AZ-Interview Maria von Welser: "Mein Leben mit dem Tumor"

Starke Frau – die Journalistin, Moderatorin und Autorin Maria von Welser. Foto: Niels Starnick, Randomhouse

Kämpferisch und stark: In der AZ erzählt die Moderatorin Maria von Welser (72, "Mona Lisa"), wie sie mit ihrem Gehirntumor umgeht.

 

München - Die Diagnose trifft die gebürtige Münchnerin Maria von Welser (72) mitten in ihrem geordneten, aktiven Leben: Doch die "Mona Lisa"-Gründerin, Journalistin und Moderatorin kämpft – das schildert sie auch eindrucksvoll in ihrem neuen Buch "Ich habe beschlossen, dass es mir nur noch gut geht – Leben mit dem Tumor" (Ludwig Verlag, 20 Euro). In der AZ spricht sie darüber, wie es ihr geht.

AZ: Liebe Frau von Welser, wie schwer ist es, den so optimistischen Titel Ihres Buches "Ich habe beschlossen, dass es mir nur noch gut geht" in die Tat umzusetzen?
MARIA VON WELSER: Als ich das Buch geschrieben habe und auch die Idee zu dem Titel hatte, ahnte ich leider nicht, dass mein Gehirntumor so dramatisch schnell nachwächst. Bevor die Diagnose im Mai 2018 kam, hoffte ich, dass alles ausgestanden ist.

Wie schaffen Sie es, nicht durchzudrehen?
Ich eigne mich glücklicherweise nicht zum Durchdrehen. Das war schon früher so. Ob ein Teleprompter versagte oder im Kriegsgebiet um mich herum geschossen wurde – ich bleibe in solchen Situationen ruhig.

Maria von Welser: "Ein Anruf bedeutet nichts Gutes"

Und stark. Sind Sie auch mal schwach?
Private Geschichten erschüttern mich. Wenn es um meinen Mann geht oder unsere Söhne und Enkelkinder, da mache ich mir Sorgen. Um mich selbst nicht so sehr. Ich kann es ja eh nicht ändern und versuche, alles positiv zu sehen.

Wie und wann erfahren Sie, ob die Bestrahlungstherapie erfolgreich war und der Tumor weg ist?
Ende Mai. Wenn ein Brief kommt, in dem steht: "Wir wünschen Ihnen alles Gute", weiß ich: Glück gehabt. Wenn ich angerufen werde, weiß ich, dass es nichts Gutes bedeutet.

In der Zeit der Ungewissheit: Was hilft Ihnen am besten?
Das Beste daraus zu machen und so normal wie möglich weiterzuleben. Ablenkung, Arbeit, meine Familie – das tut mir gut. Nach Ostern fahren wir nach Ibiza, ich spiele gerne Golf und bin gerne Lehrbeauftragte an der Universität Paderborn. Die Arbeit zum Buch bereitet mir Freude. Ich möchte Menschen mit ähnlichem Schicksal Mut machen, nicht aufzugeben.

Maria von Welser: "Ich fühlte mich ganz anders"

Als Sie erstmals hörten, dass Sie einen Gehirntumor haben, was war Ihr erstes Gefühl?
Ich war fassungslos. Und fühlte mich ganz anders, als hätte mir jemand Steine in den Magen gelegt. Dann habe ich versucht, mich schlau zu machen – und schnell zu handeln.

Was machen Sie, wenn Sie mal nicht weiterwissen oder Angst haben?
Ich bin ein großer Fan von Listen. Ich schreibe auf: "Ich habe Angst, weil ..." In die nächste Spalte: "Was ich dagegen tun kann". Und in die dritte Spalte: "wann". Mir hilft das enorm. Aufgeben ist für mich keine Option.

Beten Sie?
Ja, regelmäßig. Ich habe außerdem ein Kruzifix im Büro – und einen großen wunderschönen Holz-Engel, mit dem ich auch rede. Ich habe das Gefühl, dass er mich beschützt.

Sie haben 32 Bestrahlungen hinter sich. Was war das Schlimmste?
Das war im vergangenen Dezember, als ich in Vorbereitung auf die schwere Protonenstrahlentherapie in Heidelberg eine Gesichtsmaske angepasst bekam. Das war ganz grauenhaft. Erst ist diese Gips-ähnliche Maske beweglich, dann wird sie hart. Ich bekam kurzfristig Panik. Die Bestrahlungen selbst sind natürlich auch nicht schön. Viele Blitze jagen an den Augen vorbei, Sekunden kommen einem wie Monate vor. Glücklicherweise wurde mir aber nicht übel. Der Schwindel, eine Nebenwirkung der Operation, ist das Einzige, was mich im Alltag beeinflusst. Auch damit lernt man zu leben. Ich habe am liebsten meinen Mann um mich, der mich stützt.

Maria von Welser: "Mit 21 habe ich mir ein Grab gekauft"

Ihr Mann Klaus Häusler war damals der Einzige, der von Ihrem Tumor wusste.
Ja, meinen Kindern und Enkeln habe ich es erst nach der OP gesagt. Es hätte ja sein können, dass was schief läuft und dass mein Leben vorbei ist. Ich habe eine Patientenverfügung, will keine lebensverlängernden Maßnahmen. Mein Testament hatte ich zuvor schon gemacht, beim Notar war ich auch. Aber, Gott sei Dank, bin ich hier.

Über den Tod haben Sie schon früh nachgedacht.
Mit 21 habe ich mir ein Grab in Kreuth am Tegernsee gekauft.

Warum?
Dort bin ich aufgewachsen, dort gefällt es mir. Ich finde es gut zu wissen, wo man endet. Meine Großeltern und Eltern liegen mittlerweile auch dort. Aber so weit ist es noch nicht, jetzt kämpfe ich erstmal weiter.

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