Auf eine Maß mit... Die Twitter Sisters auf der Oidn Wiesn

Da lacht der Standlmann bei der Hexenschaukel: Besuch von den Twitter Sisters mit Antonia Dering zwischen ihrer Schwester Carlotta (li.) und Pia Hinze. Foto: Bernd Wackerbauer

Die Twitter Sisters sind schon aus familiären Gründen die größten Fans der Oidn Wiesn, am Sonntag singen sie da

 

Wenn ein Mann das vorgeschlagen hätte, wäre es ihm heute wahrscheinlich um die Ohren geflogen: Ein Wiesnfoto von drei Frauen in der Hexenschaukel! Aber der Vorschlag kam ja von Antonia Dering selbst. Denn die Musikerin ist – zusammen mit ihrer Schwester Charlotta – Tochter des ehemaligen Stadtmuseumsdirektors und Oide-Wiesn-Gründers Florian Dering, und der hat just diese Traditionsbude restauriert und neu ausgemalt. Nach dem Foto gehen wir dann über die Wiesn rüber ins Herzkasperlzelt, wo sie als Twitter Sisters diesen Sonntag auftreten.

AZ: Twitter Sisters! Das klingt weniger nostalgisch, sondern im Trump-Zeitalter eher bedrohlich.
CARLOTTA DERING: Der Witz ist: Wir waren früher dran! Es gibt uns schon länger als den Messenger-Dienst. Die Antonia hatte die Namensidee: Dering Sisters ging nicht, weil die Pia ja nicht wirklich unsere Schwester ist. Das wäre dann diskriminierend gewesen. Also haben wir uns fürs Zwitschern entschieden.
ANTONIA DERING: Und ganz am Anfang gab’s wirklich mal einen Anruf von Twitter wegen unserem Facebook-Account und dem Namensrecht. Wir haben das nicht weiter verfolgt oder verhandelt. Vielleicht wäre wir sonst schon reich!
Zwei Schwestern und eine Freundin. Machos würden da sofort Zickenkrieg vermuten. Was hält Euch zusammen?
ANTONIA: 15 Jahre Musikgeschichte. Und mittlerweile sind wir, obwohl die Pia keine echte Schwester ist, doch Schwestern geworden.

Ihr seid aber etwas zu jung, um schon 15 Jahre zusammen Musik zu machen.
CARLOTTA: Wir waren wie die Orgelpfeifen: 13, 14, 15 Jahre.

Also: Drei Schwestern: Da gibt es aber dann halt Geschwister-Rivalität!
CARLOTTA: Im Gegenteil: Geschwisterliebe! Wir waren zusammen auf dem Käthe-Kollwitz-Gymnasium. Ein Musiklehrer, der die Bigband geleitet hat, und die Musiklehrerin, die den Chor geleitet hat: Die haben uns zusammengebracht. Da bekamen wir das mehrstimmige Singen beigebracht und den Jazz, dass wir den so ausleben konnten.
ANTONIA: Und die Oide Wiesn trägt dazu bei, dass wir musikalisch zusammenbleiben, weil wir hier halt immer auftreten. Ich komme dazu ja aus Wien.
PIA HINZE: Antonia ist ja auch von uns die einzige Profimusikerin, die singt und Kontrabass spielt. Ohne dass sie das letztlich setzt und notiert, was wir erarbeiten, könnten wir das auch nicht machen und an die Musiker weitergeben, die uns begleiten. Wir sind ja auf der Bühne dann zu acht.

Da sind ja auch Musiker von den Wiener Gewürztraminern dabei.
ANTONIA: Die haben wir auf die Oide Wiesn gebracht. Die haben schon letztes Jahr das Herzkasperlzelt so mitgerissen, dass das Publikum das Zelt fast abgerissen hat. Mit dem Bassisten bin ich auch verlobt. Das gibt im kommenden Jahr eine echte Musikerhochzeit.

Ein Tisch ist reserviert: „Carlotta“. Da erst Nachmittag ist, wird erst einmal Cappuccino und Kaffee bestellt. Und Carlotta hat Geburtstag. Alles Gute! Pia wird heute aber nur bis zum frühen Abend dabei sein: Sie geht noch – als Kontrastprogramm – zu Cher in die Olympiahalle.

Musikalisch hört man ja bei euch die berühmten amerikanischen Andrew Sisters mit.
CARLOTTA: Wir singen auch „Rum and CocaCola“. Pia ist die weiche, tiefe Stimme, die alles wunderbar grundiert und untermalt. Die Antonia hat als professionell ausgebildete Stimme die Leadstimme, die auch im Bierzelt durch kommt. Ich selbst habe ein Händchen für zweite Stimmen. Das haben wir schon als Kinder so gemacht. Und dann haben wir mit Pia die dritte Stimme adoptiert. Diese ganze Vintage-Richtung, das Nostalgische ist unser Stil.

Das passt dann ja zur Oidn Wiesn.
PIA: Wir sind mit der Oidn Wiesn groß geworden und hoffen, dass am Sonntag auch ein paar Swingtänzer auftauchen vor der Bühne von uns drei Münchner Kindln. Wir können da mit Swing das Kulturprogramm durchaus erweitern.
ANTONIA: Ich fühl mich auf der Wiesn sauwohl, wo ich schon mit drei Monaten das erste Mal war. Die Lotta und ich waren mit unserem Papa ständig auf der Wiesn. Aber da ist alles immer extremer geworden: Richtung Ballermann und Saufen. Mit 16 findet man das noch lustig, aber mir wird das zuviel. Da war die Oide Wiesn als Traditionswiesn ein genialer Streich. Wie wir da gerade von der Hexenschaukel über die große Wiesn hierher rübergegangen sind, hab ich gedacht: Oh Gott, bloß weiter, und war sofort erleichtert, als wir die Schwelle zur Oidn Wiesn überschritten haben.

Aber das ist hier ja eingezäunt und vielleicht auch ein bisschen so ein Museums- oder Zoo-Gefühl?
CARLOTTA: Überhaupt nicht. Ich nenne den 3-Euro-Eintritt hier immer die „Deppenschwelle“. Wer’s reinschafft, der will das auch: mehr Familien, andere Musik, Biergartenatmosphäre.
PIA: Ich finde den Zoo-Vergleich passend. Nur ist die Perspektive genau andersherum: Von hieraus kommt mir die große Wiesn auf der anderen Seite des Zauns wie ein Bestiarium vor.
ANTONIA: Aber es ist natürlich auch wichtig, dass auf der großen Wiesn Traditionsgeschäfte bleiben, wie eben die Hexenschaukel oder „Im Banne der Motoren“, die Zugspitzbahn oder der Autoscooter Lindner, den wir auch jedes Jahr mitnehmen! Die sorgen für Substanz.

Die Twitter Sisters auf der Oidn Wiesn: diesen Sonntag, 14 bis 16 Uhr im Herzkasperlzelt

 

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