AZ-Interview Architekt erklärt Konzept: So wird der neue Elisabethmarkt

Ein in die Jahre gekommenes Idyll: Blick auf die Standln am heutigen Markt. Foto: Sigi Müller

Elisabethmarkt: In der AZ erklärt Architekt Rainer Hofmann das Konzept und die geplanten Dachterrassen. Und er sagt, wie er verhindern will, dass nachts Party ist.

 

Schwabing - Rainer Hofmann ist Mit-Inhaber des Architekturbüros Bogevischs Büro und unter anderem Vorsitzender des Bundes Deutscher Architekten KV München-Oberbayern.

Am Elisabethmarkt in Schwabing wird sich vieles ändern: Der Neubau rückt immer näher. Bei einer Veranstaltung für die Teilnehmer eines Bürgerworkshops sind die Ideen gut angekommen. Der Markt wird luftiger, die Abstände zwischen den Ständen werden größer und künftig wird es nur noch zehn statt 20 Gebäude geben. Diese teilen sich die Händler; meist zu zweit. In der AZ erklärt Architekt Rainer Hofmann die Pläne.

AZ: Herr Hofmann, wie wird der neue Elisabethmarkt einmal ausschauen? Sehr anders als jetzt?
RAINER HOFMANN: Der Elisabethmarkt wird sicher nicht exakt so wie vorher aussehen. Wir haben einen höheren Platzbedarf bei allen Ständen und die Kellergeschosse werden erschlossen. Wenn man ähnliche Feinheiten und ein labyrinthartiges Gefüge herstellen möchte wie jetzt, geht das nicht ohne eine Bündelung der Stände. Schon im ersten Bürgerworkshop hat sich ganz klar ergeben, dass dieser Markt mit diesen neuen Bedingungen eben nicht in derselben Art mit einzelnen Ständen erstellt werden kann.

Und was sind die markantesten Punkte am neuen Markt?
Zum einen, dass die Kleinteiligkeit trotzdem gewahrt bleibt. Auch von der Anmutung her wird es ähnlich. Es sind zehn Gebäude, acht davon werden wieder ein geneigtes Dach haben, am Rand auch wieder ein auskragendes Metalldach. Man diskutiert momentan noch, ob die Dächer ganz leicht mit einer von unten nicht sichtbaren Begrünung ausgestattet werden. Das würde das Mikroklima verbessern. Auch vom Wasserhaushalt her wäre das eine deutlich ökologischere Variante.

Hofmann: "Dachterrassen sollen öffentlich zugänglich sein"

Und was wird anders?
Es gibt im Unterschied zu jetzt zwei kleine Plätzchen im Inneren und es gibt zwei Gebäude, die eine Dachterrasse bekommen, so dass noch mal eine dritte Dimension entsteht.

Dachterrassen, das klingt spannend. Für wen sind die gedacht?
Die Dachterrassen sollen öffentlich zugänglich sein, und werden nicht einem oder zwei Ständen zugeordnet. Da waren sich alle von Anfang an einig, dass man da nichts Kommerzielles will. Wer mag, kann da sitzen, sich vielleicht an einem Stand etwas zu Essen kaufen oder auch nicht. Wobei schon darüber nachgedacht wird, die Terrassen abends zu schließen. Wenn das zu so einer Feiermeile verkommt, hat das mit Markt auch nichts mehr zu tun. Es geht darum, Flächen anzubieten, die tagsüber eine Qualität haben und dann schiebt man zum Beispiel einen Schiebeladen zu und die Treppe ist versperrt.

Und wie werden die Marktstandl aussehen?
Natürlich wird es moderner werden. Wir werden nicht versuchen, das Alte zu rekonstruieren. Das sind einfache, gemauerte Häuser mit einem rauen, dicken Putz, der nicht besonders ist. Was aber besonders ist, ist die Auskragung der Dächer und es gibt diese Kästen, die um die Stände herum gebaut sind, die ursprünglich Lagermöglichkeiten waren. Die werden auch heute noch supergut genutzt. Manche haben klassische Auslagen darauf, andere Sitzkissen. Diese Elemente wollen wir aufgreifen und Angebote schaffen, so dass dort auch weiterhin Sitz- oder Lagermöglichkeiten bestehen.

Hofmann: "Es entsteht nichts radikal Neues"

Was passiert als Nächstes?
Der Stadtrat muss den Projektbeschluss absegnen, er muss die Kosten und die Planung freigeben.

Dass Ihr Büro das umsetzen darf, ist aber fix?
Wir sind mit der Planung der Gebäude beauftragt. Der Stadtrat kann uns aber natürlich Auflagen mit auf den Weg geben. Möglicherweise gibt es Einschränkungen an einzelnen Stellen, das kann man aber nie voraussehen. Der Stadtrat ist der Souverän, und deshalb kann man nicht sagen: Das ist schon durch. Das ist es nicht. Wir sehen aber im Moment keine große Gefahr, dass man sich noch komplett umentscheidet, denn es entstehen keine unbekannten Elemente, nichts radikal Neues. All das wird helfen, auch im Stadtrat auf Verständnis für den aktuellen Planungsstand zu stoßen.

Stichwort Kosten. Gibt's schon eine grobe Schätzung?
Nein, die gibt es nicht. Wir sind mitten in den Ermittlungen momentan, und das Ergebnis wird dann dem Stadtrat vorgestellt. Gerade sind wir aber noch nicht so weit, dass man da etwas sagen kann.

Wann kommen die Pläne in den Stadtrat?
Das wird nach der Sommerpause im Herbst sein.

Hofmann: "Man wird nie alle überzeugen"

Es gab anfangs viel Gegenwind für die Umbaupläne des Marktes, sogar eine Bürgerinitiative dagegen. Was ist daraus geworden?
Es ist relativ ruhig geworden. Der Stadtrat hat sich damals klar gegen diese Bürgerinitiative gestellt und ich glaube, letztendlich geholfen hat vor allem, dass die Marktleute unisono gesagt haben: 'Wir brauchen einfach etwas'. Gerade hatten wir diese Hitzeperiode, ich habe mit dem Marktsprecher gesprochen. Der sagt, 'es ist Wahnsinn, wir arbeiten unter so schlechten Bedingungen', dass die händeringend nach einer Neuerung suchen.

Das ist auf dem alten Markt nicht möglich?
Das geht in den Bestandshäuschen einfach nicht mehr. Man kann da nicht drumrum bauen, sondern muss da etwas gröber rangehen, und die Händler freuen sich drauf.

Sie haben also von den Kritikern nichts mehr gehört?
Im ersten Bürgerworkshop Anfang des Jahres gab’s noch mal zwei, drei Stimmen, die gefordert haben, alles so zu lassen wie es ist. Man hat dann noch mal überzeugend dargestellt, denke ich, warum das nicht geht. Jedenfalls haben diese Leute dann auch im Bürgerworkshop mitgemacht und sich eingebracht. In der letzten Nachbesprechung gab es überhaupt keine Stimmen mehr in diese Richtung. Man hat also, denke ich, schon viele überzeugt. Man wird aber nie alle überzeugen.

Hofmann: "Sind total überzeugt von dem Verfahren"

Dass auch Kritiker an der Bürgerbeteiligung teilgenommen haben, ist ja positiv.
Ja, das Gefühl hatten wir auch. Es waren auf jeden Fall einige dabei, die bei der Unterschriftenaktion gegen den Marktumbau dabei waren. Die haben mitgemacht, sich eingebracht.

Hatten Sie Verständnis für die Vorbehalte?
Es ist immer bitter, wenn sich etwas ändert, das man mag, an das man sich gewöhnt hat. Das muss man auch akzeptieren, dass das nicht bei jedem Zustimmung findet. Darum geht es auch nicht. Es geht vielmehr darum, einen Kompromiss zu finden, von dem die Mehrheit überzeugt ist. Wir denken, dass dies jetzt gelungen ist.

Es war also richtig, die Bürger hier dazuzuholen?
Der Nutzen solcher Maßnahmen wird ja oft angezweifelt. Wir sind total überzeugt von dem Verfahren. Dabei ist aber wichtig, dass die Beteiligung zu einem sehr frühen Zeitpunkt stattfindet. Für uns Planer ist es viel leichter, zu sagen, wir nutzen die Ideen katalysatorisch, wir reagieren darauf.

Neuer Elisabethmarkt: Baustart 2020

Und dann sind alle zufrieden?
Die Bürger können nicht die Planer ersetzen, das ist Quatsch. Das will, glaube ich, auch niemand. Es geht eher darum, dass man die Ideen übersetzt. Und unbedingt muss man hinterher auch darstellen, wie der Prozess ablief, damit man die Beteiligten auch mitnimmt. Denn natürlich kann man nie alles umsetzen, es wird immer auch Ideen geben, die halt nicht gehen. Aber wenn das gelingt, können so Projekte entstehen, die viel stärker verwurzelt sind in der Bevölkerung und die eben bessere Projekte sind, als die, die wir "alleine im stillen Kämmerlein" entworfen haben – davon sind wir überzeugt!

Wie ist denn nun der Zeitplan für den Elisabethmarkt?
Baustart soll 2020 sein. Das hängt aber noch von vielen Parametern ab. Der Bebauungsplan für die Stadtsparkasse nebenan muss erst fertiggestellt werden, dann müssen die temporären Stände bestehen, dann hängt es davon ab, wie schnell der Abriss des Stadtsparkassengebäudes stattfindet. Bevor das nicht weg ist, brauchen wir nicht anfangen zu bauen.

Einen Markt neu zu planen, das machen Sie vermutlich auch nicht jeden Tag.
Das ist superspannend und auch für ein Architektenbüro nicht alltäglich. Einerseits, weil es ein Markt ist, aber auch weil da so viel Herzblut mit drin ist – von den Bürgern, aber auch von den Händlern, die da zum größten Teil ja schon sehr, sehr lange arbeiten. Das sind Leute, die sich ganz intensiv mit dem Markt auseinandergesetzt haben. Und es gibt viele spezielle Aspekte, die die Planung beeinflussen. Da hat jeder seine eigene Art, zu arbeiten. Noch nicht mal Gemüsehändler Eins und Gemüsehändler Zwei sind gleich. Das ist viel komplexer als ein Bürgerworkshop, aber macht eben auch sehr viel Freude. Insbesondere, wenn man das Gefühl hat, dass die gemeinsam entwickelten Ideen auf Verständnis stoßen.

Lesen Sie hier: Elisabethmarkt - Protest gegen Abrisspläne zwecklos

Lesen Sie hier: Neues Leben für leere Standl am Elisabethmarkt

 

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