Ausbildung für Quereinsteiger Fahrschule zum Neustart: So wird man S-Bahn-Lokführer

, aktualisiert am 22.11.2018 - 15:52 Uhr
Noch mal ein ganz neuer Beruf: Stefan Neuneck (51) wird zum Lokführer ausgebildet. Marc Hildmann (hinten) betreut ihn. Foto: Petra Schramek

Die Bahn sucht nach Lokführern für die S-Bahn und wirbt deshalb auch um Quereinsteiger. Die AZ ist mitgefahren.

München - "Man hat so schön seine Ruhe", sagt Stefan Neubeck. Er lacht. "Ich war vorher Vertreter und musste den ganze Tag Leute bequatschen." Da hat er nun tatsächlich weit weniger Ansprache.

Neubeck, eigentlich Maschinenbaumeister, ist einer von 40, die die Bahn beim letzten Casting für Lokführer im Mai aus 200 Bewerbern ausgewählt hat. Er hatte im Radio von der Aktion gehört und war gleich begeistert. Mit 51 macht er jetzt die kompakte Ausbildung für Quereinsteiger (siehe nächste Seite).

40 Schichten dauert die Ausbildung

Es ist die siebte Schicht, die er fährt, natürlich nicht alleine, sondern mit einem Ausbilder nebendran. Am Ende der Ausbildung werden es 40 sein. Die AZ darf ein Stückerl mitfahren – vom Ostbahnhof, wo alle Lokführer täglich ihren Dienst antreten und beenden, durch den Stammstreckentunnel bis nach Pasing.

Als es los geht, wird einem kurz fast schwindlig, die Bahn legt sich ganz schön in die Kurve und taucht gleich nach dem Ostbahnhof ab in den Untergrund. Im Tunnel ist es stockdunkel, Signale zeigen, ob und wie weit die Strecke nach vorne frei ist. Vom Rosenheimer Platz bis kurz vor Pasing kommuniziert ein Kabel im Gleis mit dem Fahrzeug, wichtige Informationen werden auf den Geräten vorm Lokführer angezeigt, Geschwindigkeit, Zugkraft, der Fahrplan und vieles mehr. Auch eine S-Bahn ist eben in gewisser Weise ein Computer.
 

Schwierige Aufgabe: Die Bahnsteig-Markierungen am Isartor

Am Isartor gleich eine schwere Übung: Hier läuft gerade ein Pilotversuch mit Bahnsteig-Markierungen, die den Fahrgästen die optimalen Positionen zum Einsteigen zeigen sollen. Damit der Zug passend steht, muss der Lokführer eine Markierung rechts an der Wand beachten, ein rotes Rechteck, sollte genau im Fenster erscheinen.

So ganz klappt das nicht, aber Ausbildungsleiter Marc Hildmann ist nachsichtig: "Das sind 140 Meter Zug mit gut 260 Tonnen Leergewicht, da gehört schon was dazu, die punktgenau zum Stehen zu bringen", sagt er.

Bis zu 140 km/h können S-Bahnen fahren

Einfahrt in den Marienplatz: Die Position im Führerstand ist erstaunlich hoch, die Menschen auf dem Bahnsteig erscheinen überraschend weit weg. Man kann sich aber gut vorstellen, wie unschön es ein Lokführer wohl findet, wenn die Menschen zu nah an der Bahnsteigkante herumturnen.

"Ich glaube, die Leute unterschätzen oft, dass man teils mit 60 Sachen in den Bahnhof einfährt", sagt Fahrschüler Neudeck. Im Tunnel fährt die S-Bahn übrigens 60 bis 80 km/h, draußen auch 90, es gibt Abschnitte, auf denen bis zu 140 km/h möglich sind, etwa auf dem Weg zum Flughafen.

Bremsweg bei 140 km/h: Vom Hauptbahnhof bis zum Stachus

Gas und Bremse sind ein kleiner Steuerknüppel, ein Tuten zeigt, wann gebremst werden muss, der Zug würde das notfalls auch alleine machen. Aber, bei 140 km/h hätte der Zug – im Idealfall – 600 Meter Bremsweg, erklärt Marc Hildmann. Oder anders veranschaulicht, "von vorm Hauptbahnhof bis hinterm Stachus".

Bei der Einfahrt in den Stachus fällt auf, dass der Bahnsteig gar nicht gerade ist. Hildmann erklärt: "Wegen des Untergrunds war es leichter, die Station in S-Form zu bauen."

Der Lokführer ist im Notfall auch der Entertainer

Das Fahren ist nur ein Teil der Ausbildung. Das Pensum ist insgesamt knackig: Zu Beginn geht’s an die Grundlagen, die für alle Lokführer in der EU einheitlich sind, dann geht’s um das Betriebsspezifische. 

Das heißt auch, zusätzlich lernen zuhause. Es gibt Klausuren, mehrere Prüfungen. Es geht um Signale, das Rangieren, die Technik – und alles zum Thema Störung. Da muss man nicht nur mit dem Zug, sondern auch mit den Fahrgästen umgehen können. "Wenn man lange im Tunnel steht, muss man auch mal den Entertainer geben", sagt Hildmann.
 

 

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