Auf dem Highway und der Rennstrecke BMW X3 M und X4 M: Münchner Kraftmaschinen im Test

Ausprobiert: Autor Rudolf Huber mit dem neuen X4-Derivat vor den Testfahrten auf dem Monticello Raceway. Foto: Bernhard Limberger/BMW

BMW macht dem X3 und seinem Coupé-Bruder X4 Beine. Und wie. Die M GmbH verwandelt sie in Sports Activity Vehicles (SAV) der ganz besonders dynamischen Art.

 

Monticello/New Jersey – Von nichts kommt nichts - deshalb haben die Bayern ihrem Power-X einen ziemlich munteren Antrieb spendiert. Dazu kommen typische M-Zutaten wie die gewaltigen Lufteinlässe an der Vorderfront. Es ist der bisher stärkste in einem M-Fahrzeug eingesetzte Reihensechszylinder-Benziner. Das rundum neue Aggregat holt aus drei Litern Hubraum dank Doppelturbo und sonstiger technischer Feinheiten 480 PS und 600 Newtonmeter maximales Drehmoment. Damit nicht genug: In der Version Competition darf es auch noch etwas mehr sein, nämlich 510 PS.

Ein SUV oder SAV und eine derartig gewaltige Kraftmaschine? Ziel der M GmbH bei der Realisierung des Projekts X3 M und X4 M war, das Gefühl aus einem M3 "in den ersten Stock" zu transportieren, so M-Chef Markus Flasch. Und nach den ersten Runden über den Monticello Raceway im Gartenstaat New Jersey kann man den Damen und Herren Ingenieuren attestierten: Das ist ihnen gelungen.

BMW X4 M: Renngefühle im ersten Stock

Der für die Renneinlage gewählte X4 M Competition zeigt auf dem technisch anspruchsvollen Kurs, dass Renngefühle auch im Oberstübchen eine ziemlich lustvolle Angelegenheit sind. Das mit dem "am Gas hängen" kann der neue Reihensechser aus dem Effeff, und weil die M-Leute auch noch die komplette Peripherie für eine duale Verwendung auf der Straße und der Rennstrecke ausgelegt haben, passt alles aufs Feinste zusammen.

Wie im M5 lassen sich die Achtgang-Automatik, die Lenkung und die Federung separat wie gewünscht einstellen, über die M1- und die M2-Taste am Lenkrad können zwei vorgewählte Settings per Fingertipp aktiviert werden. Das erweckt fast schon ein bisschen so etwas wie Renngefühle.

Allein für die Bedienung benötigt es Training

Überhaupt die Einstellungen: Um sämtliche Optionen zu beherrschen und alle dafür nötigen Tasten einigermaßen fix zu finden, sollte man ein paar Extra-Trainingseinheiten ansetzen. Schon die Betätigung des Automatik-Wählhebels ist anders als in anderen BMW, nämlich M-typisch - also etwa mit dem Rückwärtsgang vorne links. Das Getriebe ist an einen ebenfalls aus dem M5 entlehnten und deswegen stark heckbetonten Allradantrieb gekoppelt, die Kraft nach vorne lässt sich hier allerdings nicht komplett abschalten, das passe nicht zu einem SAV, findet Markus Flasch.

In verschärfter Aktion passt das Zusammenspiel der Systeme jedenfalls auf beeindruckende Weise. Der X4 M beschleunigt aus engen Kurven unter Ausnutzung all seiner Kräfte heraus, dass es eine wahre Freude ist. Er lässt sich geradezu brutal in diese Kurven reinprügeln, verzeiht generös auch mal einen kleinen Schaltwippen- oder Lenkfehler und ist insgesamt so unglaublich schnell unterwegs, dass das Bild vom höhergelegten M3 wirklich passt. Verzögert wird serienmäßig mit M Compound-Bremsen. Und zwar bei Bedarf extrem radikal.

Auf der regulären Straße, im Komfort-Modus rundum, bleibt eine ordentliche Portion Resthärte erhalten, Sport- oder Sport plus kann man Menschen mit Bandscheiben- oder ähnlichen Problemen definitiv nicht empfehlen - dann geraten auch die Zahnfüllungen in Gefahr. Platz gibt es reichlich und eine feine Ausstattung mit Spezialsitzen und diversen M-Signets ebenso.

Preise: BMW X3 M beginnt bei knapp 85.000 Euro, X4 M bei gut 87.000 Euro

Im September 2019 soll das schnelle Doppel bei uns antreten, wer daran interessiert ist, kann schon mal damit beginnen, den Sparstrumpf zu füllen. Denn der X3 M kostet mindestens 84.900, der Competition ab 93.400 Euro. Und beim X4 M geht es um 87.100 und 95.600 Euro.

Feinheiten wie etwa das M Carbon-Exterieurpaket für 3.550 Euro oder die Anhängerkupplung für 1.110 Euro sind dabei noch gar nicht enthalten. Wo doch die Vorstellung eines X4 M Competition mit dahinter gespanntem Hänger voller Rasen- und Baumschnitt durchaus witzig ist: mit 510 PS auf den Recyclinghof, das hätte doch was.

 

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