AZ-Interview Kurz, Macron, Varadkar: Politik im Jugendwahn?

Charismatisch (v. l.): ÖVP-Chef Sebastian Kurz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der irische Premierminister Leo Varadkar. Foto: dpa

Das politische Europa verjüngt sich. Männer unter 40 stehen in vielen Ländern an der Spitze. Über den Wunsch nach Generationenwechsel.

Wien - Er könnte Europas jüngster Regierungschef werden: Der österreichische ÖVP-Chef Sebastian Kurz befindet sich mit 31 Jahren auf dem Weg zum Kanzler – und eruopaweit in junger Gesellschaft.

Der französische Präsident Emmanuel Macron ist 39, in Irland regiert mit 38 Jahren Leo Varadkar als erster offen homosexueller Premierminister. Auch in Serbien und Luxemburg sind Junge an der Macht. Warum die Wähler ihnen ihr Vetrauen schenken und wofür sie stehen, erläutert Politikwissenschaftler Werner Weidenfeld.

AZ: Herr Professor Weidenfeld, in Europa verjüngt sich die Politik. Warum sind junge Politiker so erfolgreich ?
WERNER WEIDENFELD: Nach einer gewissen Gewöhnungsphase an die Gesichter der Vorgängergeneration kommt eine Art Aufbruchsstimmung. Die Wähler müssen einen neuen Stil angeboten bekommen, eine neue Rhetorik.


Werner Weidenfeld ist Politikwissenschaftler und Leiter des Centrums für angewandte Politikforschung an der LMU.

Und das verbinden die Menschen mit jungen Politikern?
Sie verbinden mit ihnen eine neue Perspektive. Das kann man ja im Grunde in der politischen Landschaft der Bundesrepublik beobachten. Es ist ein Krisenmanagement da, aber irgendwann will man wissen, wie dieses Land in fünf oder zehn Jahren aussieht.

Muss sich Frau Merkel also auch auf diese Aufbruchsstimmung einstellen?
Frau Merkel zählt natürlich zu den Politikern mit langer Verweildauer. Deshalb gehe ich davon aus, dass sie ganz gerne die Jamaika-Koalition auf den Weg bringt, denn das verjüngt sie.

Wer wählt die jungen Dynamiker – jung oder alt?
Sowohl als auch. Wir haben keine traditionelle Wählerstruktur mehr, sondern ein Stimmungsmilieu. Und wenn die Stimmungslage Aufbruch lautet, wählen die Menschen entsprechend.

Birgt es auch Risiken, wenn Menschen mit wenig Lebenserfahrung in die Regierungsverantwortung kommen?
Jung und unerfahren kommt niemand ins Amt. Das sieht man bei dem künftigen Bundeskanzler Kurz. Der hat schon jetzt Kernpolitikerfahrung seit mehr als 10 Jahren.

Das Alter spielt also keine Rolle. Sondern?
Die Qualifikation. Und das Gespür dafür, was man in diesem Moment politisch anbieten muss.

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