AZ-Interview mit Ex-Löwe Greger TSV 1860 in Abstiegsgefahr? "In dieser Liga ist niemand sicher!"

Münchner Duell: Sascha Mölders (li.) vom TSV 1860 gegen Haching-Verteidiger Christoph Greger. Foto: imago/Lackovic

Im AZ-Interview spricht Ex-Löwe Christoph Greger über den Abstiegskampf des TSV 1860 und seines Klubs Haching in der Dritten Liga. Er erinnert sich an einen großen Erfolg mit den Sechzgern.

 

Haching - Er wurde in München geboren, lebt bis heute bei seinen Eltern in Lochhausen - und hat beim TSV 1860 jahrelang die Jugendabteilung durchlaufen: Christoph Greger von der SpVgg Unterhaching.

Mit Haching ist der 22-jährige Innenverteidiger völlig unerwartet am Saisonende in den Abstiegskampf geraten, genauso wie die Löwen. Während die Giesinger am Samstag auf Aufstiegskandidat KSC treffen (13.15 Uhr, live in der ARD, bei Magenta Sport und im AZ-Liveticker), bekommen es die Münchner Vorstädter am Sonntag (13 Uhr) in einem echten Abstiegsduell mit Carl Zeiss Jena zu tun.

Im AZ-Interview spricht der junge Abwehrmann über eine prägende Erfahrung bei Sechzig, Qualitäten im Abstiegskampf - und er erklärt, warum beide Münchner Klubs in der Dritten Liga bleiben.

AZ: Herr Greger, Sie sind Münchner, der als Fußballprofi in seiner Heimat geblieben ist.
CHRISTOPH GREGER: Ja, ich wohne in Lochhausen noch bei meinen Eltern, habe dort meine eigenen vier Wände. München ist ja nicht ganz so billig. Ich halte es ganz gut zu Hause aus. (schmunzelt)

TSV 1860 und Haching: "Damit hat keiner gerechnet"

Mit den Löwen und Haching sind beide Münchner Klubs vier Spieltage vor Saisonende unerwartet in den Abstiegskampf geraten.
Damit hat keiner gerechnet. Die Liga ist sehr eng beieinander. Wir können gefühlt noch Sechster werden, aber auch noch Letzter. Bei uns hatte sich in den letzten Wochen ein Negativtrend entwickelt. Jetzt haben wir aber endlich wieder ein Tor geschossen.

Die Personalsorgen werden als Grund genannt. Das dürfte aber nicht reichen.
Wir sind nicht gut aus der Winterpause gestartet. Damals haben wenige Spieler gefehlt, da haben wir einfach unseren Fußball nicht auf den Platz gebracht. Dann kamen Personalsorgen dazu. Wir hatten zum Beispiel in Karlsruhe eine ganze Elf nicht dabei. Mit Stephan Hain fehlt ein absoluter Torgarant. Trotzdem haben wir genug Spieler mit der Qualität, um erst gar nicht in diese Situation hineinzurutschen.

Ihr habt acht Spiele in Folge kein Tor geschossen. Wieso?
Wenn ich an das Spiel gegen Halle denken, als wir drei, vier Riesen-Chancen hatten, und der letzte Ball sprang dann auch noch gegen den Pfosten. Das war wie verhext! Im Training haben wir dann viele Abschlüsse trainiert, um wieder das Gefühl zu bekommen, Tore zu schießen.

Greger: Gemeinsam mit Uduohkai und Neuhaus

Auch bei Sechzig läuft es durchwachsen. Sie haben einst die Jugendabteilung der Giesinger durchlaufen.
Ja, das Highlight war das zweite Jahr in der U19 (Mai 2016, d. Red.), in dem wir im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft gestanden sind Das war damals auch eine brutale Mannschaft: Felix Uduohkai (Bundesliga-Profi beim VfL Wolfsburg, d. Red), Florian Neuhaus (Gladbach) und Alexander Fuchs (1. FC Nürnberg) waren dabei, auch Dennis Dressel, der jetzt für die Löwen-Profis spielt.

Spricht man in Haching in der Kabine auch mal über den TSV 1860?
Natürlich verfolgen wir es. Ich persönlich hatte in beiden Spielen gegen die Löwen das Gefühl, dass sie eine sehr gute Mannschaft sind. Ich bin nur über das eine oder andere Ergebnis überrascht, das sie abliefern. Bei ihnen ist die Lage nicht so prekär wie bei uns. Aber in dieser Liga ist niemand sicher. Zwickau hatte vor wenigen Wochen bei uns ein Endspiel, und jetzt sind sie Sechster. Am Sonntag spielen wir gegen Jena, das wird sehr wichtig für uns.

Carl Zeiss hat aus den vergangenen sieben Spielen 16 Punkte geholt.
Am Ende des Tages geht jedes Spiel bei Null los. Wenn wir in Führung gehen oder unser Gegner nicht aus 30 Metern volley in den Winkel trifft, laufen Spiele anders. Jena ist gut drauf, aber sie wissen, dass es für sie ein absolutes Endspiel ist. Sie sind immer noch Vorletzter. Sie haben den Druck! Ich halte nichts davon, dass ein Team das Momentum hat und das andere nicht.

Haching: "Wir waren zwei Punkte am Dritten dran"

Die Löwen spielen gegen den KSC, der noch um den Aufstieg spielt. Viele Beobachter hatten erwartet, dass auch Haching oben dabei sein würde.
Natürlich haben wir den Blick in der Winterpause nach oben gerichtet. Wir waren damals ja auch auf zwei Punkte am Dritten dran. Das hat die aktuelle Situation am Anfang für uns schwieriger gemacht. Im Abstiegskampf sind ganz andere Qualitäten gefragt, da geht es mehr über den Kampf. Mittlerweile haben wir aber die neuen Gegebenheiten voll angenommen.

Und es wird dreckiger gespielt?
Man muss wacher sein. Jeder Fehler kann entscheidend sein.

Fortuna Köln hat mitten im Abstiegskampf seinen Trainer Tomasz Kaczmarek entlassen. Aus Haching waren nie Zweifel an Trainer Claus Schromm zu vernehmen. Ungewöhnlich für dieses Geschäft.
Ich erlebe jeden Tag einen sehr zuversichtlichen Coach, was uns als Mannschaft sehr hilft. Er schaut immer nach vorne, zeigt uns unsere Fehler auf, und wie wir uns verbessern können. Er erinnert uns auch an unsere Stärken. Es gilt jetzt, ihm, dem "Manni" (Haching-Präsident Manfred Schwabl, d. Red.) und dem ganzen Verein das Vertrauen zurückzuzahlen. Haching ist eben anders. Bei vielen anderen Klubs wäre das vielleicht nicht so abgelaufen.

Greger: Nie Kontakt mit dem TSV 1860

Haching wird im Falle des Ligaverbleibs den nächsten Angriff auf den Aufstieg wagen. Die Sechzger dagegen konsolidieren. Gab es nie eine Anfrage aus Giesing?
Ich hatte seit meinem Abgang nie Kontakt zu den Verantwortlichen von Sechzig und bin glücklich über meinen Schritt nach Haching. Ich habe mich hier sehr gut weiterentwickelt. Aktuell sehe ich keinen Grund zurückzukehren.

Abschließende Frage: Sechzig und Haching bleiben beide in der Dritten Liga, weil?
Weil beide die nötige Qualität haben, um sich im Abstiegskampf durchzusetzen.

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