AZ-Interview Die Weyers über heutige Gesellschaft: "Zwei Drittel Gesocks"

Die Weyers in Los Angeles mit Lionel Richie Foto: privat

Was die Weyers an der heutigen Society und an Neureichen nervt, wofür sie Geld ausgeben und warum der Consul doch "schon auch geizig" ist, erzählen sie im vierten Teil des AZ-Interviews.

 

Treffpunkt: Hotel Vier Jahreszeiten in München. Im vierten Teil des AZ-Interviews mit dem Titelhändler Consul Hans-Hermann Weyer Graf von Yorck und Ehefrau Christina geht's um ein Thema, das beiden viel bedeutet: Geld.

AZ: Herr Weyer, Ihre Frau und Sie schlafen stets in getrennten Suiten. Wer zahlt dafür?
HANS-HERMANN WEYER: Ich habe 31 Hotels in Deutschland, in denen wir quasi umsonst wohnen.

Warum das denn? Sie haben doch angeblich so viel Geld.
Er: In der Bibel steht: Wer hat, dem wird gegeben.

"Ist das mein Name noch wert?"

Ist der Consul etwa knausrig?
CHRISTINA WEYER: Das wäre mit mir an seiner Seite ein K.o.-Kriterium. Er ist nur unter sehr, sehr sparsamen Verhältnissen aufgewachsen, das hat ihn geprägt. Und es ist bei ihm auch immer ein Sport: Wie weit kann ich gehen? Ist das mein Name noch wert? Kann ich das noch rauskitzeln? Da steckt Psychologie dahinter.

Er: Genau. Das ist mein Sport. Das hält mich jung und ist mein Lebenselixier. Aber geizig bin ich schon auch. Mein Co-Pilot sagt zu mir: "Herr Consul, ich bin seit 22 Jahren Ihr Co-Pilot – und der einzige Co-Pilot, der seinen Garten noch selber machen muss." Auch die Klamotten, die wir anhaben, sind meistens gesponsert. Die werden angeliefert, das spart auch Gepäck. Ab 24. November sind wir im Luxushotel The Pierre am Central Park in New York, da zahlen wir auch nichts. Das übernimmt die Familie, der wir einen Diplomatenpass mitbringen.

Wie praktisch.
Er: Ja. Wir haben auch noch ein Flugzeug, ein größeres, das vermieten wir. An dem verdiene ich jedes Jahr 40 000. So geht es mit vielem. Wir haben Immobilien in St. Moritz oder Monte Carlo, angezahlt mit kleinem Geld. Es ist alles im Preis gestiegen. Inzwischen wohnt da irgendein reicher Russe. Davon könnten wir gut leben. Aber ich bin zu knauserig, um ans Eingemachte zu gehen.

Wofür geben Sie gern Geld aus?
Er: Wir haben zwei Flugzeuge und sechs Autos. Aber wir kriegen 50 Prozent auf jedes Auto.

Hat sich der Jetset, die feine Gesellschaft aus Ihrer Sicht in den letzten Jahrzehnten verändert?
Er: Hundertprozentig! Geradezu konträr. Viele, die heute wohlhabend sind, haben Angst, es zu zeigen.

Sie: Die ziehen sich zurück, da trifft man sich nur noch inner circle, ganz unter sich. Das sieht man an der Côte d’Azur und überall. Nur die Neureichen gehen noch nach draußen, die müssen ja zeigen, was sie haben. Und früher gab es Begriffe wie A-, B- oder Z-Prominenz gar nicht: Da war man wirklich prominent – oder eben nicht. Die High Society im Sinne von Gunter Sachs ist weggestorben, und es wächst nichts Gescheites mehr nach. Mein Mann ist ein Urgestein dieser aussterbenden Spezies.

Die Gesellschaft von heute – in drei Worten beschrieben?
Er: Zwei Drittel Gesocks.

Erklären Sie!
Er: Ich komme seit 50 Jahren in dieses Hotel. Früher haben wir viele nette Menschen hier getroffen. Nun sind es überwiegend Neureiche.

Sie: Der liebe Gott hat einen großen Tiergarten!

Genau genommen sind Sie selber neureich.
Er: Neureich, aber gebildet!

"Paradiesvögel sterben aus. Mein Mann ist wie ein letztes Exemplar"

Sie: Langweilig und uniform ist die Gesellschaft heute. Langweilig, weil sich keiner mehr traut, Stellung zu beziehen, Meinung zu deklarieren. Es muss alles immer Mainstream sein – wie die Lemminge. Wer Position bezieht, muss einen Shitstorm im Internet fürchten. Und uniform, weil diese Paradiesvögel, die auch mal lustiger aussehen wollen, aussterben. Da traut sich keiner mehr. Wir machen das noch ein bisschen – weil wir wirklich so sind. Mein Mann ist wie ein letztes Exemplar, das ich pflege wie eine Museumsdirektorin.

Wie ist das, Herr Weyer, wenn vom Aussterben die Rede ist?
Er: Ich habe so ein schönes Leben! Wir sind alle in Gottes Hand. Wenn er möchte, dass ich morgen einen Schlag kriege, dann bin ich damit einverstanden – weil ich so viel Schönes erlebt habe, da brauchen andere sechs Leben.

Sie: Wir leben jeden Tag so, als ob es der letzte wäre, weil wir uns leisten können, den Tag so zu gestalten, wie wir es wollen.

Lesen Sie den ersten Teil der Interview-Reihe: Titelhändler Consul Weyer - "Die Eitelkeit stirbt nie"

Lesen Sie den zweitenTeil der Interview-Reihe: "Sie ist sehr nett und hübsch, aber er ist ein arroganter Hund"

Lesen Sie den dritten Teil der Interview-Reihe: "Lieber Gott, das hast du wieder toll gemacht!"

 

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