Todesdrama auf der A94 Ersthelfer erschüttert: "Die meisten sind vorbeigerauscht!"

, aktualisiert am 11.04.2019 - 13:26 Uhr
Gani Hasani aus Landshut war als Ersthelfer an der Unfallstelle. Foto: Thomas Gaulke

Auf der A94 bei Anzing kracht ein Auto gegen einen Brückenpfeiler. Gani Hasani aus Landshut sperrt als erster die Unfallstelle und versucht alles Menschenmögliche, um den Fahrer zu retten. 

 

Anzing - Gani Hasani hat als Lasterfahrer schon viel auf der Straße gesehen. Von dem Unfall, den er am Mittwoch auf der A94 in Fahrtrichtung Passau auf Höhe der Anschlussstelle Anzing miterlebt hat, wird sich der 56-Jährige, der 1992 nach Landshut gezogen ist und mittlerweile in Unterneuhausen im Landkreis lebt, noch eine Weile erholen müssen.

Es war früher Nachmittag und Hasani ist mit seinem Getränkelastzug auf der A94 unterwegs, als ein Renault Clio vor ihm von der Fahrbahn abkommt und ungebremst gegen das Fundament einer Autobahnbrücke etwa 300 Meter vor Hasani rast. Geistesgegenwärtig - und dafür sollten ihm später die Feuerwehr, Polizei und Ärzte am Unfallort noch danken - bremst Hasani seinen Laster und blockiert die rechten beiden Spuren der Autobahn so, dass links nur noch ein Nadelöhr für den restlichen Verkehr offen bleibt, damit nicht weitere Verkehrsteilnehmer durch herumliegen Teile und die Helfer durch vorbeifahrende Autos gefährdet werden.

Landshuter eilt zum Wrack

Mit Hasani hält noch ein Auto mit zwei weiteren Männern. Der Landshuter eilt zu dem Wrack, der Motor des Clio fängt bereits bedrohlich an zu rauchen. Zunächst versuchen die Männer fieberhaft, den eingeschlossenen und bewusstlosen Fahrer zu befreien – vergeblich. Dann eilt Hasani zu seinem Laster und holt einen Hammer und einen Feuerlöscher.

Das Feuer breitet sich rasch aus. Mit seinem und zwei weiteren Löschern versuchen die Männer, das Auto zu löschen – ebenfalls vergeblich. Mit dem Hammer schlägt Hasani die Heckscheibe ein, um einen Zugang zu dem Unfallopfer in dem Autowrack zu schaffen – wieder vergeblich.

Hasani: "Ich konnte keinen Puls spüren"

Etliche Teile des Clio haben sich zu stark verkeilt. In seiner Verzweiflung versucht Gani Hasani, weitere Autofahrer anzuhalten und zur Mithilfe zu bewegen, leider erfolglos. "Vor allem wären Feuerlöscher dringend notwendig gewesen, nachdem unsere verbraucht waren und sich die Flammen weiter ausbreiteten", sagt Hasani. "Doch die meisten sind einfach mit 80, 90 Stundenkilometer an uns vorbeigerauscht.“"

Mit großer Kraftanstrengung schaffen sie es schließlich, den Gurt des Bewusstlosen durchzuschneiden. Auch die rechte hintere Türe bekommen sie nun auf, sodass sie die Lehne des Beifahrersitzes umlegen können. Gemeinsam ziehen sie den Schwerverletzten aus dem Wrack, bevor ihn die Flammen erfassen können. "Ich habe noch schnell seinen Puls gefühlt, doch ich konnte nichts spüren", sagt Hasani.

Rettungsdienst muss Ersthelfer behandeln

In diesem Moment treffen die Feuerwehr und der Rettungsdienst ein, die sofort mit der Reanimation des Unfallopfers beginnen. Das mittlerweile lichterloh brennende Wrack kann von der Feuerwehr gelöscht werden. Versorgt werden müssen nun auch Gani Hasani und einer der beiden Helfer, die sich bei der Rettung an den Händen verletzt haben.

Auch der dritte Helfer sowie zwei Zeugen müssen seelisch und vom Rettungsdienst betreut werden. Gani Hasani hat das Geschehen derart mitgenommen, dass er abgeholt werden muss; die Brauerei schickt einen Ersatzfahrer. Am Mittwochabend sagt Hasani der AZ, dass der Einsatz eine Selbstverständlichkeit war. "Ich bin ein Familienmensch. Jeder will, dass einem Mitglied seiner Familie in der Not Hilfe geleistet wird", sagt der 56-Jährige.

Andere Autofahrer sind einfach weitergefahren

Er wusste zwar nicht, ob der Fahrer noch lebt: "Doch ich wollte um keinen Preis, dass der Mann im Auto verbrennt", sagt Hasani. Beschämend sei, dass ihnen keine weiteren Fahrer zu Hilfe eilten. Gerade in den ersten Minuten wären viele Hände hilfreich gewesen.

Trotz der Anstrengungen der Ersthelfer, das Leben des Clio-Fahrers zu retten, starb dieser noch an der Unfallstelle. Die A94 musste in Richtung Passau für etwa drei Stunden komplett gesperrt werden. Im Einsatz waren die Feuerwehren Anzing, Poing, Parsdorf und Gelting, der Rettungsdienst sowie der Rettungshubschrauber "Christoph 1".

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