AZ-Interview mit Ex-EHC-Star Michael Wolf: "Es war richtig, die Karriere zu beenden"

Michael Wolf: "Ich habe die Öffentlichkeit nie gesucht, aber es hat einfach zu dem Beruf dazu gehört. Aber ich freue mich schon sehr drauf, immer mehr Privatmann zu werden." Foto: GEPA pictures/ho

In der AZ spricht der frühere EHC-Kapitän Michael Wolf über das Leben nach dem Profisport und eine mögliche Funktion in der Organisation der Red Bulls. "Wir reden, es gibt Ideen, aber noch nichts Konkretes."

 

München - Michael Wolf (38) ist einer der größten Stürmer in der Geschichte des deutschen Eishockeys. Ende der vergangenen Saison beendete der Kapitän des EHC München seine Karriere bei den Red Bulls, mit denen er insgesamt drei Meistertitel (2016, 2017, 2018) holte.

AZ: Herr Wolf, am 26. April standen Sie bei der Niederlage im fünften Finalspiel gegen die Adler Mannheim das letzte Mal als Profi auf dem Eis, danach beendeten Sie Ihre illustre Karriere. Wie ist denn jetzt das Leben als Eishockey-Rentner so?
MICHAEL WOLF: Ganz ehrlich, es hat sich bisher noch gar nicht so viel geändert. Ich habe den Sommer gar nicht so extrem anders verbracht als in den Jahren davor. Ich halte mich weiter fit. Ich habe ja all das auch nicht nur gemacht, um mir die Kondition für die kommende Saison anzueignen, sondern auch, weil ich einfach Spaß daran habe, mich zu bewegen, den Körper zu spüren. Ich bin nun mal gerne mit dem Mountainbike unterwegs. Das mache ich immer noch – und werde das auch weiter beibehalten.

Also denkt Michi Wolf nach dem Aufstehen immer noch an...
...Sport, Sport, Sport. (lacht) Nein, Spaß beiseite, es hat sich schon viel verändert und es wird sich noch viel tun. Aber das ist alles ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Ich war ja doch 20 Jahre Profi, das ist nichts, was man von heute auf morgen abstreift.

Michael Wolf: "Ich habe die Öffentlichkeit nie gesucht"

Was vermissen Sie denn am meisten aus der Eishockeywelt – und was am wenigsten im neuen Lebensabschnitt?
Die Jungs in der Kabine, das geht mir schon sehr ab. Dieser andauernde Blödsinn, der da betrieben wurde, die Sprüche, die Kameradschaft. Das fehlt natürlich schon. Irgendwo kamen da ja viele Kerle zusammen, die sich alle weigern, erwachsen zu werden.

Die Sprüche, die in der Kabine im Eishockey gängig sind, können Sie im familieneigenen Schuhgeschäft nur schwer anbringen!
Nein, das wäre für das Geschäft sicher nicht von Vorteil. (lacht)

Und was geht Ihnen gar nicht ab?
(lacht) Interviews geben. Ich habe die Öffentlichkeit nie gesucht, aber es hat einfach zu dem Beruf dazu gehört. Aber ich freue mich schon sehr drauf, immer mehr Privatmann zu werden.

Michael Wolf: "Ich führe viele Gespräche"

Trotzdem sieht man Sie immer wieder im Umfeld des EHC München in letzter Zeit – es heißt, dass Sie vielleicht bald einen Posten in der Organisation übernehmen.
Nun, ich bin dem Verein sicher sehr verbunden. Wir haben fünf tolle gemeinsame Jahre gehabt – und auch viel Erfolg. Ich bin auch mit Münchens Manager Christian Winkler im ständigen Kontakt. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich in absehbarer Zeit bei den Red Bulls eine Funktion übernehmen werde. Aber momentan kann ich selber nicht sagen, was es genau wird und wann – denn ich weiß es einfach nicht.

Im Nachwuchsbereich?
Vielleicht. Ich kann es im Moment wirklich nicht genau sagen. Und Sie kennen mich ja gut, ich rede eigentlich nur über Dinge, wenn sie Hand und Fuß haben, und nicht vorher. Was ich sagen kann, ist: Wir reden, wir sind in ständigem Kontakt, es gibt Ideen – aber eben noch nichts Konkretes.

Trotzdem noch eine Nachfrage: Wäre eine Vollzeitstelle überhaupt machbar bei Ihren anderen Aufgaben?
Das ist eher nicht darstellbar. Ich habe eben auch andere Verpflichtungen. Da ist aber noch sehr vieles im Fluss und jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht irgendetwas verkünde, dass ich dann später revidieren muss, weil es doch ganz anders kam. Genauso wie es für mich undenkbar war, meinen Rücktritt als Spieler zu erklären – und dann wiederzukommen. Fragen Sie mich in ein paar Monaten wieder, dann weiß ich mehr. Ich führe viele Gespräche, mit dem Verein, aber auch meiner Familie. Ich will auch einfach ein bisschen Abstand zu allem haben. An einem Tag Spieler zu sein, und am nächsten dann eine Funktion im Verein zu haben, das kann ich mir nur schwer vorstellen.

Michael Wolf: "Ich genieße die neue Freiheit"

Genau so hat es auch Philipp Lahm beim FC Bayern gesehen.
Ich für mich brauche einfach einen gewissen zeitlichen, inneren, emotionalen Abstand zu dem Ganzen. Das ist ein Prozess, der auch seine Zeit in Anspruch nimmt.

Eigentlich sollten und wollten Sie ja das Schuhgeschäft Ihres Vaters in Füssen übernehmen.
Das gehört zu den Gesprächen, die ich führe, ja.

Haben Sie eigentlich ein bisschen Angst vor der emotionalen Leere, die ein normaler Job einfach mit sich bringt?
Ich denke, was die Emotionen angeht, gibt es nicht vieles, was damit vergleichbar ist, Sportler zu sein. Das ist so intensiv, so aufwühlend. Das kann einem eine klassische Arbeit nur selten geben. Aber alles hat seine Zeit und meine als Spieler ist vorbei. Ich war bei der Saisoneröffnungsfeier des EHC Red Bull München und natürlich schaut man mit einer gewissen Sehnsucht aufs Eis. Aber es war eben nicht so, dass ich das Gefühl hatte, ich müsste da unten sein. Ich habe mich da, wo ich war, nämlich oben auf der Tribüne, sehr wohl gefühlt, es hat sich richtig angefühlt. Meine Entscheidung, die Karriere zu beenden, war richtig. Das ist unumstößlich, da gibt es auch keine Zweifel. Ich genieße die neue Freiheit.

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