Auseinandersetzung mit der AfD Historiker: Faschismus-Begriff wird inflationär verwendet

"Steht das F in FDP für Faschismus?" Demonstranten vor der FDP-Geschäftsstelle in München. Foto: Lino Mirgeler/dpa/dpa

Der Thüringer Wahl-Eklat bewegt die Öffentlichkeit, viele Demonstranten fürchten die Wiederkehr des Faschismus. Doch mit der Situation im Deutschen Reich auf dem Weg zur Machtübernahme der Nazis ist die derzeitige Lage für den Historiker Heinrich August Winkler überhaupt nicht zu vergleichen.

 

Berlin - Der Historiker Heinrich August Winkler warnt in der Auseinandersetzung mit der AfD vor dem Begriff "Faschismus". Es "haben sich bestimmte Begriffe wie "faschistisch" als Kampfbegriffe eingespielt", sagte der Berliner Professor der "Welt am Sonntag".

"Aber der inflationäre Gebrauch des Begriffs "Faschismus" führt letztlich zu einer Verharmlosung des Faschismus."

Die AfD ist nach Winklers Verständnis auch nicht mit den Nationalsozialisten gleichzusetzen. "Sie ist am ehesten mit den Deutschnationalen der Weimarer Zeit zu vergleichen. Die Deutschnationale Volkspartei war eine antidemokratische, nationalistische und reaktionäre Rechtspartei mit einem starken völkisch-rassistischen Flügel. Es gehört ein hohes Maß an Geschichtsvergessenheit dazu, in die Fußstapfen dieser Partei zu treten."

Mit der Situation im Deutschen Reich auf dem Weg zur Machtübernahme der Nazis ist die derzeitige Lage für den Experten auch überhaupt nicht zu vergleichen, auch nicht die Wahl eines Ministerpräsidenten in Thüringen mit Hilfe der AfD. "Es ist absurd, ständig den Untergang der Weimarer Republik zu beschwören. Das was in Erfurt geschehen ist, ist alarmierend genug. Aber mit falschen Analogien wird die gegenwärtige Situation der deutschen Demokratie in ein völlig falsches Licht gerückt." Damals habe es im Reichstag eine Mehrheit gegen die Demokratie gegeben. "Die Lage zwischen 1932 und 1933 wird zu Recht als bürgerkriegsähnliche Situation beschrieben."

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