Helmer im AZ-Interview "FC Bayern wird Robben und Ribéry nie hängen lassen"

, aktualisiert am 01.03.2018 - 06:37 Uhr
"Sie können immer noch ein Spiel entscheiden", sagt Helmer über Ribéry (l.) und Robben. Foto: Imago/Sven Simon/dpa

Thomas Helmer spricht hier über die wichtige Rolle der beiden Altstars sowie ihre Zukunft beim FC Bayern, den Coman-Schock und die Chancen auf das Triple. Er sagt: "Die Spannung zu halten, ist fast unmöglich!"

München - Thomas Helmer spielte von 1992 bis 1999 beim FC Bayern. Aktuell moderiert er bei Sport1 den Doppelpass. Wir haben mit ihm über die Situation seines Ex-Klubs gesprochen.

AZ: Herr Helmer, die Luxusprobleme des FC Bayern sind nach der Verletzung von Kingsley Coman zu ernsthaften geworden. Wie sehr trifft die Bayern sein Ausfall?
THOMAS HELMER: Im Fernsehen sah das nicht gut aus. Deshalb hatte ich mir schon gedacht, dass die Verletzung schlimmer sein könnte. Das ist sehr, sehr schade für ihn. Gerade was seine Schnelligkeit angeht, wird er den Bayern schon sehr fehlen. Für die Champions League ist das nicht gerade optimal, um das mal ganz vorsichtig zu formulieren.

Ist das mit einem möglichen Fehlen etwa von Robert Lewandowski vergleichbar?
Coman hat an Wichtigkeit gewonnen, die von Lewandowski hat er aber noch nicht. Jupp Heynckes ist schlau genug, jetzt ein etwas anderes Spielsystem zu finden. Mit seiner Aufstellung gegen Istanbul hat er ja schon angedeutet, dass er nicht immer ganz so offensiv mit Robben und Ribéry spielen will, sondern auch mal etwas defensiver. Gerade wenn man in der Champions League weit kommen und sie vielleicht sogar gewinnen will, kann ich mir vorstellen, dass er weiter in diese Richtung denkt.

Die Triple-Mission der Bayern ist also nicht gefährdet?
Für mich wird das Ganze ein wenig zu hoch bewertet. Coman war noch kein unumstrittener Stammspieler wie Müller, Lewandowski oder Hummels, nicht komplett gesetzt. Er muss noch ein bisschen zielstrebiger und torgefährlicher werden. Dass er jetzt ausfällt, ist aber bitter, auch weil Franck Ribéry im Moment nicht so gut drauf ist.

Thomas Helmer: Robbéry können noch spielentscheidend sein

Ist er jetzt nicht der logische Coman-Vertreter?
Es gibt ja auch noch zum Beispiel Thiago oder James. Müller kann auch mal rechts spielen. Man kann das schon kompensieren, auch wenn Coman das meiste Tempo mitbringt.

Was ist mit Ribéry und Arjen Robben? Oder haben die beiden ihren Zenit aus Ihrer Sicht schon überschritten?
Der Punkt ist noch nicht erreicht, in der Liga sowieso nicht. Da herrscht riesiger Respekt vor den beiden. Sie können immer noch durch eine gelungene Aktion ein Spiel entscheiden. Ich würde die beiden noch nicht abschreiben. Auch Franck nicht, der aktuell vielleicht ein bisschen hinterherhinkt. Arjen hat ja eh fast immer gespielt. Das zeigt, wie fit und gut drauf er in dem "hohen" Alter noch ist.

Beide sind 34, ihre Verträge laufen im Sommer aus. Sind die nächsten Wochen nun auch für eine mögliche Verlängerung entscheidend?
Ich weiß gar nicht, wie entscheidend die dafür sind. Die Verantwortlichen wissen, was die beiden für den Klub geleistet haben. Deshalb versucht man, glaube ich, beide zu halten, ihnen aber gleichzeitig auch zu erklären, dass sie dann nicht mehr immer im Einsatz sein werden. Wenn man diesen Spagat hinbekommt und die beiden das auch akzeptieren, ist das gar kein so großes Problem. Der FC Bayern wird die beiden nie hängen lassen.

Nach dem 5:0 im Achtelfinalhinspiel gegen Besiktas wird es sportlich für die Bayern eigentlich erst wieder im April ernst, wenn das Viertelfinale in der Champions League ansteht …
… wenn dann nicht Donezk oder Rom als Gegner kommt (lacht). Obwohl das für Bayern natürlich gut wäre, um ins Halbfinale zu kommen.

Thomas Helmer: "Thiago ist nicht unverzichtbar"

Kann es zum Problem werden, bis dahin nicht wirklich gefordert zu werden?
Genau darauf weisen ja alle im Verein hin, auch die Spieler sagen, dass sie weiter alles geben wollen. Das geht vielleicht mal eine Zeit lang, aber ich verstehe so ein Spiel wie das 0:0 gegen Hertha vollkommen. Da ist man vor allem im Kopf nicht bei 100 Prozent, sondern vielleicht nur noch bei 90. Das ist die große Herausforderung, die Jupp Heynckes jetzt meistern muss. Die Spannung zu halten, ist extrem schwer. Ich finde das fast unmöglich, wenn die Liga so langweilig bleibt.

Thiago ist nach seiner Verletzung zurück und wird den internen Konkurrenzkampf weiter verschärfen. Welche Erwartungen haben Sie an ihn?
Dass er ein außergewöhnlicher Fußballer ist, steht außer Frage. Sein Problem ist, dass er sehr häufig verletzt ist. Ich glaube, dass die Bayern sein Fehlen mittlerweile kompensieren können. Vidal und Martínez fangen im defensiven Mittelfeld viel auf. Ich mag Thiago als Spieler sehr, aber er ist im Moment nicht unverzichtbar.

Ist er jemand, der den Unterschied ausmachen kann?
Das sehe ich ähnlich wie bei Ribéry und Robben. Die haben alle drei diese Klasse und können in einem extrem wichtigen Champions-League-Spiel oder einem Pokalfinale den entscheidenden Impuls setzen. Das zeichnet die großen Spieler aus und ihn auch.

Wo steht Bayern, wenn es international darauf ankommt? Auf Augenhöhe mit Real Madrid und Co.?
Das Beispiel Real Madrid ist ganz gut. Da haben alle gesagt: In der Liga läuft es nicht und was machen die überhaupt da? Und dann gewinnen die in der Champions League aber mal 3:1 gegen Paris, die bis dahin vermeintliche Übermannschaft neben Manchester City. Das ist einfach eine Mentalität, Erfahrung und Klasse, die ich überragend finde. Und genau das haben die Bayern auch. Die wissen, wie es da läuft. Ich weiß nicht, ob das bei allen englischen Vereinen schon so der Fall ist. Deswegen sehe ich die Chancen der Bayern, in der Champions League wirklich weit zu kommen, nicht so schlecht.

 

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