AZ-Interview Marko Pesic: "Hoeneß ist hier gar nicht involviert"

Antreiber des Basketball-Projekts bei Bayern: Uli Hoeneß (r.) mit Trainer Svetislac Pesic. Foto: sampics/Augenklick

Der Geschäftsführer der Bayern-Basketballer über die neue Rolle des Ex-Präsidenten, die Trainerfrage und die kommenden Partien.

AZ: Herr Pesic, vergangene Woche ist Ihr Team im Eurocup-Viertelfinale knapp an Galatasaray Istanbul gescheitert. Wie sehr ist die Niederlage noch in den Köpfen?

MARKO PESIC: Bei den Spielern ist das vielleicht ein bisschen anders: Sie trainieren und spielen jeden Tag, sie sind mit ihrem Kopf schon wieder ganz woanders. Bei mir ist das Spiel aber immer noch im Kopf. Es ist sehr enttäuschend, dass wir es nicht geschafft haben. Das ist schon ein Nackenschlag.

Was bedeutet das Ausscheiden für den Rest der Saison?

Im Sport gibt es keinen Ersatz für Siege. Egal, ob er glücklich oder durch eine herausragende Leistung zustande kam. Deshalb kann ich an der Niederlage nichts Positives erkennen. Durch unser Aus in Europa können wir uns jetzt allerdings zu hundert Prozent auf die Meisterschaft konzentrieren. Zweitens können wir wieder mehr an unserer Fitness und am Positionsspiel arbeiten. Zudem haben die angeschlagenen Spieler mehr Zeit zum Regenerieren.

Es ist sozusagen wieder „mehr Fleisch“ im Kader.

Ja, und Stand jetzt sieht es sehr gut aus. Bis auf ein paar Kleinigkeiten sind alle Spieler fit. Dadurch steigt auch wieder der Konkurrenzkampf, so dass man erwarten kann, dass wir von Spiel zu Spiel unsere Form steigern.

Wie wichtig wäre das Weiterkommen für das Projekt Basketball bei Bayern gewesen?

Schwer zu sagen, weil wir eben nicht an diesen Punkt gekommen sind. Fakt ist immerhin, dass wir im Vergleich zum Vorjahr einen Schritt nach vorn gemacht haben. Allein mit dem erstmaligen Einzug ins Viertelfinale hat man schon gesehen, was für ein gutes Gefühl dieser Erfolg der Mannschaft gegeben hat. Umso trauriger bin ich, dass wir den nächsten Schritt nicht gegangen sind.

Was fehlt zu diesem Schritt?

Wenn man auf diesem Niveau spielt, braucht man auch ein bisschen Glück. In dieser Saison sind wir wieder nicht gerade vom Glück verfolgt gewesen. Wir mussten vielmehr in entscheidenden Spielen einen harten Weg gehen, wegen Verletzungen oder anderen Widerständen. Aber solche Erfahrungen können auch hilfreiche Rückschläge auf dem Weg zum großen Ziel sein: zur deutschen Meisterschaft. Arbeiten müssen wir noch an den fünf bis zehn Prozent, die uns dann helfen, den letzten Schritt noch zu schaffen.

Ihr Vater, Svetislav Pesic, hat gesagt, er werde am Saisonende zu 99 Prozent zurücktreten. Mit welchem Trainer Sie in der kommenden Saison die nächsten Schritte gehen wollen, werden wir erst nach den Playoffs erfahren, oder?

Wir haben ja gesagt, dass wir das Thema bis zum Saisonende nicht mehr kommentieren. Wenn die Saison vorbei ist, werden wir weitersehen. Was nicht heißt, dass wir aktuell nicht miteinander reden, nicht nach Lösungen suchen und überlegen, wie es weiter geht. Aber das werden wir nicht in der Öffentlichkeit breittreten.

Inwiefern ist Uli Hoeneß wieder involviert?

Er ist ein ganz großer Fan von uns und so oft es geht bei den Spielen. Aber er ist hier nicht involviert.

Hoeneß spielt im operativen Geschäft keine Rolle?

Nein, das geht ja auch nicht.

Zuletzt ließ er durchklingen, dass er sich in Sachen Basketball beim FC Bayern wieder engagieren will.

Ich meine mich zu erinnern, dass Herr Hoeneß vor allem über die zwei letzten Jahre gesprochen hat. Wie auch immer: Er hat ja auch betont, dass er erst für sich klären muss, wie seine Zukunft aussieht. Positiv ist aus unserer Sicht, dass er jetzt immer die Möglichkeit hat, in die Halle zu kommen. Denn er unterstützt uns allein mit seiner Anwesenheit. Er ist wirklich Fan dieser Sportart und würde uns, wie auch sein einstiger Projektleiter Bernd Rauch (Ehrenvizepräsident), jederzeit unterstützen, wenn wir wirklich mal Hilfe benötigen würden. Bisher war das aber nicht nötig.

Aber Sie haben Hoeneß zuletzt mal getroffen und mit ihm gesprochen?

Immer wenn er beim Spiel ist.

Wenn sich Uli Hoeneß engagiert, dann immer mit viel Energie. Die würde man wohl brauchen, um im Olympiapark doch noch eine neue Halle entstehen zu lassen. Gibt es da neue Entwicklungen?

Die Entscheidung ist ja getroffen worden, dass wir im Audi Dome bleiben. Selbst wenn es die neue Halle mit uns doch gegeben hätte, hätte es diese ja auch nicht vor 2019 gegeben. Unabhängig davon bleiben wir also mittelfristig im Audi Dome und überlegen deshalb schon länger, wie wir ihn Schritt für Schritt modernisieren und die Kapazität auf 8000 Zuschauer erhöhen können. Über die Verlängerung des Mietvertrags reden wir mit der Stadt, die ja auch hier unser Partner ist.

Das heißt, das Thema Red Bull und Olympiapark ist vom Tisch?

Ja, das ist so vom Präsidium entschieden worden und demnach kein Thema mehr.

Ein Blick in die nähere Zukunft: noch sieben Spiele bis zu den Playoffs.

Die nächsten vier Wochen sind für uns die wichtigsten der Saison. Nicht, weil wir kämpfen müssen, um mit Platz zwei im Viertel- und Halbfinale Heimrecht zu haben – sondern auch, um unsere Form zu steigern, fitter und gesünder zu werden. Wir haben noch sehr schwere Auswärtsspiele, darunter in Oldenburg, dem Konkurrenten um Platz zwei. Zu uns kommt außerdem noch der Meister Bamberg. Wer also jetzt schon über die Playoffs nachdenkt, hat die Situation nicht verstanden.

 

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