AZ-Interview Das plant Uli Hoeneß mit dem FC Bayern

Uli Hoeneß: "Wenn wir gegen den BVB noch zwei andere teure Spieler gehabt hätten, hätten wir wahrscheinlich auch nicht gewonnen." Foto: dpa

Bayern-Präsident Uli Hoeneß spricht im Interview mit der AZ über verpasste Saisonziele, über mögliche Transfers im Sommer - und über die neue Halle mit Red Bull: "Herr Mateschitz und ich sind uns einig."

 

München - Der ehemalige Bayern-Profi und Nationalspieler Uli Hoeneß ist seit 25. November 2016 zum zweiten Mal Präsident des FC Bayern München e.V. Als aktiver Fußballer wurde er 1972 Europameister und 1974 Weltmeister. Nach seiner aktiven Karriere übernahm der heute 65-Jährige das Management beim FC Bayern, ab November 2009 war er Präsident, seit März 2010 Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG.

Hoeneß wurde am 13. März 2014 von der 5. Strafkammer des Landgerichts München II wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Nach Verbüßung der Hälfte der Haftzeit wurde er am 29. Februar 2016 entlassen. Die AZ hat am Rande des 4. Business Circles der Bayern-Basketballer am Flughafen München mit Uli Hoeneß über seine weiteren Pläne mit dem Klub gesprochen.

AZ: Herr Hoeneß, wie haben Sie nach der bitteren Niederlage im Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund geschlafen?
ULI HOENESS: Es war sehr enttäuschend für uns, dass wir nach einem sehr guten Spiel gegen Dortmund mit leeren Händen dastehen. Das tut sehr weh, das ist schlimm. Wenn ich als neutraler Zuschauer im Stadion gewesen wäre, wäre ich sehr zufrieden gewesen. Es war eines der besten Fußballspiele, das ich in der Allianz Arena gesehen habe.

Greift der FC Bayern nun im Sommer auf dem Transfermarkt zu, nachdem es in der Champions League und im Pokal nicht zum Titel gereicht hat?
Es ist jetzt zu früh, um sagen zu können, ob wir auf dem Transfermarkt nochmal aktiv werden. Nach so einem Spiel muss man sich mit dem Vorstand zusammensetzen und die Dinge besprechen. Nur: Es wird oft gesagt, dass der Transfermarkt das Allheilmittel ist, das sehe ich überhaupt nicht so. Wenn wir gegen den BVB noch zwei andere teure Spieler gehabt hätten, hätten wir wahrscheinlich auch nicht gewonnen. Es können immer nur elf spielen. Ich wehre mich gegen diese Herangehensweise. Die Problemlösungen sind nicht immer nur die Transfers.

Sind Sie denn zufrieden mit dieser Saison, wenn es am Ende der Meistertitel wird?
Ich habe immer gesagt, dass die Meisterschaft der wichtigste Titel ist. Und den werden wir gewinnen, da bin ich sicher. Natürlich wäre das Double eine fantastische Sache gewesen, zumal wir zu Hause gespielt haben. Wir müssen das jetzt so akzeptieren, aber uns schon auch zusammensetzen, wie wir es wieder besser machen können. Auf die Dauer ist ein Titel schon ein bisschen wenig für uns.

Erfreulicher ist die Situation, was den Bau einer neuen Sporthalle angeht, in der die Bayern-Basketballer und der Eishockey-Klub EHC Red Bull München spielen sollen. Wie weit sind die Planungen mit Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz und der Stadt München fortgeschritten?
Herr Mateschitz und ich sind uns grundsätzlich einig, dass er baut und wir Untermieter sind. Es wird eine Halle geben, die nicht Red-Bull-Arena heißt. Der Zeitplan sieht so aus, dass jetzt Gespräche mit Red Bull und der Stadt laufen über technische Dinge wie Erbpacht und so weiter. Sobald das abgeschlossen ist, wird es in den nächsten Wochen das eine oder andere Gespräch geben zum Naming Right

"Mit einer solchen Halle brauchen wir attraktive Gegner"

Haben Sie einen Wunschnamen für die Halle, die an der Stelle des alten Radstadions gebaut wird?
Für so ein Riesenprojekt mitten im Olympiapark gibt es sicher viele Interessenten. Es muss natürlich passen. Es muss ein Partner sein, der auch zu Red Bull passt, der zu einem hochmodernen Gebäude passt.

Die Halle kann nach Ihren Aussagen innerhalb von sechs Stunden von einer Eishockey- in eine Basketball-Arena umgewandelt werden. Bereits 2020 oder 2021 könnten die ersten Spiele darin stattfinden, es soll Platz geben für 11.500 Zuschauer.
Wenn wir eine solche Halle haben, brauchen wir natürlich auch attraktive Gegner. Deswegen beschäftigen wir uns zurzeit mit einer Lizenz für die EuroLeague. Wir sind mit der Liga im Gespräch, dass wir vielleicht Partner werden. Wir kalkulieren mit etwa 15 Heimspielen pro Saison. Wenn wir irgendwann in der EuroLeague spielen sollten, kämen dann noch 15 Heimpartien neben der BBL dazu.

Kann die sportliche Rivalität mit Red Bull im Fußball nicht dafür sorgen, dass das Verhältnis zu Herrn Mateschitz irgendwann einmal problematisch wird?
Da sehe ich kein Problem. Das eine ist Fußball, das andere ein Mietgeschäft. Was ich als Problem gesehen hätte, wäre gewesen, wenn sie auf den Namen Red-Bull-Arena bestanden hätten. Aber das haben sie nicht. Deshalb wird die Halle recht schnell einen anderen Namen haben. Es hat sich gezeigt, dass ein Hallenname, der von Anfang an, also vom ersten bis zum letzten Spatenstich da ist, sich ganz anders etabliert als einer, der sich alle drei Jahre ändert. Es ist das Ziel, dass wir einen Partner finden, der das Naming Right für 15 bis 20 Jahre übernimmt.

Kommen wir zu den Bayern-Basketballern: Was trauen Sie dem Team von Trainer Sasa Djordjevic im Saisonfinale zu?
Das Mindestziel in der Meisterschaft ist das Halbfinale. Im Best of Five gegen Bamberg bei möglicherweise drei Auswärtsspielen kannst du nicht sagen: Das gewinne ich jetzt. Ich muss ehrlich sagen, ich habe mich wahnsinnig geärgert über das Aus gegen Malaga. Wir haben ja eigentlich bewiesen, dass wir die schlagen können. Das war die größte Enttäuschung in diesem Jahr. Wenn man die drei Spiele anschaut, waren wir nicht die schlechtere Mannschaft. Da war ich sehr enttäuscht nach dem Spiel. Den Eurocup hätten wir gern gewonnen, weil die deutschen Mannschaften international bisher keine großen Ergebnisse erzielen konnten. Da hätten wir mal was in der Hand gehabt. Aber ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft jetzt vor den Playoffs sehr zusammenwächst.

 

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