AZ-Interview mit Claus-Peter Reisch Lifeline-Kapitän: "Flüchtlinge werden auf dem Meer entsorgt"

Claus-Peter Reisch (57) aus Landsberg ist Kapitän der "Lifeline" und rettet Flüchtlinge aus Seenot. Foto: dpa

Seit eineinhalb Jahren rettet Claus-Peter Reisch Migranten aus dem Mittelmeer. Am Sonntag ist er bei der Demo "Ausgehetzt" in München dabei.

Weil er mit seinem Schiff "Lifeline" Ende Juni 234 Menschen vor dem Ertrinken gerettet hat, steht der Seenotretter Claus-Peter Reisch jetzt auf Malta vor Gericht. Erst gegen Kaution kam er wieder auf freien Fuß. Die AZ hat mit ihm gesprochen – über Moral, die Zustände in Libyen und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU).

AZ: Herr Reisch, wie viele Menschen haben Sie durch Ihr Engagement bei der privaten Organisation "Lifeline" schon gerettet?
CLAUS-PETER REISCH: Keine Ahnung. Ich zähle das nicht. Die Zahl liegt sicherlich im vierstelligen Bereich. Ich habe im April 2017 meine erste von bisher sechs Missionen gefahren.

Von Gegnern solcher privaten Rettungsorganisationen – sogenannten Nichtregierungsorganisationen (NGO) – wird immer wieder unterstellt, dass dadurch die Flüchtlingszahlen erst recht steigen würden.
Unterstellen kann man immer viel. Es gibt eine Studie aus England von der Universität Cambridge, die genau das Gegenteil sagt. Und man sieht doch auch jetzt ganz aktuell: Im Moment ist kein einziges privates NGO-Schiff unterwegs – aber die Todeszahlen auf dem Meer sind erschreckend! Der Juli 2018 wird als der Monat in die Geschichte der Seenotrettung im zentralen Mittelmeer eingehen, in dem es die meisten Toten gegeben hat.

Das heißt, die Schlepper schicken die Flüchtlinge trotzdem aufs Meer, obwohl so gut wie niemand da ist, um sie aufzusammeln.
Ja, klar. Das ist den Schleppern doch völlig egal. Das Geschäft ist gemacht, die Zitrone ist ausgedrückt, also: weg damit. Und diese Leute haben letztlich keine Wahl, ob sie in diese Boote einsteigen oder nicht. Wissen Sie, Libyen ist für diese Menschen eine Einbahnstraße mit einer Sackgasse am Ende. Da geht es nicht mehr zurück. Die Leute werden von den Schleppern ausgeblutet, verkauft, die Frauen vergewaltigt, in die Prostitution geschickt. Sie können in Tripolis für 300 Euro einen Sklaven kaufen – gar kein Problem. Und irgendwann, wenn die Leute nicht mehr auspressbar sind, dann werden sie übers Meer letztlich entsorgt.

Wie meinen Sie das?
Wir finden Boote, an denen ist gar kein Motor dran. Dann fragt man sich, wie sind die überhaupt aufs offene Meer gekommen? Die Schlepper fahren da etwa 20 Meilen weit mit raus, dann ziehen sie einen Revolver und bauen den Motor hinten aus. Und dann überlässt man das Boot samt den Menschen, die da drauf sind, einfach dem Schicksal.

Wie viele Menschen retten Sie pro Mission?
Das ist unterschiedlich. Wir hatten zuletzt diese zwei Rettungen mit den 234 Menschen, die wir dann auf dem Schiff hatten. Aber wir hatten zwei Tage zuvor auch bereits ein Schlauchboot evakuiert und an einen Autofrachter übergeben. Und in der Nacht danach eine Rettung, da haben wir 118 Menschen an ein Containerschiff übergeben. Und das 80 Meilen vor der Küste. Die hatten bereits seit einem Tag keinen Sprit mehr! Sie müssen sich das mal vorstellen: 118 Personen sitzen in einem Schlauchboot, oben ist es hellblau, unten ist es dunkelblau, und der Quirl dreht sich nicht mehr. Feierabend. Kein Klo, kein Essen, kein nix.

Warum wagen sich Menschen überhaupt auf so ein Boot?
Die Lebensbedingungen dieser Menschen müssen so schlecht sein – durch Krieg oder wirtschaftliche Verhältnisse, durch Hunger –,  dass sie sich auf den Weg machen. Es ist bekannt, dass man über Libyen nach Europa kommen kann. Und dann landen sie in diesem Land, wo Schlepper sie verkaufen für alle möglichen Zwecke. Sie werden gezwungen, in irgendwelchen Fabriken oder sonstwo zu arbeiten, um damit quasi ihr Fluchtfahrzeug – also diese Schlauchboot-Fahrt – zu finanzieren. Und dann geht’s irgendwann los. Es gibt schlimme Erzählungen. Und die habe ich nicht nur einmal gehört.

Welche?
Wenn diese Menschen, die oft noch nie ein Meer gesehen haben, sehen, was ein Meer ist, dann kriegen die Angst. Dann steigen die da auch nicht ins Boot ein. Wenn sie sich dann weiter weigern, an Bord zu gehen, dann werden halt am Strand einfach mal zwei, drei erschossen – und dann geht’s schon. Das ist die Wahrheit.

Was sagen Sie dazu, wenn eine Zeitung wie die "Zeit" letzte Woche ihre Leser zum Thema Seenotrettung fragt: "Oder soll man es lassen"?
"Soll man die Menschen sterben lassen?", heißt das ja faktisch. Wenn die europäischen Regierungen kein europäisches Seenotrettungsprogramm auflegen – so wie es das ja mal gab mit "Mare Nostrum" von den Italienern – wer soll das denn dann machen? Soll man einfach sagen: "Ach ja, dann retten wir jetzt einfach nicht mehr"?

Was wäre denn Ihre Antwort?
Sollen wir dann die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger – die sitzt in Bremen – vielleicht auch gleich mit abschaffen? Und sollen wir dann vielleicht auch gleich die Bergwacht mit abschaffen? Denn diejenigen, die gefährliche Klettersteige gehen oder mit ihren Flip-Flops in die Berge gehen, die bringen sich doch auch alle selber in Gefahr. Diese kruden Thesen, dass ohne Rettungsschiffe keine Menschen mehr übers Meer flüchten würden – ich kann sie eigentlich nicht mehr hören. Weil es einfach nur furchtbar ist.

Es gibt ja auch noch die libysche Küstenwache, die Migranten aus dem Meer holt.
Wissen Sie, die Menschen springen über Bord, wenn sie die Libyer sehen. Die sind lieber tot als zurück nach Libyen zu müssen. Das habe ich bei mir auf dem Schiff ja selbst erlebt.

Inwiefern?
Die libysche Küstenwache wollte bei mir längsseits gehen und die Leute vom Schiff runterholen. Ich hab dann mit denen verhandelt und habe dafür zwei Leute von denen auf die "Lifeline" geholt. Auf dem Weg zum Achterdeck war ein junger Kerl aus Bangladesch, der ist vor mir auf die Knie gefallen, hat einen Weinkrampf bekommen und meine Beine festgehalten. Ich kann das emotional leider gar nicht so wiedergeben. Ich habe so etwas wirklich noch nie zuvor erlebt – von einem erwachsenen Mann. Und er hat gesagt: "Bitte gib mich nicht den Libyern. Ich bringe mich vorher um, ich springe ins Meer und sterbe. Das ist besser als Libyen." Er war völlig am Boden zerstört. Danach bin ich dann runtergegangen, um mit den Libyern zu verhandeln.

Wie haben Sie die libysche Küstenwache erlebt?
Die haben es ja noch nicht einmal geschafft, ihr eigenes Schlauchboot ins Wasser zu bringen. Ich habe die Libyer mit meinem eigenen Einsatzschlauchboot abholen müssen. Wie grotesk ist das!?

Von der Politik fühlen Sie sich vermutlich auch nicht besonders unterstützt, oder?
Nein, überhaupt nicht. Ein Herr Seehofer, der sich freut, dass an seinem 69. Geburtstag 69 Flüchtlinge abgeschoben werden, ist nicht sehr hilfreich.

Ist er nach so einer Aussage als Bundesinnenminister für Sie noch tragbar?
Nein, meiner Meinung nach nicht. Er ist letztlich ja auch dafür verantwortlich gewesen, dass wir nach der Rettung am 21. Juni noch fünf Tage länger völlig unnötig auf See waren. Es gab von mehreren Bundesländern das Angebot, unter anderem Berlin, einen Teil der Flüchtlinge aufzunehmen. Aber dazu braucht es die Unterschrift des Innenministers, und die hat er verweigert. Normalerweise brauche ich für so eine Fahrt nach Malta oder an die italienische Küste zwischen 24 und 36 Stunden, je nach Wetter. Wir konnten aber erst am 27. Juni im Hafen von Malta einlaufen.

Was hatte das für Konsequenzen für Sie?
Der letzte Tag auf See war besonders schlimm, da hatte ich 150 schwer seekranke Menschen auf dem Schiff. Und Seekrankheit heißt in dem Fall ja nicht nur: Ich kotz' jetzt über die Reeling. Sondern die Leute essen und trinken dann ja auch nichts. Und da an diesen Menschen nichts dran ist – die Erwachsenen wiegen zum Teil nur 45 Kilo und weniger – fallen die in einen Unterzucker-Zustand, werden müde und schlafen ein. Später fallen sie dann ins Koma und sterben ganz einfach im Schlaf.

Wie haben Sie das in den Griff bekommen?
Wir haben diese 234 Flüchtlinge alle drei Stunden geweckt. Alle. Jeden einzelnen. Und geschaut, ob er noch ansprechbar ist oder ob wir ihn wach kriegen. So haben wir auch die drei rausgepflückt, die schon ins Koma gefallen waren. Die mussten intravenös behandelt werden. Ohne die Crew, das sind 18 Leute, wäre das alles nicht möglich gewesen. Bitte schreiben Sie, wie stark diese Crew ist. Sie hat wirklich Erstaunliches und eigentlich Unfassbares geleistet. Sie müssen sich vorstellen: Wir arbeiten auf diesem Schiff im Dreischichtbetrieb – und haben natürlich auch nur begrenzte Ressourcen. Allein, dass wir in dieser Zeit in einer Küche, die für nur 19 Personen ausgelegt ist, jeden Tag 500 warme Mahlzeiten zubereitet haben, also ungefähr 3.500 Essen in diesen sieben Tagen – das alles geht nur, wenn die Crew tip-top ist.

Wer bezahlt das eigentlich alles?
Wir finanzieren uns komplett über Spenden. Egal ob jemand fünf Euro gibt oder 5.000, wir sind auf jeden Euro angewiesen. Ohne Spenden an "Mission Lifeline" fährt die "Lifeline" nicht. Die komplette Crew arbeitet ehrenamtlich, bezahlt sogar ihren Flug nach Malta selbst  – auch ich als Kapitän. Die Reparaturen und der Unterhalt des Schiffes sind sehr teuer. Allein der Betrieb pro Tag auf See kostet rund 2.500 Euro, davon geht ungefähr die Hälfte nur für Treibstoff drauf. Und wir brauchen zum Beispiel gerade dringend ein neues Schlauchboot und ein neues Radargerät.

Nachdem Sie am 27. Juni in Valetta auf Malta eingelaufen waren, wurden Sie vor Gericht gestellt. Was genau wird Ihnen vorgeworfen?
Es geht einzig und allein um ein Zertifikat aus Holland, von dem zunächst behauptet wurde, es sei eine Fälschung. Es ist aber weder eine Fälschung noch selbstgemacht oder abgelaufen.

Es soll ungültig sein, heißt es.
Die Rettungsschiffe auf dem Mittelmeer fahren seit 2015 mehr oder minder alle mit diesem Zertifikat. Und jetzt plötzlich soll es nicht mehr gültig sein.

Darf man damit denn internationale Gewässer befahren?
Ja, klar. Mindestens 25.000 Holländer, die ein privates Segelboot haben, fahren ja auch mit diesem Zertifikat in der ganzen Welt herum. Es ist vom holländischen Wassersportverband ausgestellt.

Warum haben Sie denn als Deutscher überhaupt ein holländisches Zertifikat?
Wir würden das Schiff natürlich gern in Deutschland zulassen, aber hier gibt es eine Beschränkung auf 25 Meter und 100 Tonnen, und unser Schiff hat halt 300 Tonnen und ist 32 Meter lang. In Holland sind die Bestimmungen anders.

Wenn man Berichte über Sie liest, erweckt es eher den Anschein, als wären Sie der Kapitän der Costa Concordia anstatt ein Seenotretter. Am 30. Juli ist der nächste Gerichtstermin. Was droht Ihnen jetzt?
Ich stehe offenbar gerade stellvertretend für alle vor Gericht. Es hätte auch irgendeinen anderen treffen können, jetzt hat’s halt mich erwischt. Das Ganze kann mit maximal 11.600 Euro Geldstrafe oder maximal zwölf Monaten Haft bestraft werden. Ich habe jetzt eine Kaution von 5.000 Euro hinterlegen müssen, um nach Deutschland reisen zu können. Das zeigt doch schon mal, dass das Ganze nicht so hoch aufgehängt ist.

Haben Sie Angst?
Wissen Sie, ich habe nicht einmal einen Punkt ins Flensburg, ich habe einen einwandfreien Leumund, und ich habe nichts falsch gemacht. Es ist viel falsch darüber berichtet worden. Ich habe kein Recht gebrochen. Deshalb gehe ich erhobenen Hauptes in dieses Gericht rein. Klar hat das Gericht Druck von oben, und es hat jetzt ein Exempel zu statuieren. Aber wir unterhalten uns hier über ein Stück Papier, um einen blauen Zulassungszettel. Das ist so hanebüchen, ich habe da keine Angst. 

Letztenendes geht es ja auch nicht nur um ein Zertifikat...
Es geht hier um den Tod von Menschen! Unser Rettungsschiff wird derzeit auf Malta festgehalten, es darf nicht auslaufen. Wenn in Deutschland ein Notarztwagen auf dem Weg zu einem schweren Verkehrsunfall von der Polizei aufgehalten würde, weil sie die Papiere kontrollieren will, gäbe es hier einen riesen Aufschrei. In unserem Fall gibt es jetzt zwar auch einen Aufschrei, aber nur, weil das jetzt durch die Medien gegangen ist. 

Sie werden am Sonntag in München als Redner bei der Demo "Ausgehetzt" auf der Bühne stehen. Was erhoffen Sie sich von der deutschen Bevölkerung?
Dass sie handelt. So, wie auch die Mannschaft auf dem Schiff handelt. Und dass sie sich mit der Seenotrettung solidarisch erklärt. Dass sie sagt, dass sie das gut findet. Und dass sie sich den Leuten, die das nicht gut finden, stellt und fragt: "Hey, was bist du denn für einer!?" Diese ganze Hetzerei und Hasserei – was soll das denn eigentlich? Uns geht es so gut! Wer behauptet, dass es uns schlecht geht, der hat noch nie über den Tellerrand geschaut. Wir jammern auf einem so hohen Niveau, das ist abartig. Wenn man sich bei uns nicht jedes zweite Jahr ein neues Auto bestellen kann, kriegen manche schon die Armuts-Krise.

Was sagen Sie zu den Ängsten einiger Menschen, dass zu viele Flüchtlinge nach Europa drängen? 
Ich finde es furchtbar, dass Europa momentan in so eine rechte Richtung abdriftet. Ich finde es furchtbar, dass Politiker Ängste schüren, die es eigentlich gar nicht gibt. Wenn es dann wieder heißt: "Eineinhalb Millionen Flüchtlinge, da waren doch alle völlig überfordert..." Ja, dass das nicht lustig war, ist klar. Aber die, die es doch mit am besten geschafft haben, das war die bayerische Bevölkerung. Hut ab! Die haben nämlich das Ding gerockt in Passau und sonstwo, die haben angepackt und das hinbekommen. Und die Politik versucht jetzt, für ihre Zwecke ein Schreckgespenst aufzubauen, das es in Wirklichkeit gar nicht gibt.

Welches denn?
Ich höre immer von den Leuten: "Da kommen so viele, da kommen so viele." Und dann frage ich: "Ja, wo sind sie denn? Wo? Zeig' sie mir." Im Moment kommen ein paar Hundert am Tag. Und wir sind über 80 Millionen Deutsche. Und man muss doch eines mal ganz deutlich sehen: Nehmen Sie mal alle Ausländer und alle mit Migrationshintergrund für eine Woche aus dem Geschäftsleben, aus den Firmen, aus den Krankenhäusern, aus den Gaststätten heraus. Stellen Sie sich vor, die fahren alle eine Woche geschlossen in den Urlaub. Ich behaupte, dass bereits am ersten Tag dieser Woche das Licht ausgeht. Dann gibt's im Krankenhaus keine Mitarbeiter mehr, in der Arztpraxis, bei der Müllabfuhr, egal was. Der griechische Gemüsehändler hat dann zu, der Kroate verkauft keine Cevapcici mehr. Wenn alle weg sind, dann ist bei uns hier Feierabend.

Allerdings integrieren sich nicht alle Migranten so erfolgreich wie die eben genannten. Und potenzielle Straftäter lassen sich kaum herausfiltern.
Ich denke, dass innerhalb eines jeden Volkes, egal, ob die Menschen aus Österreich, Deutschland oder aus Afghanistan stammen, ein ähnlicher Prozentsatz an Straftätern zu finden ist. Dass auch solche Leute zu uns kommen, liegt in der Natur der Sache. Aber anstatt solche Straftäter auszuweisen – und damit meine ich jetzt nicht Leute, die Schwarzfahren oder einen Kaugummi im Laden mitnehmen  – schiebt die Politik jetzt Leute im dritten Lehrjahr kurz vor der Prüfung ab, die sich nichts zu Schulden haben kommen lassen. Das ist doch Schwachsinn! Die sollten lieber mal die Drogenhändler raushauen. Dann wäre auch für die Flüchtlinge, die sich integrieren wollen, die Akzeptenz innerhalb der deutschen Bevölkerung viel höher. 

Was sagt eigentlich Ihre Familie zu Ihrer Mission?
Meine Mutter zum Beispiel war auch am Anfang skeptisch. Aber wenn sie dann die Bilder dazu sieht... Sie ist halt aus der Kriegsgeneration, hat den Zweiten Weltkrieg miterlebt und ist in München mehrfach ausgebombt worden. Sie weiß, was das bedeutet und hat Schlimmes mitgemacht. Sie sagt zwar auch, "es können nicht alle kommen. Aber deswegen darf man die auf dem Wasser nicht sterben lassen" – und das sagt eine Frau mit über 90 Jahren!

Wie sind Sie überhaupt zur Seenotrettung gekommen? Sind Sie Berufs-Kapitän?
Nein. Ich habe ein eigenes Segelboot und bin 2015 mit meiner Lebensgefährtin nach Griechenland gesegelt. Da ging das ja gerade alles los, mit den Flüchtlingen, die übers Meer kommen. Und da haben wir natürlich überlegt, was wir machen, falls wir auf so ein Flüchtlingsboot treffen. Als dann 2016 die erste Welle kam, habe ich mich schlau gemacht, Pro- und Contra-Texte gelesen, und mir wurde klar: Man muss sich ein eigenes Bild davon machen, nur dann kann man mitreden – anstatt irgendeinen populistischen Kram nachzuplappern, der einem erzählt wird. Ich bin also mal auf so einem Schiff mitgefahren. Und im April 2017 bin ich dann als Kapitän die erste Mission gefahren.

Werden Sie weitermachen?
Auf jeden Fall.


Am kommenden Freitag (27. Juli) erhält "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch stellvertretend für alle internationalen Seenot-Retter den Europa-Preis der SPD im Bayerischen Landtag. Der Preis wird an Menschen und Organisationen vergeben, die sich in besonderer Weise um die europäische Idee und die Werte der Europäischen Union verdient gemacht haben.

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