Aufsichtsräts-Entscheidung Hoeneß-Votum: Immer mehr Kritik für FC-Bayern-Räte

Die Bayern-Bosse verlassen die Sitzung des Aufsichtsrates: hier Uli Hoeneß Foto: dpa

Im Steuerfall Hoeneß muss der Aufsichtsrat der FC Bayern AG Kritik einstecken. Experten halten es für falsch, dass der Präsident des deutschen Rekordmeisters seine Ämter nach einem Votum der Kontrolleure weiter ausüben darf.

 

Berlin – Die Entscheidung des Bayern-Aufsichtsrats für ein Festhalten an Vereinspatron Uli Hoeneß stößt zunehmend auf Kritik. Experten für saubere Unternehmensführung bewerteten das Verhalten des hochkarätig besetzten Kontrollgremiums der FC Bayern AG in der Steueraffäre um den Aufsichtsratschef Hoeneß als Fehler und verpasste Chance. „Es war auf alle Fälle eine problematische Entscheidung, Uli Hoeneß im Amt zu belassen“, befand der Vorstand des Bundesverbands Compliance, Henning Herzog, am Mittwoch im Deutschlandfunk.

Die acht Mitglieder des Aufsichtsrats des deutschen Fußball-Rekordmeisters hatten am Montag einstimmig beschlossen, dass Hoeneß trotz seines Steuerfalls sein Amt nicht ruhen lassen oder aufgeben soll. Nach seiner Selbstanzeige ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung, ein Haftbefehl gegen ihn wurde gegen die Zahlung einer Kaution in Millionenhöhe außer Vollzug gesetzt.

„Es ist nicht gut, wenn ein Aufsichtsrat zu erkennen gibt: So schlimm ist eine zugegebene Steuerhinterziehung ja nicht“, sagte Christian Strenger, Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, der „Welt“ (Mittwoch). Im Kontrollgremium der Bayern sitzen unter anderem Vorstände von Volkswagen, Audi, Telekom und Adidas, die sich in ihren Konzernen der sauberen Unternehmensführung verpflichtet haben. „Es ist nicht konsequent, wenn Vorstandschefs in den großen Konzernen auf Sauberkeit achten und dann als Aufsichtsräte beim FC Bayern die Zügel locker lassen“, kritisierte Strenger.

Die im Aufsichtsrat vertretenen Unternehmen hätten sich dem Deutschen Corporate Governance Kodex verpflichtet, sagte Compliance-Fachmann Herzog. „Der sieht ganz klar vor, dass es keine Interessenkonflikte auf Vorstands- und Aufsichtsratsebene geben darf“, erklärte Herzog, der auch Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre und Governance, Risk & Compliance an der Quadriga Hochschule Berlin ist.

Einige der im Aufsichtsrat vertretenen Unternehmen unterhielten jedoch auch geschäftliche Beziehungen zum FC Bayern – und deshalb sei das Aufsichtsratsmandat problematisch. Hier könne es zu Konflikten kommen, da es zu einer Vermengung zwischen den Interessen aus dem Geschäft zwischen dem Hauptsponsor und dem eigentlichen Verein auf der einen Seite und der Aufsicht auf der anderen Seite kommen könne. „Die soll eigentlich neutral und frei von Interessenkonflikten ausgeübt werden“, sagte Herzog weiter. Es werde Diskussionsbedarf geben, ob die Aufsichtsratstätigkeiten so langfristig auszuüben seien.

Auch Axel Smend, Beiratsvorsitzender der Deutschen Agentur für Aufsichtsräte, übte Kritik an den Bayern-Kontrolleuren. „Jemand, der in einem laufenden Strafverfahren steckt, hat einfach an der Spitze eines Aufsichtsratsgremiums nichts zu suchen“, sagte Smend der „Welt“.

Der frühere Chef der deutschen Steuergewerkschaft, Dieter Ondracek, nannte die Entscheidung des Bayern-Aufsichtsrats in der Causa Hoeneß „falsch“ und erklärte: „Damit geht das Signal raus, dass Steuerhinterziehung doch ein Kavaliersdelikt und weniger schlimm ist.“ Die Aufsichtsratsmitglieder seien durch ihr Votum „unglaubwürdig geworden“, fügte Ondracek im Interview des TV-Senders Sport1 hinzu. Auch für Uli Hoeneß könne es keine Ausnahme geben.

 

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