", sagt Deutschlands Ski-Ass Felix Neureuther, der als Botschafter für die Heim-WM fungiert, über die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft. Foto: dpa

Der Ski-Superstar ist einer der Botschafter der Eishockey-WM. In der AZ spricht er über seine Kufenkarriere und die Eishackler-Freunde.

AZ: Herr Neureuther, mal eine ganz andere Rolle für Sie! Bei der am 5. Mai in Köln und Paris beginnenden Eishockey-Weltmeisterschaft fungieren Sie als offizieller Botschafter. Wie kam’s denn dazu?
FELIX NEUREUTHER: Franz Reindl, der Präsident des Deutschen Eishockey Bundes, ist ja auch Garmischer, so wie ich. Außerdem spielt einer meiner besten Freunde in der Nationalmannschaft, der Kink Marcus. Dann hat Reindl mich gefragt, ob ich das machen will, und ich hab’ natürlich zugesagt. Auch weil viele andere Kumpels von mir Eishockeyspieler sind und ich ein großer Fan dieses Sports bin.

Werden Sie denn auch bei den Spielen live vor Ort sein?
Ich werde versuchen, zu kommen. Ich bin jetzt für ein paar Tage zum Freeriden in Island, komme am 9. Mai zurück, und dann werde ich schauen, dass ich nach Köln komme.

Wie sah Ihre frühe Eishockeykarriere aus? Mit den Nachbarjungs auf dem zugefrorenen Riessersee?
Mit dem SC Riessersee haben wir natürlich einen großen Traditionsverein im Ort, einen der ältesten Eishockeyklubs in Deutschland: zehn Mal Deutscher Meister, auch wenn das schon eine Weile her und dann irgendwann ein bisschen schwierig geworden ist. Es gibt aber immer noch eine sehr gute Nachwuchsarbeit, einige der damaligen Talente tummeln sich immer noch in der DEL.

Wer denn zum Beispiel?
Einer von meinen sehr guten Freunden: der Buchwieser Martin, der für den EHC München und die Mannheim Adler gespielt hat und zuletzt für Ingolstadt. Oder Uli Maurer, der jetzt in Schwenningen ist. Oder Thomas Gödtel, der in Düsseldorf war und jetzt in Heilbronn. Und davon gibt es noch viele mehr. So verteilen sich die Garmischer Jungs in ganz Eishockey-Deutschland.

Und Felix, der Skifahrer mittendrin!
Ich war nicht im Verein, so wie meine Kumpels. Im Sommer haben wird aber oft draußen auf der Straße Inline-Hockey gespielt. Und ich bin sogar einmal bayerischer Schülermeister im Eishockey geworden. Das lag aber weniger an mir als an meinen Spezln, die damals schon Junioren-Nationalmannschaft gespielt haben. Durch die waren wir so überlegen, dass ich da bloß als Statist mitfahren und ein paar Tage schulfrei bekommen konnte. Aber ich bin auch mal auf dem Eis gestanden und hab mitgespielt.

Das klingt nach Freundschaften, die wohl für die Ewigkeit halten werden. Die Truppe hat sich mit „Aparillos“ ja nicht nur einen Namen, sondern auch ein kollektives Tattoo verordnet. Bei Ihnen prangt Aparillo Nr. 6 auf dem Arm.
Stimmt. Wir kennen uns halt schon seit 25 Jahren, die Jungs werden mir bestimmt bleiben. An der Freundschaft wird sich nix ändern – da müsste schon ganz schön viel passieren.

Wie oft stehen Sie heute noch auf Schlittschuhen?
Selten. Aber es ist auch für Skifahrer ein gutes Training: vom Gleichgewicht, der Bewegung und von der Schnelligkeit her.

Was trauen Sie der Nationalmannschaft bei der WM zu?
Eine Heim-WM kann definitiv beflügeln, vor allem wenn es ein Mannschaftssport ist. Ich traue ihnen schon einiges zu, auch weil die Jungs aus der NHL noch dazugekommen sind. Die haben schon eine starke Truppe. Lustigerweise hab’ ich die ja unlängst zufällig in Norwegen getroffen.

Wie das?
Ich war auf dem Weg in den Urlaub und die Nationalmannschaft zur Vorbereitung nach Lillehammer. Zufällig war unser Domizil ganz in der Nähe, und so bin ich mit den Jungs im Mannschaftsbus mitgefahren. Die machen einen extrem guten Eindruck: eine richtig gute Truppe, super Stimmung, klasse Trainer, so nette Jungs. Deswegen wünsche ich ihnen natürlich das Maximale, auch wenn’s schwierig wird.

Bei dem Botschafter muss das ja klappen...
Das muss man sehen, ob die wirklich besser spielen, nur weil ich der Botschafter bin. Aber schön wär’s.

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