AZ-Interview FCBB-Neuzugang Akpinar: "Besonderen Druck verspüre ich keinen"

Damals hat er noch für Ulm und gegen die Bayern gespielt: Nationalspieler Ismet Akpinar (M). Foto: Stefan Puchner/dpa

FCBB-Neuzugang Ismet Akpinar soll Nihad Djedovic, den verletzten Finals-MVP von 2019, ersetzen. In der AZ spricht er über seine Rolle, Klavierspielen und seine Ziele mit Bayerns Basketballern beim Geisterturnier.

 

AZ: Herr Akpinar, nach Ihrem Wechsel zum FC Bayern Basketball haben Sie beim Final10-Turnier direkt die Chance, Meister zu werden. Verrückte Zeiten, oder?
AKPINAR: In der Türkei wurde die Saison einfach abgebrochen. Die ganze Vorbereitung und die hart erkämpften Siege waren umsonst. Das ist sehr unbefriedigend. Bayern hat mir die Möglichkeit geboten, endlich wieder Basketball zu spielen, das zu tun, wofür ich lebe und brenne. Und die Chance, einen Titel gewinnen zu können, ist natürlich auch etwas sehr Attraktives.

Wie haben Sie sich in der Corona-Zwangspause fitgehalten?
Ich war in Istanbul (zuletzt bei Besiktas unter Vertrag; d. Red.) und habe gewartet, bis die Liga sich endgültig entscheidet. Ich konnte leider nicht aufs Basketballfeld und habe mich im Kraftraum, mit Homeworkouts, fit gehalten, war ab und zu Laufen. Dadurch bin ich körperlich in einer guten Verfassung. Seit ich in München bin, stehe ich wieder auf dem Feld und komme allmählich in meinen Rhythmus.

Bayern gegen Akpinars Ex-Verein Ulm: "Das motiviert noch mal extra"

Sie wurden als Ersatz für den am Knie verletzten Nihad Djedovic verpflichtet, den Finals-MVP 2019.
Ich bin neu in der Mannschaft, erst seit knapp zwei Wochen hier. Den Finalhelden, den Finals-MVP ersetzen zu wollen, diese Bürde lege ich mir nicht auf. Ich werde der Mannschaft versuchen, mit meinen Stärken zu helfen. Besonderen Druck verspüre ich da keinen.

Wie speziell ist es, Alba Berlin, wo Sie von 2013-17 spielten, jetzt mit Bayern im Kampf um den Titel herauszufordern?
Unser allererstes Turnierspiel wird ja auch noch gleich gegen meinen anderen Ex-Verein Ulm sein. Man kennt die Gesichter, ich hatte eine prägende Zeit bei beiden Klubs. Solche Spiele motivieren doch immer noch mal extra. Da will man zeigen, dass man sich verbessert hat.

Wäre Bayern gegen Berlin Ihr Traumfinale?
Wer auch immer sich den Spot im Finale verdient und hoffentlich am Ende gegen uns spielen wird, auf den freue ich mich.

"München ist für jeden deutschen Basketballer ein attraktiver Standort"

Wie bedeutend ist das Auftaktspiel (Sa., 20.30 Uhr/Magenta Sport) nach der langen Pause?
Wir wollen direkt zeigen, dass wir als Mannschaft bereit und ein Titelfavorit sind. In diesem Turnierformat sind jedes Spiel und jeder einzelne Punkt extrem wichtig.

Ihr Vertrag ist für das Turnier befristet. Ist es Ihr Ziel, sich für ein langfristigeres Engagement zu empfehlen?
München ist für jeden deutschen Basketballer ein attraktiver Standort. Bayern spielt Euroleague, war zuletzt die dominierende Mannschaft in der BBL. Wenn es nach dem Monat heißt: Wir wollen auch im kommenden Jahr oder den kommenden Jahren mit dir weiterarbeiten, würde ich mich freuen. Was nach dem Turnier passiert, ist aber jetzt noch nicht vorherzusagen.

Gerade als Guard ist eine so kurze Eingewöhnungszeit nicht ganz einfach, oder?
Stimmt. Ich versuche, wieder in einen richtigen Basketball-Rhythmus reinzukommen. Als Aufbauspieler hast du noch mal eine besondere Pflicht, weil du mehr oder weniger entscheidest, was auf dem Feld gespielt wird. Da musst du das Playbook in- und auswendig kennen. Das ist momentan meine größte Aufgabe.

Akpinars Leidenschaft fürs Klavierspielen: "Ein guter Ausgleich"

Sie spielen seit zwei Jahren Klavier. Genau wie Bayern-Kicker Serge Gnabry, der damit auch die kognitiven Fähigkeiten für sein Fußballspiel fördern möchte. Sie auch?
Ich habe damit angefangen, weil ich einen Ausgleich brauchte. Training, nach Hause kommen, Playstation und schlafen – das wurde mir auf Dauer zu eintönig. Da bin ich aufs Klavierspielen gekommen, habe mir spontan eins bestellt und aus Lust und Laune damit angefangen. Es macht mir richtig viel Spaß. Dass Gnabry es auch aufgrund des kognitiven Aspekts für den Sport macht, ist interessant. Ich habe auch gemerkt, dass sich meine linke Hand seitdem verbessert hat und mein Wurf ein bisschen konstanter geworden ist. Ich weiß nicht, ob es tatsächlich am Klavierspielen liegt oder durch das Basketball-Training kam. Einen negativen Einfluss hat es jedenfalls nicht.

Was spielen Sie gerne?
Ich habe ein paar Lieder von Ludovico Einaudi parat, die spiele ich am liebsten. Die kennt man von dem Film "Ziemlich beste Freunde".

Apropos Freunde. Maodo Lo und Danilo Barthel kennen Sie vom Nationalteam, Alex King noch aus Berlin. Hilft das?
Extrem. Ich habe schon einige Momente gemeinsam mit den Jungs erlebt, kenne auch den Rest der Mannschaft zumindest als Gegenspieler. Wir sind uns also nicht komplett fremd. Ich fühle mich von Anfang an sehr wohl hier.

Bayerns Basketballer in Quarantäne: "Ich versuche, positiv zu bleiben"

Um eine Wohnung mussten Sie sich nicht kümmern. Sie werden während des Turniers ja alle im Leonardo Royal, dem Quarantäne-Hotel wohnen.
Ich freue mich sehr aufs Turnier. Man darf nicht in eine Negativspirale kommen, wo man sagt: Ich habe keine Lust, hier eingesperrt zu sein. Ich versuche da, positiv, mental bereit und auf das Ziel fokussiert zu bleiben. Ich kenne das von den WM- und EM-Turnieren. Man sieht sich im Hotel, zockt vielleicht auch mal eine Runde. Auf dem Feld legt man dann den Schalter um und spielt Basketball. Da sind Freundschaften kurz vergessen – und es heißt nur noch zu gewinnen.

Nehmen Sie etwas Bestimmtes mit ins Hotel?
Ich werde meinen Computer dabeihaben, meine Playstation, ein, zwei Kartenspiele, mein Buch: Don Quijote von Cervantes, auch wenn das echt schwer zu lesen ist. Es gibt auch ein paar Gaming-Rooms und Entertainment-Zimmer für uns.

Welche sportliche Qualität ist beim Turnier zu erwarten?
Alle Spieler hatten diese zwei Monate Pause. Deshalb wird keine Mannschaft in optimalem Zustand sein. Ich bin aber zuversichtlich, was uns angeht. Wir sind basketballerisch und fitnessmäßig auf einem guten Level.

Abschließend: Wie stehen Sie zur Debatte um mögliche Protest- und Solidaritätsaktionen zum Fall George Floyd? Erwarten Sie welche beim Turnier?
Polizeigewalt und Rassismus sind inakzeptabel und ein großer Mist. Ich finde es gut, dass sich jetzt so viele dagegen äußern und etwas bewegen möchten. Schade ist, dass es teilweise gewalttätig passiert.

Lesen Sie hier: Mission mit Fragezeichen - Die Fallen für Bayern im Meisterschaftsfinale

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading