AZ-Interview Marko Pesic: "Wir wollen das gleiche Standing wie Real"

Geschäftsführer beim FCBB: Marko Pesic Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Vor dem Top-Spiel in Madrid erklärt Geschäftsführer Marko Pesic, was sein Klub von Real Madrid lernen kann – und spricht über die sportliche Entwicklung des FCBB: "Von der Teamchemie her sind wir bei den Top Drei", sagt Pesic.

Der 42-Jährige ist seit 2011 Sportdirektor und seit 2013 auch Geschäftsführer des FC Bayern Basketball. Die AZ hat vor dem Kracher in Madrid mit ihm gesprochen.

AZ: Herr Pesic, am Freitag tritt der FC Bayern Basketball in der Euroleague bei Titelverteidiger Real Madrid (21 Uhr/MagentaSport) an. Ist das ein Bonusspiel für Sie?
MARKO PESIC: Ja, auf jeden Fall. Wir waren zuletzt auch beim Spiel bei Baskonia mit Mitarbeitern vor Ort, weil wir von solchen Klubs viel lernen können – auch in Sachen Organisation, Struktur, im Ticketing. Das Gleiche machen wir jetzt bei Real Madrid: Es fahren einige Mitarbeiter mit, sie treffen sich mit den Kollegen von Real, um neue Einblicke zu erhalten. Parallel findet das Spiel statt, von dem eh keiner erwartet, dass wir es dort gewinnen können. Wir werden es trotzdem versuchen. Aber es ist schon ein Zusatzspiel für uns, klar.

Wie sehen Sie die Ausgangslage im Kampf um die Playoffs der Euroleague vor den letzten acht Spielen?
Ich habe schon am Anfang der Saison gesagt, dass es mein Wunsch ist, dass wir in den letzten zehn Spielen der Euroleague nicht nur wettbewerbsfähig sind, sondern um etwas spielen. Wir sind immer noch mittendrin im Wettkampf. Unser Spielplan sieht eigentlich recht gut aus, wenn man sich anschaut, gegen wen wir an den letzten fünf Spieltagen noch spielen – und gegen wen unsere direkten Konkurrenten. Das Problem ist, dass die Teams, die mit uns um die Playoffs kämpfen, sehr viel Erfahrung in solchen Situationen haben und wir noch viel lernen müssen.

Pesic: Wir sind in der Euroleague über dem Plan

Uli Hoeneß sagte bei der Präsentation des Entwurfs der neuen Arena im Olympiapark: "In zwei bis drei Jahren wollen wir Member der Euroleague werden."
Es ist das Ziel, dass wir fest dazugehören in der Euroleague. Und es muss das Ziel sein, dass wir irgendwann das gleiche Standing haben wie Mailand, der FC Barcelona oder Real Madrid. Um da hinzukommen, brauchen wir die neue Halle. Dazu müssen wir uns weiter so entwickeln und bei unserem Plan bleiben – dann werden wir das schaffen.

Euroleague-Chef Jordi Bertomeu beziffert die Wahrscheinlichkeit einer festen Mitgliedschaft von Bayern "nahe bei 100 Prozent".
Wenn Jordi Bertomeu das sagt, ist das gut, aber soweit ich weiß, haben wir noch keine A-Lizenz. Wenn sie da sein sollte, können wir uns die Hände geben, doch bis dahin müssen wir noch einiges tun. Wir haben uns noch nie für irgendetwas beworben, sondern uns das alles erarbeitet.

Hat die Mannschaft die Entwicklung des Klubs aktuell sogar ein wenig überholt?
Wie hat Herr Hoeneß das immer gesagt? Der Weihnachtsmann ist kein Osterhase. Leider ist die Saison noch nicht vorbei. Es kommen noch ein Drittel der regulären Saison und dann die Playoffs. Wenn wir das Tempo durchhalten und die Leistung konservieren können, werden wir eine sehr erfreuliche Saison spielen. Herr Hoeneß hat gesagt: "Wir sind in der Euroleague im Plan." Ich glaube sogar: Wir sind über dem Plan. Sollten wir alles schaffen, was möglich ist, dann ist die Mannschaft einen Schritt voraus.

Pesic schwärmt vom Zusammenhalt im Team

Obwohl sie zuletzt in Stefan Jovic und Devin Booker auf zwei Starting-Five-Spieler verzichten musste.
Es kann natürlich immer kippen. Aber das ist unsere Kultur und Strategie momentan, dass wir nicht hektisch versuchen, Dinge zu verändern. Wir sind trotz all der Verletzungen ruhig geblieben und haben dem Team vertraut. Jetzt sind wir aktuell Siebter in der Euroleague, aber von der Teamchemie her würde ich uns in den Top Zwei oder Top Drei ansiedeln. Wenn ich mir unsere Mannschaft anschaue, wie sie arbeitet, spielt, miteinander umgeht, den Verein repräsentiert, sehe ich kein anderes Team, das es viel besser macht. Das aufrechtzuerhalten, hat Priorität, auch auf Kosten davon, dass man vielleicht das ein oder andere Spiel verliert. Denn Kultur baut man über Jahre auf und nicht kurzfristig. Ich weiß nicht, wann genau Jovic und Booker wieder zurückkommen und es kann sein, dass wir irgendwann doch auf den Markt müssen. Aber wir versuchen, unseren Status quo sensibel zusammenzuhalten und diese Atmosphäre so gut wie möglich zu füttern.

In Oldenburg fiel mit Nihad Djedovic ein weiterer Starter aus. Nach 19 Siegen kassierte Bayern die erste Niederlage (82:83) in der Bundesliga. Eine Saison ungeschlagen zu bleiben, ist nicht mehr möglich.
Ich halte davon ohnehin nichts. Lokomotive Kuban hat letztes Jahr im Eurocup alle Spiele bis zur Finalserie gewonnen – und dort dann zwei Mal verloren. Das ist ein ganz gefährliches Szenario, weil das Gefühl der Niederlage etwas ist, das man ab und zu braucht. Ich war mir sicher, dass es nicht möglich sein würde, ungeschlagen durch die Saison zu gehen. Wir müssen jetzt nur die richtigen Lehren daraus ziehen.

 

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