AZ exklusiv Brandhaus in der Dachauer Straße: Jetzt spricht der Besitzer

Das Haus ist gesperrt, es muss saniert werden. Foto: dpa

In der AZ spricht der Hausbesitzer Johann Hölzl zum ersten Mal über den Brand an der Dachauer Straße und darüber, ob er Wucherpreise verlangt.

Maxvorstadt - Knapp drei Wochen nach dem Brand mit drei Toten in der Dachauer Straße, hat das LKA nun 5000 Euro Belohnung ausgelobt für Hinweise, die zur Klärung der Tat oder zur Ergreifung des Täters führen. Bislang hatte sich die Polizei nicht festgelegt, ob es sich um vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung handelt.

Wie berichtet, war das Feuer von einer abgestellten Matratze im Treppenhaus ausgegangen. In der AZ äußert sich Konditor und Bäckermeister Johann Karl Hölzl (65) zum ersten Mal. Das Haus gehört ihm und seinem Cousin, dem Steuerberater Benedikt Hölzl.

AZ: Herr Hölzl, waren Sie in der Brandnacht vor Ort?
JOHANN HÖLZL: Nein, ich war zuhause. Ich bekam einen Anruf, dass es einen Zimmerbrand gibt. Aber welches Ausmaß das Feuer hatte, erfuhr ich erst Stunden später. Deswegen bin ich nachts nicht hingefahren.

Kannten Sie den Vater und seine Töchter, die bei dem Feuer ums Leben gekommen sind?
Ja. Es ist eine große Belastung für mich. Wenn sie hier beerdigt worden wären, wäre ich hingegangen. Aber sie wurden in Bulgarien beigesetzt.

Denken Sie, dass es fahrlässige Brandstiftung war?
Das kann ich mir nicht vorstellen. Die Polizei hat mir gesagt, dass eine Zigarette das Feuer nicht verursacht hätte. Es ist mir ein Rätsel, wie man so etwas feststellen kann, aber so hieß es.

Wenn es mutwillig war – haben Sie einen Verdacht?
Ich wüsste niemanden, der so etwas macht. Ich habe keine Feinde. Mit mir kann man alle Probleme regeln.

Hatten Mieter Probleme miteinander oder mit anderen?
Da ist mir nichts bekannt.

Warum waren keine Brandmelder im Haus?
Wir hatten es vor, aber es war noch nicht soweit. In den beiden Rückgebäuden haben wir bereits begonnen, Brandmelder zu installieren.

Es hat schon einmal eine Matratze gebrannt.
Ja, das war 2013/2014. Das war fahrlässig. Den Mietern habe ich gekündigt. Bei dem Feuer jetzt haben die noch in der Nacht Besuch von der Polizei bekommen.

Ihnen wird Mietwucher vorgeworfen. 550 Euro für zwölf Quadratmeter mit Gemeinschaftsbad und -küche. Das "Bündnis für bezahlbares Wohnen" will Sie anzeigen.
Ich habe Warmmieten genommen. Die alten Mieter zahlen zehn bis elf Euro pro Quadratmeter, das ist kein Wucher.

Aktivisten schlagen Alarm: Mietwucher im Brandhaus?

Wie viele Menschen wohnten im Haus? Laut Polizei waren 98 Menschen gemeldet.
Da ist das Rückgebäude dabei. Außerdem melden sich viele nicht wieder ab, die eine Zeit lang in Deutschland arbeiten. Im Haus wohnten etwa 35 Menschen in 13 Zimmern und sechs Wohnungen. Für die meisten Zimmer nehmen wir 400 Euro, für die größeren mehr. In einem Zimmer dürfen nur zwei Personen wohnen. Eine Untervermietung ist ein Kündigungsgrund. Ich nütze keine Leute aus. Ich will es korrekt und menschenwürdig.

Sie sollen Mieter unter Druck gesetzt haben, jetzt das Mietverhältnis schnell aufzulösen.
Ich habe eine Mietausfallversicherung. Wir haben niemandem gekündigt! Es ist jedem selbst überlassen, zu unterschreiben oder nicht. Aber wer unterschreibt, bekommt seine Kaution zurück. Das Haus ist ja nun ab dem zweiten Stock unbewohnbar. Es ist gesperrt.

Wird das Haus abgerissen?
Ich weiß es noch nicht, das Gutachten der Statiker ist noch nicht fertig. Im Moment gehe ich davon aus, dass saniert wird. Die Versicherung wird die Kosten übernehmen.

Aber Sie können erst sanieren, wenn alle Mieter raus sind?
Ja, deshalb biete ich eine Auflösung des Mietvertrages an.

 

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