Auf Facebook Konstantin Wecker fordert: "Freiheit für Uli Hoeneß!"

Konstantin Wecker äußert sich zum Thema Hoeneß - auf Facebook. Foto: dpa

Der Musiker äußert sich auf Facebook zum Fall Hoeneß - und stellt eine auf den ersten Blick überraschende Forderung. Sein ironischer Kommentar im Wortlaut.

 

München - Der Text ist erst ein paar Stunden alt - hat aber am Mittwochabend schon 11 000 Likes. Konstantin Wecker hat ihn auf seinem Facebook-Profil veröffentlicht. Es geht um den meistbeachteten Prozess derzeit. Um die hinterzogenen Steuern von Uli Hoeneß.

"Liebe Freunde, Freiheit für Ulli Hoeneß!", schreibt Wecker da - zugegeben mit einem "l" zuviel. Eine Forderung, die auf den ersten Blick überrascht. Und Wecker-Fans womöglich provoziert.

Der zählt als urlinks, als Kapitalismus-Kritiker. Und bestimmt nicht als Hoeneß-Freund. Und zu denen zählen sich wohl auch die meisten seiner über 80 000 Facebook-Freunde.

Was meint Wecker mit diesen Worten? Hier sein Kommentar im Wortlaut:

"Bei Ulli Hoeneß passt einfach alles. Er ist Wurstfabrikant, Spekulant, Präsident der derzeit spektakulärsten Fußballmannschaft der Welt und wohnt in einer Villa am Tegernsee. Er ist ein Bilderbuchkapitalist, hat steuervergünstigt Millionen gespendet und etliche Millionen mehr hinterzogen. Business as usual. Ein Bankensystem, das spezialisiert ist auf den Steuerbetrug superreicher Schwerverbrecher hat es ihm leicht gemacht.

Ich weiß nicht genau, was man als Hilfsarbeiter in einer Wurstfabrik verdient, aber man muss schon ein paar Stunden schuften um sich ein Ticket in der Allianz Arena zu erarbeiten.
Nirgendwo in Europa klafft die Schere zwischen arm und reich so weit auseinander wie in Deutschland.

Gut für Menschen wie Hoeneß, der sich seinen Reichtum ja auch hart erarbeitet hat.
Zum Beispiel durch kräftezehrendes Zocken am Handy.

So funktioniert nun mal das System.

Der Ulli ist ein ehrenwerter Mann.
82 Prozent der Deutschen wünschten sich noch vor zwei Jahren mehr Hoeneß in der Politik.
Das sagt mehr über uns Deutsche aus, als die meisten soziologischen Abhandlungen.

Ich habe ihn mal in einer Talkshow fragen hören, warum es denn überhaupt noch andere Parteien als die CSU brauche.
Mehr Hoeneß in der Politik?

Dieser Mann - und das kann man ihm gar nicht übel nehmen, wenn man bedenkt, wie er jahrzehntelang hofiert und angeschleimt wurde- dieser Mann wird nie verstehen, dass er irgend etwas falsch gemacht haben soll.

In seinem Universum hat er auch nichts verbrochen. So funktioniert nun mal das System und der Ulli ist ein ehrenwerter Mann.
Ich wünsche niemandem den Knast. Verständlicherweise. Und auch dem Herrn Hoeneß nicht.

Warum auch. Der Mann ist sowieso nicht resozialisierbar. Ebensowenig wie seine Freunde von den Banken und Automobilkonzernen und Versicherungen.
Aber ich fordere ab sofort die Möglichkeit zur straffreien Selbstanzeige für alle Opferstockdiebe, Drogenkonsumenten, Bankräuber, Hausbesetzer, Demonstarationsvermummer, Sitzblockierer - ach, mir fielen noch viele ein.

Ich halte den Fussballmanager für nicht schuldfähig.
Er ist wie das System, das er verkörpert, verteidigt und liebt.
Ulli Hoeneß ist - und das trägt er schon lange zur Schau -der fleischgewordene Kapitalismus.
Eine wandelnde Wurstfabrik.

Und wenn man ihm eines vorwerfen kann, dann nur seinen sattsam bekannten vergeigten Elfmeter.
Wir linksradikalen Häuserbesetzer, Kryptokommunisten, Steinewerfer, Gutmenschen und Friedensdeppen sehen das eventuell anders.
Aber für jeden aufrechten Kapitalisten gibt es nur einen möglichen Kampfruf:

Freiheit für Ulli Hoeneß!"

 

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