AZ-Interview mit den Weyers "Sie ist sehr nett und hübsch, aber er ist ein arroganter Hund"

"Er ist Stier, ich bin Waage. Beide unter der Venus": Christina Weyer und ihr Mann Hans-Hermann. Foto: privat

Im zweiten Teil der Interview-Reihe reden Hans-Hermann und Christina Weyer über ihre Geschäfte, Astrologie, die Macht der Sprache – und warum sie in getrennten Zimmern schlafen.

 

Hat ein Steuerflüchtling und Titelhändler, der mit der Eitelkeit anderer ein Vermögen gemacht hat, ein gutes Gewissen? Was hinterlässt jemand wie Consul Weyer Graf von Yorck? Um diese und weitere Fragen geht’s in Teil zwei unseres Interviews.

AZ: Herr Weyer, was bleibt von Ihnen, wenn Sie nicht mehr sind?
HANS-HERMANN WEYER: Ich bin der weltgrößte Spendensammler für Unicef. Ich zahle zwar keine Steuern, schicke aber zehn bis 15 Prozent jedes Geschäftes an Unicef. Unter dem Motto: Tue Gutes und sprich drüber! Das mache ich seit 40 Jahren. Da müssten 20 Millionen Spenden zusammengekommen sein.

Das ist für Sie eine Art Nachlass?
Nicht nur das. Ich habe dadurch auch Kofi Annan kennengelernt, der zu einem Weyer-Fan geworden ist. Das hat mir viele Vorteile gebracht. Wenn ich heute einen Wunsch habe an die UN, dann erfüllen die mir den.

Ihr bestes Geschäft?
Die Beflaggung der Schiffe – weil es das kontinuierlichste ist. Da hatte ich eine wahnsinnig gute Idee: Früher mussten die – wie zum Tüv – in ihre Entsendestaaten fahren. Ich habe in Miami und Rio Büros im Hafen gegründet und stemple denen jetzt ab, dass die Schiffe kein Loch haben. Das spart hohe Kosten, und ich verdiene gut daran.

Ihr bester Kunde?
Im Rückblick: Grundig. Obwohl der nie eine Hochschule von innen gesehen hatte, bekam er zwei Doktor h.c. Über den Betrag, den ich damals bekommen habe, würde ich heute nur lachen. Damals haben mir die insgesamt 200.000 Mark sehr gut getan.

An der anderen Seite des Tisches parliert Christina Weyer, seine Ehefrau, mit dem Kellner – in fließendem Italienisch.

Er: Meine Frau hat mir sehr geholfen, sie beherrscht acht Sprachen in Wort und Schrift. Neulich waren wir in China. Nach dem Geschäftsabschluss fuhren wir mit dem Außenminister, der zum Lachen in den Keller geht, im Lift. Er sagte zu seinem Kollegen auf Chinesich über uns: "Sie ist sehr nett und hübsch, aber er ist ein arroganter Hund." Sie übersetzte mir das und sagte zu denen: "Ich bin aus einer Diplomatenfamilie, mein Mann ist ein weltbekannter Diplomat – aber Sie sind keine guten Diplomaten. So etwas sagt man nicht über seine Gäste." Da haben die beiden solche Bomben gekriegt, dunkelrot wurden die.

Sie sprechen Chinesisch?
CHRISTINA WEYER: Ich bin da sogar drei Jahre zur Schule gegangen. Mein Vater war ja Botschafter. Als Kind lernt man schnell – und gerade die Schimpfwörter vergisst man nicht.
Er: Nach diesem Vorfall sind wir jetzt ganz enge Freunde. Die erlauben sich nie wieder einen Fauxpas. Das habe ich meiner Frau zu verdanken. So hat sich die Ehe ausgezahlt für mich.

Woher rührt die Legende, dass Sie stets in getrennten Zimmern schlafen?
SIE: Das ist keine Legende, das ist wirklich so! Darum haben wir eine glückliche Ehe. Wegen der ganzen Zeitverschiebungen muss er oft nachts telefonieren. Das würde mit meinem grundsoliden ärztlichen Biorhythmus kollidieren. Da kann man kein glückliches Eheleben führen. Er verdient nachts Geld, ich gehe morgens früh schwimmen – und dann gegen 11 Uhr weckt die Püppi das Baby – er ist mein Baby – auf und wir frühstücken gemeinsam. Da war ich schon zweimal schwimmen und habe schon Papaya gegessen, gesund, zuckerarm, enzymatisch und verdauungsfördernd – aber unbedingt die Kerne mitessen, sonst können Sie’s vergessen.

Und wann ist Zeit für Nähe?
Er: Wir haben ausgemacht: "Komm bitte zu mir, wenn ich pfeife." Dann steht sie nachts in der Tür und fragt: "Liebling, hast du gepfiffen?" (lacht)
Sie: Umgekehrt! Er ruft dann: "Püppi, wann pfeifst du endlich?" Und ich antworte: "Wunschdenken!" (lacht)
Er: So geht das schon 33 Jahre.
Sie: Darum haben wir hohe Reisekosten, weil wir immer zwei Suiten nebeneinander brauchen. Auch weil er nachts immer die Fenster aufreißt.
Er: Das härtet ab, drum bin ich nie krank.
Sie: Dafür springe ich morgens unter die Kneipp-kalte Dusche. Er dagegen ist hydrophob. Sie sehen, wir sind so konträr, wie es konträrer nicht geht. Antipoden. Aber Gegensätze ziehen sich an.

Ihre Tierkreiszeichen?
Sie: Er ist Stier, ich bin Waage. Beide unter der Venus. Bei mir: Aszendent Skorpion, das hält mich auf Trab. Bei ihm Widder: mit dem Kopf durch die Wand.

Sie kennen sich aus mit Astrologie?
Sie: Kleines Hobby. Man ist ja nicht nur Medizinerin und Konsulsgattin. Das ist ein Relikt aus China, ich bin ja in Hongkong eingeschult worden. Da haben die noch die bösen Geister ausgetrieben. Das hat mein Interesse an der Astrologie geweckt. Und wie heißt es: Kein Rauch ohne Feuer. Es ist immer ein Körnchen Wahrheit dahinter.

Kommen wir nochmal auf die getrennten Zimmer zu sprechen.
Er: In jedem Hotel kennt man schon unsere Wunschliste. Neben Papaya zum Frühstück: fünf Extrakissen und zehn Handtücher für dich.
Sie: Hör auf, aus dem Nähkästchen zu plaudern! Sonst verrate ich, was du alles brauchst.

Wir hören!
Sie: Wenn wir einchecken, bringt der Kofferträger die fünf Beauty-Cases zu mir. Und ich sage: "Nein, das geht ins Zimmer meines Mannes!" So ist es.
Er: Stimmt leider. Ich habe viermal so viel Gepäck wie sie.

Lesen Sie den ersten Teil der Interview-Reihe: Titelhändler Consul Weyer - "Die Eitelkeit stirbt nie"

 

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