AZ-Interview mit dem Kickbox-Weltmeister Michael Smolik: "Schmerz ist irgendwie schön"

Kickbox-Weltmeister Michael Smolik (r.) kämpft am Donnerstag gegen Weltmeister Mihal Janacek. Foto: Rauchensteiner

Am Donnerstag steigt Kickbox-Ass Michael Smolik wieder in den Ring, in der AZ spricht er exklusiv über großspurige Sprüche, Rassismus, seinen Glauben und sagt, wie er sein "drittes Auge" gefunden hat.

 

München - Der 27-Jährige Michael Smolik ist seit 2016 Weltmeister im Kickboxen und hat all seine 30 Profikämpfe gewonnen. Am Donnerstag tritt er im Mixed Munich Arts gegen Weltmeister Mihal Janacek an.

AZ: Herr Smolik, jahrelang hat Sie Vladimir Tok herausgefordert, behauptet, dass Sie kein Kickbox-König sind. Beim Pressetraining am Montag hat er Ihnen versprochen, dass er Sie ausknocken würde, nun tritt er ohne Angabe von Gründen am Donnerstag nicht an.
MICHAEL SMOLIK: Das ist extrem enttäuschend und ist mir in meiner Karriere so noch nie passiert. Wir alle wissen nicht, was los ist. Falls es wirklich ernste Gründe hat, wünsche ich ihm alles Gute und dass sich alles zum Guten wendet, aber wenn es nur so ist, weil er nicht mehr das Herz hat, gegen mich anzutreten, dann zieht er den Sport damit in den Dreck. Ich habe so oft erleben müssen, dass die Gegner eine große Klappe haben, aber wenn es darauf ankommt, nichts dahinter ist. Mich ärgert seine Absage sehr, ich habe mich wochenlang speziell auf ihn vorbereitet, habe mir den Kampf oft visualisiert, Tok war wochenlang in meinem Kopf, jetzt muss ich mich von einem Tag zum anderen auf einen anderen Gegner einstellen. Aber ich werde das Ding trotzdem rocken, Weltmeister Mihal Janacek ist ein starker, ein würdiger Gegner.

Smolik: "Weltmeister Mihal Janacek ist ein starker, ein würdiger Gegner"

Wenn man sich das Ballyhoo vor jedem Kampf anschaut, dann müssten Sie in Ihrer Karriere andauernd ausgeknockt worden sein. Wird das gockelhafte Rumgeprotze nicht auf Dauer langweilig?
Natürlich ist es immer dasselbe, man hört die gleichen großen Sprüche immer und immer wieder. Dass einen das irgendwann etwas langweilt, liegt in der Natur der Sache.

Sie spielen das Spiel aber auch selber mit.
All das gehört dazu, keine Frage. Wir reden hier nicht von einem Amateurkampf, bei dem vielleicht 20 Leute zuschauen, sondern teilweise Millionen vor den Fernsehern dabei sind. Auch ich provoziere meinerseits den Gegner, ich bin so ein Typ, der ein bisschen frecher ist, was nicht unbedingt ein Nachteil sein muss – und mir macht das auch Spaß.

Wie stellen Sie sich denn mental auf einen Kampf ein – Sie wissen ja, dass es im Schwergewicht immer wehtut, wenn ein 100-Kilo-Mann zuschlägt?
Nun, ich mache schon mein Leben lang Kampfsport. Das heißt ja nichts anderes, als dass ich mein Leben lang Schläge eingesteckt habe. Ich habe da überhaupt keine Angst davor. Für mich ist Kämpfen, sind Schmerzen eine ganz normale Sache geworden. Das klingt vielleicht für Außenstehende ein bisschen komisch, der Typ lässt sich da auf die Fresse hauen, wie kann das schön sein. Aber, wenn man das seit seinem dritten Lebensjahr betreibt, ist es eben normal. Letztendlich ist es so: Schmerz ist irgendwie schön. Ein Kampfsportler, der sagt, er hasst Schmerzen, ist kein echter Kampfsportler, der hat da nichts zu suchen. Ich bin ein bisschen verrückt, ich mag das, wenn es ein bisschen wehtut.

Smolik: "Ein Kampfsportler, der sagt, er hasst Schmerzen, ist kein echter Kampfsportler"

Sie betreiben seit einigen Jahren intensiv Meditation, wie schwierig war es für einen so hyperenergetischen Typ wie Sie, die Ruhe in sich selbst zu finden?
(lacht) Sehr schwer! Ich war immer ein sehr aufgedrehter, temperamentvoller Typ. Aber letztendlich muss man seine Grenzen ziehen, das habe ich durch die Meditation gelernt. Das ist sehr wichtig, weil man sich dann nicht so aus dem Konzept bringen lässt. Ich versuche mich ganz auf das dritte Auge, wie man es nennt, zu konzentrieren.

Haben Sie sich auch sehr mit Buddhismus, dem In-sich-Ruhen beschäftigt?
Ja. Ich habe keinen buddhistischen Glauben, aber ich finde einige Gedankenansätze sehr gut. Ich bin katholisch erzogen worden, ich glaube auch an Gott, aber ich habe eher so meinen eigenen Weg zu ihm gefunden, ich nehme nicht alles aus der Bibel oder aus der katholischen Lehre. Ich bin ein Mensch, der sich sagt, alles, was passiert, hat einen Grund. Jeder bekommt zurück, was passiert. Ich glaube an Karma. Ich habe so oft erlebt, dass man irgendwann im Leben zurückbekommt, was man falsch gemacht hat. Aber auch das, was man richtig gemacht hat. Wenn man vom Herzen gibt, kriegt man immer was zurück. Es geht um Respekt.

Smolik: "Ich habe keinen buddhistischen Glauben, aber ich finde einige Gedankenansätze sehr gut"

Der heute oft fehlt – wie man gerade erst bei der deutschen Fußballnationalmannschaft erlebt hat, als mehrere Fans Ilkay Gündogan und Leroy Sané rassistisch beleidigt haben.
Jeder kann einen anderen für dessen Leistung kritisieren. Sobald aber die Angriffe gegen den Menschen an sich gehen, geht das zu weit. Niemand hat das Recht, die Familie, die Hautfarbe oder den Glauben eines anderen zu beleidigen. Wirklich niemand! Das hat im Sport, ja, im Leben einfach nichts zu suchen.

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