Auf eine Maß mit... Fee Brembeck: Feminismus? Kommt drauf an

Bei ihr geht es auch ohne Alkohol rund: Fee. Foto: Daniel von Loeper Foto: Daniel von Loeper

Wie man Poetry Slam macht, kein Bier trinkt und trotzdem auf der Wiesn landet – auf eine Maß mit Fee Brembeck.

 

Soll noch einer sagen, Protestanten können keinen Spaß haben, auch ohne Alkohol: Felicia „Fee“ Brembeck ist eine 22 Jahre alte Münchnerin und studiert neben Deutsch auch Evangelische Theologie auf Lehramt. Sie ist Sängerin, Autorin und Slammerin – unter anderem U20-Meisterin im Poetry Slam von 2013. Jetzt fahren wir mit ihr erstmal Karussell.

AZ: Kaum auf der Theresienwiese, summen Sie vor sich hin. Was für ein Lied ist das?
FELICIA BREMBECK: Das war „Oh du schöne Münchner Stadt“ aus dem „Isarmärchen“. Damit habe ich mich heute Morgen eingestimmt. Das ist auch so ein klassisches Lied, das hier eine Sängerin in einem Zelt singen könnte.

Aber in klassische Festzelte gehen Sie gar nicht so oft.
Nein, aber ich nehme gern die Atmosphäre mit, laufe übers Gelände, sehr gern mit meinen Geschwistern. Oder ich fahre mit wilden Fahrgeschäften, oder zumindest witzigen.

Zelte sind für Sie vor allem nicht so interessant, weil Sie nicht trinken. Aber Einladungen gibt es ja sicher trotzdem immer wieder.
Klar, aber das ist normalerweise kein Problem. Ich trinke dann einfach ein Spezi. Das kommt natürlich auch ein bisschen auf die Gruppe an: ob ich annehmen muss, dass nach 15 Minuten alle komplett betrunken sind und ich davon ausgehen kann, dass ich keinen Spaß mehr haben werde, oder sich das langsam steigert, man zusammen eine gute Zeit hat und ich irgendwann aussteige.

Woher bekommen Sie Ihren Rausch?
Ich fahre sehr viel Karussell! Außerdem ist mein Leben an sich ganz schön berauschend. Ich bin fast dauernd unterwegs, mache wahnsinnig viele Dinge, die mir Spaß machen, mit Leuten, die mich total euphorisieren. Es gibt auch Leute, die froh sind, dass ich keinen Alkohol trinke, weil sie sich gar nicht vorstellen können, wie das dann erst wäre!

Warum trinken Sie nicht?
Das ist bei mir eine Prinzipiensache. Ich habe festgestellt: Es gefällt mir eh nicht so gut. Ich ziehe daraus nicht so viel euphorische Wirkung, dass es für mich die schädliche Wirkung aufwiegen würde. Das ist körperlich schon ein krasser Unterschied, wenn man nicht mehr trinkt. Und wenn ich ständig wieder deshalb ausgefragt und gedrängt werde, doch etwas zu trinken, merke ich, dass das eigentlich einen viel zu großen gesellschaftlichen Stellenwert dafür hat, dass es Nervengift ist.

Es ist ja grundsätzlich immer mehr verbreitet, abstinent von Alkohol oder bestimmten Lebensmitteln zu leben.
Das stimmt, das ist für viele inzwischen ein Lifestyle. Ich mag es auch nicht, meine Entsagung als Abstinenz zu bezeichnen, weil es keine Entbehrung ist. Ich unterhalte mich auch lieber mit nüchternen Menschen.

Am Donnerstagabend veranstaltet der „Slutwalk München“ hier eine Aktion, mit Neonröhren und Glitzer. Sie sind da auch immer sehr engagiert: Was hat es damit auf sich?
In diese Aktion bin ich nicht so sehr involviert, aber da geht es wieder darum, auf das Problem sexuelle Gewalt aufmerksam zu machen. Da gibt es auch gerade die tolle Kampagne „I frog di“ von der „Aktion sichere Wiesn“, wo die Jungen und Männer angesprochen werden und dafür einstehen sollen, dass es eine sichere Wiesn wird. Es ist eben immer noch ein Problem, dass, wenn etwas passiert, die Verantwortung zuerst bei den Mädels und Frauen gesucht wird. Und das fängt früh an, zum Beispiel bei der Frage: Wo trage ich meine Dirndlschürzenschleife?

Weil die Frau damit Verfügbarkeit demonstrieren soll.
Es ist seltsam, dass eine Frau über ihre Kleidung etwas aussagen muss: „Ich bin verfügbar, du kannst mich anlangen“ oder „Nein, ich gehöre jemandem“. Das sind überholte Muster, die da unter dem Deckmantel der Tradition gefeiert werden.

Wie lösen Sie das mit Ihrer Schleife? Irgendwo muss sie ja hin ...
Die trage ich hinten, wie Kinder und Witwen. Oder wenn der Stoff nicht reicht: vorne in der Mitte. Wenn jemand etwas von mir möchte, sei’s nur mit mir zu sprechen oder weiter zu kommen, dann soll er den Mund aufmachen und mich einfach ansprechen. Dann werde ich ihm schon erzählen, wie weit er gehen darf.

Es lässt sich nicht vermeiden, über Kleidung nachzudenken – zum Beispiel, was Sie auf der Bühne anziehen oder für das Schlendern über die Wiesn.
Natürlich mache ich mir Gedanken über meine Kleidung, schon allein, weil ich Klamotten liebe und es toll finde, was man alles damit aussagen kann. Und das genieße ich! Ich breche gern mit Absicht die Erwartungen. Zum Beispiel wenn ich auf Genderkonferenzen eingeladen werde: Dahin komme ich im Kleid und mit Blumen im Haar oder im Minirock. Und zu Konferenzen mit wichtigen Entscheidern komme ich sehr leger oder sogar in meiner Latzhose.

Aus Trotz?
Nein. Weil ich zeigen will: Ich kann Feministin sein und trotzdem so aussehen. Wobei „trotzdem“ auch schon nicht passt. Es soll ja darum gehen, was ich sage, was ich denke, wie ich mich verhalte – und nicht schon wieder darum, wie viel Stoff ich anhabe.

Wie viel Glitzer bräuchte man, um die Wiesn für Frauen schön zu machen?
Das liegt natürlich leider nicht nur am Glitzer, sonst könnte ich das mit meinen eigenen Vorräten bewerkstelligen! Aber momentan ist es einfach immer noch so, dass die Wiesnzeit eine Zeit ist, in der unglaublich viele Belästigungen und Vergewaltigungen passieren und viele Vorfälle gar nicht angezeigt werden. Darum sind solche Aktionen wie die am Donnerstag wichtig, damit alle begreifen, dass ein schönes Dekolleté nicht bedeutet, dass man dranlangen darf. Es ist keine Einladung, sondern vielleicht einfach nur da, weil es schön ist und zur Tracht gehört.

So etwas bei einem Slam-Abend zu thematisieren, ist sehr idealistisch: Es hat ja nicht jeder Lust, drüber nachzudenken, dass das auch gerade sein eigenes Verhalten kritisieren könnte.
Jein. Natürlich geht es bei Slam viel um Comedy, aber oft fordert das Publikum auch ernste Themen. Man kann tiefgründig und trotzdem witzig sein! Es wäre für mich nicht natürlich, das zu ernst anzugehen: Ich bin auch eine Quatschnudel. Grundsätzlich gilt jedenfalls: Wenn ich da oben stehe und meine fünf Minuten habe, dann hören mir die Leute zu.

Ablehnung kommt auch, nicht zu knapp, nehme ich an?
Natürlich, vor allem unter Youtube-Videos von meinen Auftritten gibt es Hasskommentare. Vor allem am Anfang, als ich zum ersten Mal eine große Reichweite damit hatte und noch so 18 Jahre alt war, hat mich das krass getroffen. Inzwischen kann ich mich ganz gut dagegen abschirmen, auch wenn es mich immer noch nicht kaltlässt. Aber ich hatte schon Diskussionen, wo sich die Meinung eines Menschen während des Gesprächs gewandelt hat. Das ist jedes Mal wie ein Wunder, und ich denke mir dann: Man sollte die Hoffnung nicht aufgeben.


In München tritt Fee mit den „Stützen der Gesellschaft“ im Fraunhofertheater auf, wieder am 18. Oktober

 

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