Auslosung WM 2014 in Brasilien Klinsmann: "Wollen Deutschland einen echten Kampf liefern"

Jürgen Klinsmann spielt mit seinem US-Team in der Vorrunde der WM 2014 in Brasilien gegen Deutschland Foto: dpa

Jürgen Klinsmann und sein US-Team sorgten für den Aufreger in der deutschen WM-Vorrundengruppe. Der Schwabe weiß um die Pikanterie der Auseinandersetzung mit Deutschland.

 

Costa do Sauípe/Brasilien - Auf Jürgen Klinsmanns Bauchgefühl ist halt Verlass. "Ich hatte so ein Gefühl im Magen, dass wir gegen Deutschland spielen", berichtete der Ex-Bundestrainer über das Zusammentreffen der US-Auswahl bei der WM in Brasilien mit seinem ehemaligen Team und seinen einstigen Assistenten Joachim Löw. Zum Abschluss der Vorrunden-Gruppe G stehen sich beide Mannschaften am 26. Juni in Recife gegenüber. "Ich glaube, die Deutschen haben eher ein Problem, denn unser Trainer weiß über die deutsche Mannschaft fast genauso viel wie deren Coach", meinte US-Verbands-Chef Sunil Gulati flachsend. Dagegen war Klinsmann, mit Deutschland 1990 Weltmeister, sichtlich darum bemüht, die Brisanz des Duells herunterzuspielen. "Wir haben schon vorher Witze darüber gemacht. Gerade wir Trainer sehen das entspannt", äußerte Klinsi und setzte sein bekanntes Grinsen auf.

Während er in Mixed-Zone nach der Auslosung in Costa do Sauíipe noch bereitwillig Stellung bezog, ließ er deutsche Medienvertreter nach der Rückkehr ins Hotel allerdings stehen. Ganz so kalt hatten ihn der Auslosungs-Hammer in Costa do Sauípe also doch nicht gelassen. Vorher, in der Mixed-Zone, hatte Klinsmann noch ein bisschen über seine Gemütsverfassung geplaudert. "Es ist ein spezieller Moment. Aber am Ende des Tages wollen wir unser Bestes geben. Man wird sehen, was rauskommt. Wir wollen Deutschland einen echten Kampf liefern. Und wir wollen die Leute mit unserer Vorstellung überraschen", sagte der 49-Jährige, der am 2. Juni in Washington beim 4:3 einen Achtungserfolg gegen die mit einer B-Elf angetretene DFB-Auswahl gefeiert hatte. Klinsmann: "Wir wollen in allen drei Vorrundenspielen punkten und ins Achtelfinale einziehen. Bedenken habe ich keine."

Noch am Vorabend der Auslosung hatte sich der Schwabe mit der deutschen Delegation um DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und Löw zusammengesetzt. "Jetzt wird er verschlossener sein", betonte Bierhoff. Klinsmann ist froh über die historische Chance für die USA, in Brasilien bei der WM für Furore zu sorgen. "Es hatte nicht besser sein können. Ich wollte zwar eigentlich Brasilien im Eröffnungsspiel, doch diese Gruppe ist der Hammer. Eine wirkliche Herausforderung für uns", äußerte der Blondschopf. Und reichen die Kenntnisse, um Deutschland zu schlagen? "Selbst wenn man alles über Cristiano Ronaldo oder über den Gegner weiß, heißt das nicht, dass man Ronaldo ausschalten oder die gegnerische Mannschaft schlagen kann", betonte Klinsmann sehr diplomatisch. Gegen Ghana haben die USA zuletzt zweimal verloren, "jetzt ist es Zeit, sie zu schlagen", meinte der US-Coach.

Der Vergleich Löw vs. Klinsmann ließ sogar das Duell der Halbbrüder Jerome Boateng (Bayern München) gegen Kevin-Prince Boateng (Schalke 04) im Spiel gegen Ghana in den Hintergrund treten. "Bruder, es ist wieder so weit. So schön ist das Leben", twitterte der ghanaische Nationalspieler der Königsblauen. Schon bei der WM 2010 in Südafrika hatte diesen Bruderkampf gegeben. Damals siegte Deutschland 1:0 und erreichte die K.o.-Runde. "Mein Wunschlos", sagte Boateng der Sport Bild: "Man sieht, dass Wünsche noch in Erfüllung gehen können. Ich freue mich auf das Duell und das nächste Spiel gegen meinen Bruder bei einer Weltmeisterschaft. Auch das Spiel gegen meinen Mannschaftskameraden Jermaine Jones ist einfach toll."

Nicht so glücklich dürfte Portugals Superstar Cristiano Ronaldo gewesen sein. Der Torjäger von Real Madrid hatte sich vor der Auslosung in der Provinz Bahia auf keinen Fall ein erneutes Aufeinandertreffen mit Deutschland gewünscht. Zu gut sind dem Rekordtorschützen der Portugiesen die letzten Vergleiche gegen Deutschland bei großen Turnieren in Erinnerung. Ronaldo unterlag bei der WM 2006 Deutschland im kleinen Finale 1:3 gegen Deutschland.

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Zwei Jahre später war die DFB-Elf bei der EURO in Österreich und der Schweiz im Viertelfinale Endstation (2:3). Bei der EM-Endrunde 2012 in Polen und der Ukraine setzte sich Deutschland gegen die Iberer in der Vorrunde mit 1:0 durch. Portugals Coach Paulo Bento schob die Favoritenbürde in der Gruppe gleich den Deutschen zu: "Es ist eine ausgeglichene Gruppe mit einem Favoriten – der ist Deutschland, wegen seines Potenzials, seiner Geschichte. Deutschland ist heißer Anwärter auf den Titel. Wir wollen aber unsere Möglichkeiten nutzen und ins Achtelfinale einziehen."

 

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